Reinstes Raunzen

Unfassbare Wutausbrüche in Reinform: Hans-Joachim Heist hat als Gernot Hassknecht das Cholerikertum zur satirischen Kunstform erhoben. Die Zuschauer in der Stadthalle Balingen hatten ihren Spaß daran.

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Bluthochdruck und cholerisches Auftreten sind das Lebenselixier von Gernot Hassknecht. Seine grenzenlose Wut stellte er in Balingen unter Beweis.  Foto: 

Der Zuschauer hat Verspätung und schleicht sich in den Großen Saal der Stadthalle. Doch einem Gernot Hassknecht entgeht nichts. "Warum kommen Sie erst jetzt?", raunzt er ihn an. "Der Verkehr war schuld", verteidigt sich der Zuspätgekommene und hofft auf Gnade. Von wegen Gnade! "Das sagen Männer immer." Großes Gelächter im Saal und ein Anflug von Schmunzeln bei Hassknecht. Willkommen in der Welt von Bluthochdruck, Kraftausdrücken und dem ständigen Schimpfen über die Schlechtigkeiten der Welt.

Denn genau so funktioniert das Hassknecht-Prinzip. Und dafür lieben ihn viele Fans der ZDF-Heute-Show, in der er regelmäßig maßregelt - und dies in einer Lautstärke und Intensität, die einen stets befürchten lässt, dass es seine allerletzten Worte sind.

Einen telegenen Wutausbruch allein hält der 66-Jährige Hans-Joachim Heist als Gernot Hassknecht dann aber stets problemlos durch. Deren mehrere wollen in seiner zweistündigen Bühnenshow aber doch wohlportioniert sein. Und so gönnt Heist sich und seinem Alter ego Hassknecht auf der Bühne die eine oder andere Choleriker-Verschnaufpause. Stattdessen gibt es dann via Leinwand einige geschickt ins Programm eingebaute Hassknecht-Konserven aus der Heute-Show.

Den Lachsalven im Stadthallensaal - "der Saal sieht ja aus, als hätte ihn einst der Innenarchitekt von Saddam Hussein gebaut" - tut dies keinen Abbruch.

Denn kaum ist der Einspieler vorüber, schnaubt Hassknecht wieder live und schimpft sich in Rage. Die Opfer: vor allem Bundespolitiker und seine ihn immer wieder einmal verlassende fiktive Ehefrau Renate, das "Fass ohne Hoden". Letzteres beweist, wie schmal bei Hans-Joachim Heist der Grad zwischen hervorragend prolligem Politkabarett und geschmacklosen Kalauern ist.

Bis auf wenige Ausnahmen hält er auch in Balingen die Balance. Und statt einer klassischen Zugabe macht er seinem Publikum ein nicht alltägliches Angebot. "Ich bin jetzt gleich noch im Foyer und gebe beim CD-Verkaufsstand Autogramme. Wer will, darf mich während des Unterschreibens anschreien."

Der Zuspätgekommene war dabei vermutlich der Erste.

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