Suche für Nachnutzung der Zollernalbkaserne geht weiter

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In den kommenden zwei Jahren sollen in Baden-Württemberg jeweils 1800 Menschen ihre Ausbildung bei der Polizei starten. Meßstetten hätte auf dem Kasernengelände den Platz für eine Schule zur Verfügung gestellt, kam aber nicht zum Zuge.  Foto: 

Meßstettens Rathaus­chef Frank Schroft hat am Mittwoch alle Termine abgesagt. Aus gutem Grund. Das Telefon stand kaum still, nachdem die Nachricht raus war, dass die Stadt das Rennen um die Ansiedlung einer Polizeischule verloren hat.

Das Innenministerium in Stuttgart hat bestätigt, was den beiden Fraktionschefs von Grünen und CDU aus einem Schreiben von Minister Thomas Strobl bereits bekannt war: Der Campus in Villingen-Schwenningen wird ausgebaut, die Hochschule erhält einen neuen Hörsaal, die Mensa wird erweitert, die Stadt kümmert sich um Wohnraum und Parkmöglichkeiten. Minister Strobls Entscheidung, die Ausbildung der Polizeikommissare zentral am Hochschulstandort Villingen-Schwenningen zu belassen und die Kapazität auf 1700 Studienplätze auszubauen, stößt in Polizeikreisen auf Wohlwollen.

Meßstetten hätte in gleicher Weise mitgezogen, wäre die Zollernalbkaserne in die engere Wahl als Schulstandort für die Ausbildung der Anwärter für den mittleren Polizeidienst gekommen. Doch Strobl hat sich für Wertheim und Herrenberg entschieden und die Stärkung der bestehenden Standorte in Biberach und Lahr angekündigt.

Über den Vorschlag des Ministers werde das Kabinett voraussichtlich Anfang 2018 entscheiden, heißt es im Innenministerium. Doch die Empfehlung des Hausherrn scheint eher Faktum zu sein denn Grundlage für weitere Diskussionen im Kollegium des Regierungsteams.

„Es war keine Entscheidung gegen Meßstetten“, versicherte der stellvertretende Pressesprecher Carsten Dehner auf Anfrage. Kapazität, Bausubstanz und die Verfügbarkeit von Gelände und Immobilien hätten unter anderem als Kriterien bei der Standortfestlegung gedient.

Eine Aussage, die Meßstettens Bürgermeister in Erstaunen versetzt. Die Zollernalbkaserne stünde ab sofort zur Verfügung. Das Land hat sogar bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) eine Anfrage auf einen fünfjährigen Mietvertrag gestellt. Warum sich die Pläne zerschlagen haben, wollte der Pressesprecher nicht kommentieren. Das Tauziehen um die Hochschule mit diesem Ergebnis sei ein gemeinsamer Erfolg aller, die sich für die Einstandort-Lösung eingesetzt haben, freut sich derweil Oberbürgermeister Rupert Kubon in Villingen-Schwenningen. Über die Parteigrenzen hinweg hätten Abgeordnete, der Landrat und der OB an einem Strang gezogen.

Im Zollernalbkreis reagierten die Politiker auf die Hiobsbotschaft erst auf Nachfrage. Es sei ärgerlich, dass Meßstetten nicht zum Zuge komme. Die Kaserne wäre ein sehr guter Standort für eine geplante Erweiterung der Polizeischule gewesen, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß. Stuttgart habe eine Verpflichtung gegenüber der Region und diese fordere er auch ein.

Am späten Nachmittag gab es auch eine Reaktion aus dem Büro der CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Die Ministerin sei nach wie vor der festen Überzeugung, dass sich die ehemalige Zollernalbkaserne in hervorragender Weise für die Einrichtung einer solchen Schule geeignet hätte – nicht zuletzt wegen eines gerade auch im Verhältnis zu möglichen anderen Standorten sicherlich sehr positiven Kosten-Nutzen-Verhältnisses.

Sie habe Innenminister Thomas Strobl in einem Schreiben und weiteren Gesprächen nachdrücklich gebeten, die für den Meßstetter Standort sprechenden Argumente in die Auswahlentscheidung einzubeziehen. Sie sei enttäuscht, werde sich aber gegenüber dem Innenministerium weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass sich das Land in der Nachnutzung des Standortes Meßstetten engagiere.

Landrat Günther-Martin Pauli bedauert, dass das Versprechen der Vorgängerregierung offenbar keinen Haltbarkeitswert habe, und die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Landespolitik dadurch großen Schaden nehme. Pauli: „Die angekündigte Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar. Möglicherweise wurde der Standort Meßstetten absichtlich schlecht gerechnet.“

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