Was bleibt der Balinger Stadthalle?

Keine Frage, sie nehmen den neuen Mitbewerber ernst. Aber mit gesundem Selbstvertrauen: Balingens Kulturmacher Ulrich Klingler und der Tübinger Konzertmanager Marc Oßwald - eine Lagebesprechung.

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Am 20. April gastieren die Amigos in der Stadthalle Balingen - auch dabei hat die Koko & DTK GmbH mitgewirkt.

Anfang nächsten Jahres nimmt die neue Reutlinger Stadthalle ihren Betrieb auf. Es ist ein beeindruckender Gebäudekomplex, quasi als Entrée zur Achalmstadt, zum Oberzentrum. Auf dessen ehemaligem Bruderhaus-Areal. Und so, wie vor 40 Jahren die Idee für Balingens Stadthalle maßgeblich von hiesigen Theater- und Konzertfreunden getragen war, so wird heute die Reutlinger Halle vor allem von der dortigen Württembergischen Philharmonie getragen.

"Vor allem aber wird die Halle neu sein!", Ulrich Klingler weiß aus eigener Erfahrung um den Effekt des Neuen. Es macht neugierig. Es dürfte zunächst einmal den einen oder anderen Kunstfreund anlocken. So hatte er es selbst erlebt, jüngst nach Wiedereröffnung der aufwendigen Sanierung und Foyervergrößerung der Balinger Stadthalle. Die neue Reutlinger Stadthalle wird in etwa ebenfalls rund 1100 Zuschauern Platz bieten, sie wird, ebenso wie in Balingen, vorrangig bestuhlte Veranstaltungen bieten.

Sie wird aber auch Veranstalter locken, Tagungsveranstalter und deren Gäste. Ein scharfer Wettbewerb im Ländle und eine ernstzunehmende Herausforderung räumt er im Redaktionsgespräch ein. Klingler und der Tübinger Konzertveranstalter und Geschäftsführer der Koko & DTK, Marc Oßwald, beleuchten die künftige Kulturszenerie auf der Neckaralb.

"Eigentlich eine grandiose Geschichte", schwärmt Uli Klingler bereits - und könnte sich mit der neuen Reutlinger Halle einen ähnlich befruchtenden Effekt vorstellen, wie in den Achtzigern und Neunzigern zwischen beiden Kunstausstellungsreihen Roland Doschkas in Balingen und Götz Adrianis in Tübingen.

"Es war ein bundesweit beachtetes Phänomen", darin sind sich alle einig. Nur Zufall? Oder könnte es sich tatsächlich auch wiederholen lassen? "Geschick, Fingerspitzengefühl, aber auch Fleiß gehört dazu", sagt Marc Oßwald. So erlebe er es seit über 20 Jahren in Balingen. Für ihn sind es keine Zufälle, sondern die Früchte und Erfolge engagierter Menschen. "Geht nicht, gabs noch nie in Balingen", lobt er seinen Gesprächspartner Ulrich Klingler. Diese Erfolge tragen Namen: Beispielsweise die SWR-3-Open-Airs auf dem Messegelände, die Kastelruther Spatzen, Ich&Ich, Adoro, Silbermond, bereits drei Mal Dieter Thomas Kuhn, Otto in Balingen und Konstantin Wecker. "Nur so wird es Ihnen möglich sein, einen Herbert Grönemeyer nach Balingen zu bringen", betont Oßwald. "Der fragt zuerst, wer da bereits gespielt hat? Wenn er nicht zuvor sowieso schon einmal von Balingen gehört hätte..." Eben das sei in 30 Jahren Kulturarbeit sehr oft der Fall gewesen. Diese Rolle eines "kulturellen Oberzentrums" müsse sich ein Standort, eine Stadthalle erst erarbeiten. Die Marke Balingen habe sich als Konzertstandort etabliert, bestätigt Marc Oßwald. Auf die Schnelle sei solches kaum möglich.

Klingler untermauert diese Darstellung mit handfesten Zahlen: Allein im ersten Quartal 2012 zählte er in den drei großen Hallen der Stadt, Sparkassen-Arena, Volksbank-Messe und Stadthalle, bei rund 80 Veranstaltungen über 50 000 Besucher. Gleichwohl weiß Ulrich Klingler: Die Reutlinger Stadthalle wird eine durchaus ernste Konkurrenz für ihn. Die neue Halle werde sicherlich nicht von alleine laufen, sie werde beispielsweise mit ihrer Ausrichtung in Richtung Esslingen gleichfalls vor Herausforderungen gestellt, sie könnte aber mit sicherlich eigenständiger Ausrichtung auch das Profil der Balinger Stadthalle schärfen. Stelle sich doch die Reutlinger Halle vorrangig als Vermieter für Tournee-Veranstalter zur Verfügung, deshalb genüge wohl auch eine personelle Ausstattung mit angeblich fünf bis sechs Personen, während das Balinger Stadthallenteam (auch zuständig für Volksbankmesse und Ausstellungsgelände) für sein viel fach eigenes Programm derzeit 21 "Kräfte" stark ist.

Zur Person Marc Oßwald ist einer von drei Geschäftsführern der bundesweit agierenden Konzertagentur Koko & DTK (hervorgegangen aus der Konstanzer Konzertagentur und der Agentur Dieter Thomas Kuhn). Das Unternehmen beschäftigt an den Standorten Konstanz, Freiburg und Tübingen 18 Mitarbeiter. Zahlreiche Balinger Großveranstaltungen auf Messegelände und Marktplatz wurden in den vergangenen Jahren von Koko & DTK ausgerichtet.

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