Schiedsrichterchor berührt die Herzen

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Der Schiedsrichterchor unter Ursula Riehm bewegte mit seinem Vortrag die Zuhörer in der Balinger Stadthalle.  Foto: 

Chormusik, die das Herz berührt, brachte der Schiedsrichterchor Zollernalb in der Balinger Stadthalle zu Gehör. Schon mit den ersten Klängen hatte der Chor die Zuhörer für sich eingenommen. „Der Wanderer“ von Friedrich Silcher eröffnete das Programm und erklang in wirklich edler Wiedergabe. Es folgten das „Waldlied“ und „Nun leb wohl, du kleine Gasse“, ebenfalls von Silcher, in denen der Schiedsrichterchor und die Chorsolisten Walter Rützel, Hans-Peter Schwenk, Bernd Stifel und Guido Weiß klangliche und stilistische Vielfalt präsentierten.

Man konnte bereits in diesen, wie auch in allen folgenden Chorsätzen hören, dass Ursula Riehm mit dem Chor während der Proben unermüdlich an einem auf dem Atem schwebenden, sich aus dem Piano entwickelnden, zugleich dichten und doch leichten Klang arbeitet, der je nach der gestalterisch geforderten Artikulation markiert, oder in dichtem Legato strömt und dabei stets obertonreich ist. Mit bewusster Zurückhaltung, dennoch strahlend im Ton, voll zarter lyrischer Momente und dramatischer Akzente, interpretierte der Chor das fast durchweg romantische Programm des ersten Teils. Besonders hervorzuheben ist wohl die Volksweise „Warum bist du gekommen“, ein Satz von Rudi Kühn. Der Chor und die beiden Solisten Hans-Peter Schwenk und Bernhard Brenner sangen diesen Satz leise, filigran, von sensibler Nuancierung inspiriert.

Als Kontrast zur Chormusik folgten nach der Pause drei solistische Einlagen. Anrührend, spritzig und verträumt. Merlind Witte (Sopran), Bernd Stifel (Tenor) und Katalin Teologitis (Klavier), eröffneten den zweiten Programmteil mit dem Duett „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. Durch den herrlichen Gesang, aber auch durch das wohl abgestimmte Schauspiel, kamen die Musizierenden direkt mit dem Publikum in Kontakt.

Im darauf folgenden „Streitgespräch“ „Lass er doch hören“ aus der Oper „Der Wildschütz“ von Lortzing zog Merlind Witte die Zuhörer mit großem Volumen, variabler Stimmführung und mit ausdrucksstarkem Schauspiel in ihren Bann; Walter Rützel begeisterte durch seinen modulationsfähigen tragenden Bariton, dem auch die rhythmisch schwierigen Passagen mit Leichtigkeit über die Lippen kamen. Die begleitende Pianistin Katalin Teologitis, deren professionell nuanciertes Spiel die Waage hielt zwischen zurückhaltender Begleitfunktion und selbstbewusster Strahlkraft, agierte sowohl als Begleiterin des Chores als auch der Solisten, sehr feinfühlig.

Eine Herzensangelegenheit ganz besonderer Art war die „Solistenzugabe“, nämlich „Grazie agl’ inganni tuoi“ von Mozart, in einer Wiedergabe durch Merlind Witte, Bernd Stifel, Walter Rützel und Katalin Teologitis. Der Schiedsrichterchor widmete sich im zweiten Programmteil des Konzertes dann einem Repertoire, das verschiedene Facetten der Unterhaltungsmusik zum Erklingen brachte. Neben sechs Volksliedern aus der Schweiz und Russland, erklangen der „Matrosenchor“ aus „Der fliegende Holländer“ von Wagner und ein Udo Jürgens Medley.

Singen, so konnte man hören, sehen und fühlen, ist für Ursula Riehm ein elementares Bedürfnis, und Chorleitung heißt für sie, ­andere an ihrer Freude am Singen teilhaben zu lassen, sie in die Schönheiten des Chorsatzes ­einzuweihen. Deshalb ist der Klang des Schiedsrichterchores durch eine fühlbare Unmittelbarkeit zwischen der Dirigentin und ­ihrem Ensemble geprägt. Durch ihre Gestik und Mimik formt ­Ursula Riehm im Augenblick des Musizierens den Klangkörper.

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