Neuanfang in Smithers

Ein Schiffscontainer ist längst unterwegs. Ein Besuch im Europapark steht noch auf dem Wunschzettel der Kinder. Am 7. Mai heißt es für Familie Schell aus Endingen Abschied nehmen. Kanada ruft!

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Die Endinger Familie Schell sagt am 7. Mai Adieu: An diesem Tag wandert sie aus nach Kanada, genauer gesagt nach Smithers in British Columbia. Foto: Irion

"Ernsthaft daran gedacht, nach Kanada auszuwandern, haben wir erstmals vor rund anderthalb Jahren", erzählt Iris Schell. Der Gedanke reifte. Es folgten zahllose Gespräche mit den zehnjährigen Zwillingen Samira und Mike. "Für uns war klar, dass wir diesen Schritt nur tun, wenn die ganze Familie dahintersteht", sagt Vater Martin Wagner-Schell. Im Gespräch mit den Auswanderern wird schnell deutlich, dass sie sich die Entscheidung tatsächlich reiflich überlegt haben. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Von hektischer Flucht aus Europa ins 9000 Kilometer entfernte Smithers - aus welchem Grund auch immer - keine Spur.

"Wir haben dort bereits ein Haus gemietet, die Kinder sind schon in der High-School angemeldet, unsere Katzen Murphy und Molly werden derzeit vorschriftsmäßig tierärztlich durchgecheckt", betont Iris Schell. Die 39-Jährige hat einen Job in der örtlichen "Bäckerei Schimmel" sicher, ihr 42-jähriger Ehemann, derzeit noch bei einem hiesigen Dachdeckerbetrieb beschäftigt, gute Chancen auf Arbeit in einer Holzfabrik.

Doch nicht nur das Arbeits- und Schulleben soll keine unangenehmen Überraschungen mehr parat halten. Auch die Freizeit ist bereits (teilweise) verplant. Tochter Samira weiß, wo sie ihrem großen Hobby, dem Reiten, nachgehen kann. Und der Eishockey-Nachwuchs der "Smithers Steelheads" kann sich bereits jetzt über ihren Bruder Mike als Neuzugang aus "Good old Germany" freuen. Kürzlich wurde er bei der Jugend der Balinger Eisbären mit einem Abschiedsspiel bedacht.

Die durchdachte Auswanderungsplanung wurde Familie Schell dadurch erleichtert, "dass meine Mutter bereits seit 18 Jahren in Smithers lebt", erklärt Iris Schell. Bei einigen Besuchen lernten die Tochter, der Schwiegersohn und die Enkel die Gegend um Smithers - und dabei auch den ersten Bären in freier Wildbahn - kennen. Samira und Mike schlossen dabei auch schon Freundschaften. "Ich freue mich schon riesig auf Kanada", schwärmt Samira. Obwohl ihr der Abschied von den Endinger Freunden doch etwas schwerer fällt, je näher der Tag der Abreise kommt.

Zunächst einmal für zwei Jahre gilt die Arbeitserlaubnis der Schells. "In dieser Zeit sind wir sozial noch nicht abgesichert." Quasi eine Bewährungsphase für jeden, der sich dauerhaft in Kanada niederlassen möchte. Den mit der Einwanderung verbundenen bürokratischen Teil haben die Schells unter tatkräftiger Mithilfe der (Schwieger-)Mutter und eines kanadischen Rechtsanwalts problemlos hinter sich gebracht. Nun hoffen sie, in den kommenden Jahren auch wirklich das zu finden, was ihren kanadischen Traum ausmacht. "Eine wesentlich entspanntere und ruhigere Lebensweise als in Deutschland", so Martin Wagner-Schell. Und dies eines Tages lieber als deutschstämmige Kanadier, denn als Deutsche, die in Kanada leben. "Wir haben uns vorgenommen, uns vom ersten Tag an in die kanadische Gesellschaft zu integrieren." Einseitige Kontakte zu den wohl auch in diesem Teil Kanadas zahlreichen Deutschen wollen sie möglichst vermeiden.

Was aber, wenn der kanadische Traum von Iris, Martin, Samira und Mike einer Realität weichen würde, die das Heimweh oder gar den Wunsch einer Rückkehr nach Deutschland übermächtig werden ließe? "Dann", so Martin Wagner-Schell, "hätten wir ja nach wie vor unser eigenes Haus in Endingen, das wir zunächst einmal noch nicht verkaufen werden".

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