Krieg passt in keine Jahreszeit

Eine beeindruckende Bilderschau eröffnete in der Galerie Albstadt. "Zwischen Reportage und Graphic Novel: Krieg zeichnen" - heißt die Ausstellung mit vielen Werken des Comic-Zeichners Peter Eickmeyer.

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    Der Künstler beim Signieren nach der Vernissage. Foto: 
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    Peter Eickmeyers Zeichnungen erinnern an Werke von Otto Dix.
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Die Bilderschau im Landenberger-Saal der Galerie Albstadt rückt nicht nur den ersten Weltkrieg in den Fokus, der vor 100 Jahren gerade begonnen hatte, sondern vor allem das Medium Zeichenstift, durch das sich Künstler dem Schrecken des Ereignisses genähert haben.

Warum dieses nicht gerade gefällige Thema in die Vorweihnachtszeit legen? Diese Frage musste sich Galeriechefin Dr. Veronika Mertens im Vorfeld gefallen lassen. "Krieg passt nie", so lautete bei der Vernissage die knappe Antwort der Kuratorin, die mit der bestens bestückten und optisch bestechenden Ausstellung auch das junge Publikum erreichen möchte.

Zwar setzen sich in den gezeigten Exponaten viele Kunstschaffende zeichnerisch mit dem Krieg auseinander, doch gehört ein gutes Maß der Wandflächen der Graphic Novel - und damit Arbeiten, die mit ihrer zeitgemäßen Comic-Sprache direkte, unverblümte und messerscharfe Aussagen unterbreiten.

Auf jene Generation zugeschnitten, die diesen Abend musikalisch gestaltet hat: "Wozu sind Kriege da?" - das Stück von Udo Lindenberg hat ein Kinderensemble vorgetragen, seine Botschaft stand sinnbildlich für das ganze Programm.

Die Interpreten - durchweg Schüler der Gesangsklasse von Lisa Livingston - sangen gegen den Krieg und für den Frieden. "Kriegsminister gibt es nicht mehr" - wie könnte ihr Anliegen überzeugender ins Ohr rieseln als mit diesem Satz aus Nenas "99 Luftballons", frisch und fetzig ins Mikrofon geträllert von der erst siebenjährigen Laetitia Knosp. Ob Alex Veesers "Knockin' on Heaven's Door" oder "Krieg dem Kriege", als Rap komponiert und frech interpretiert von Christian Salmen - die Beiträge der jungen Talente setzten energisch, kritische Impulse.

Pianist Wolfgang Brandners Klavier-Kunstwerke sprachen ohnehin wieder einmal für sich. Auf einer Leinwand eingeblendet, erschienen Bilder mit beklemmenden Szenen aus dem Kriegsalltag, entnommen dem Werk des Künstlers Peter Eickmeyer, der Erich Maria Remarques weltberühmten Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" als Graphic Novel zu neuem Leben erweckt hat.

Die großformatigen Gouachen in erdigen Tönen bilden einen der Anziehungspunkte der Ausstellung. Eickmeyers Frau, Gaby von Borstel, hat die Texte des Buches verfasst. Beide, Zeichner und Texterin, saßen im Publikum und auch ein weiterer Gast applaudierte den Sängern der Musik- und Kunstschule Albstadt: Marie Héléne Grosos, die Nichte von Gus Bofa, der mit um die 30 Leihgaben ihrerseits im Landenberger-Saal vertreten ist.

Der künstlerische Autoditakt wurde mit 31 Jahren eingezogen, bereits im Dezember 1914, also genau vor 100 Jahren, schwer verwundet und hat später andere Künstler unterstützt, die ihren Kriegsdienst im Schützengraben verbracht haben. Kriegsgeschädigten Menschen helfen soll auch der Spendenerlös des musikalischen Eröffnungsabends - er fließt an die LEA in Meßstetten.

Info Peter Eickmeyers Graphic Novel (früher hätte man Comic gesagt) ist im Splitter-Verlag erschienen und wurde von der NDR-Kulturredaktion zum Buch des Monats Juni 2014 gewählt.

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