Perspektiven fürs Alter

In der letzten Septemberwoche soll die erste Versammlung für die neu gegründete Seniorengenossenschaft "Erntedank" stattfinden. Das Konzept soll älteren Menschen helfen, länger selbstständig zu bleiben.

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Wilfried Wernet pendelt zwischen seinem aktuellen Wohnort in der Schweiz und Tailfingen hin und her. Er ist der Motor hinter der Seniorengenossenschaft.

Seit dem ersten Juli existiert die Seniorengenossenschaft "Erntedank". Motor ist Wilfried Wernet, der mit seiner Stiftung "Pro Vita" in der Martin-Luther-Straße 24, gegenüber des Lutherschulgebäudes schon seit einigen Jahren in Tailfingen tätig ist.

"Die Genossenschaft geht auch aus der Stiftung 'Pro Vita' hervor", erklärt Wernet. Doch während sich "Pro Vita" die Förderung von Jugendarbeit auf die Fahnen geschrieben hat, zielt, wie es der Name schon unmissverständlich aufzeigt, die Seniorengenossenschaft "Erntedank" auf den älter werdenden Teil der Albstädter Bevölkerung.

Ende September plant Wilfried Wernet das erste Treffen für die an der Seniorengenossenschaft Interessierten: "Wer interessiert ist, Fragen hat, einfach mal reinschnuppern möchte oder vielleicht sogar schon entschlossen ist, Mitglied zu werden, der ist herzlich eingeladen", betont Wilfried Wernet. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Der gesellschaftliche, vor allem der demografische Wandel ist ein Thema, das Wernet, selbst 68 Jahre alt, stark beschäftigt. Ebenso die Frage, was jeder Einzelne tun kann, um möglichst lange selbstbestimmt leben zu können. Dabei stieß er auf das Konzept der Seniorengenossenschaft und entschloss sich, so etwas auch in Albstadt ins Leben zu rufen.

Was steckt konkret hinter dem Konzept einer Seniorengenossenschaft? Das Modell zielt darauf ab, dass ältere Menschen aktiv und soweit nur irgend möglich selbstständig in den eigenen vier Wänden, in ihrem seit vielen Jahren vertrauten Umfeld älter werden können.

Dass die Bevölkerung immer älter wird, ist mittlerweile eine allgemein bekannte Tatsache. Und auch die Probleme, die sich angesichts einer steigenden Zahl von Alten ergeben, die einer schrumpfenden Menge von jungen Beitragszahlern gegenüberstehen, sorgen immer wieder für Gesprächsstoff.

Reichen staatliche Vorsorgemaßnahmen aus, um im Alter gut über die Runden zu kommen? Wer geht zur Hand, wenn man im Alter nicht mehr so kann und mögliche eigene Kinder vielleicht weit weg wohnen? Muss man die vertraute Wohnung aufgeben und ins Heim? Eine Seniorengenossenschaft kann eine spannende Alternative bilden. Geben und Nehmen wird so organisiert, dass man sich Leistungen, die man jetzt noch selbst für andere erbringen kann, für später aufspart. Wer in der Seniorengenossenschaft mitarbeitet - beispielsweise für jemanden den Rasen mäht oder die Hecke schneidet, Besorgungen macht oder im Haushalt hilft, der kann entscheiden: lasse ich mir die Leistung zu einem fest geregelten Satz auszahlen (und kann damit mein Einkommen oder meine Rente etwas aufbessern), oder spare ich mir diese Leistungen bei der Genossenschaft an.Wer heute 100 Stunden arbeitet und anspart, kann später auch 100 Stunden kostenfrei wieder abrufen", ist ein Grundsatz. Der Stundensatz ist günstig, daher können sich auch Mitglieder mit kleinem Geldbeutel solche Unterstützung leisten - und damit länger selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben. Nur professionelle Pflege wird nicht angeboten. Das Konzept einer auf gegenseitige Unterstützung basierenden Seniorengenossenschaft ist nicht neu. Viel beachtetes, mit dem IZT-Zukunftspreis bedachtes Vorbild für "Erntedank" ist die Seniorengenossenschaft Riedlingen, ins Leben gerufen von Josef Martin. Dort funktioniert das Konzept seit 1991. "Natürlich braucht das Zeit, sich zu entwickeln", erzählt Martin. "Mittlerweile haben wir 650 bis 700 Mitglieder - gut die Hälfte der über 65-jährigen Riedlinger."

Info Wer sich bereits jetzt genauer informieren möchte, kann das über die folgende Mailadresse tun:

monika.hermle@gmail.com.

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