Ingo Appelts Hochamt der Weiblichkeit im Thalia-Theater

Männer regieren die Welt? Inzwischen seien es Frauen, die die Hosen anhaben, sagt Ingo Appelt. Als "Messias der Weiblichkeit" spaltet er das Thalia- Theater in zwei Lager: in "Göttinnen" und "Drecksäcke".

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Ein Mann kniet vor den Göttinnen: Ingo Appelt bei seinem Auftritt im Tailfinger Thalia-Theater. Foto: Johanna Kraus

Ingo Appelt ein Hasser der Frauen? Keineswegs, der Wanderpreis "saure Gurke" für Frauenfeindlichkeit muss wohl in diesem Jahr anderweitig vergeben werden. Am Donnerstag präsentierte sich der Komiker im Tailfinger Thalia-Theater geläutert und bekehrt und wird auch künftig auf seiner Tournee "Frauen sind Göttinnen - Wir können nur noch beten" das Hochamt der Weiblichkeit vertreten.

"Wer ist schön und wer ist schlau?" fragt er listig singend in die Runde - die Zuschauer kennen die Antwort bereits und stimmen direkt mit ein: "Die Frau, die Frau, die Frau!" Für Ingo Appelt ein eindeutiges Zeichen, wie weit es tatsächlich mit den großen Familienversorgern seit der Eiszeit gekommen sei. Was früher selbstbewusster Jäger und Sammler war, sieht er nur noch als "Kollateralschaden des heutigen Abends."

Natürlich bliebe es den Männern immer noch, sich aufs Rasenmähen zu verlegen, doch auch deren letzte Bastion des Hausbaus sei weiblich unterwandert: namentlich von Tine Wittler. Dem Komiker zufolge ist das Testosteron das große Problem des Mannes, das ihn daran hindert, mit den kommunikativ überlegenen Frauen intellektuell mitzuhalten: Dies führe für die Männer zu einer Gefangenschaft zwischen "Gina Wild und World of Warcraft".

Ingo Appelt tritt für die Frauen zum "Göttinnenbeweis" an: Dem Mann bliebe nur eines, wenn er seine Spezies retten will, nämlich die Weiblichkeit als eine "höhere Lebensform" anzuerkennen. Deshalb seien "Frauen niemals dick, sondern mächtig" zu nennen, und die Männer sollten endlich einmal von den sinnlosen Machtkämpfen untereinander ablassen und stattdessen die Frauen "lieben, respektieren und anbeten".

Ingo Appelt weist als "Messias der Weiblichkeit" seinen Jüngern den rechten Weg in die Herzen der "Göttinnen": Es sei vor allem der Humor, den Frauen an Männern schätzten, genauer die Fähigkeit des Mannes zur Selbstironie, sprich "verbal zur eigenen Zerstörung aktiv beizutragen". Schließlich liebten die Damen ja "Herabgesetztes" und sparten auch nie an Verkleinerungsformen, die ihren Mutterinstinkt offenbaren. So zeigt der Komiker - der sich offen zu seinem Kosenamen "Pupsibärchen" bekennt und sich von den übrigen "Minderleistern" durch seinen Humor abgrenzen will - der "kraftvollen aber kaputten" Männlichkeit ihren Überlebensweg.

Appelts schonungsloser Humor macht aber auch vor kaufsüchtigen, frigiden und lästernden "Göttinnen" nicht halt, und sein Comedyprogramm richtet sich umfassend gegen seine Komikerkollegen, die deutsche Musikszene, die Politik und die Kirche. Deswegen ist sein Programm nichts für Zartbesaitete oder "Berufsbetroffene", wie er sich ausdrückt. Trotz der eisigen Temperaturen "im Sibirien Deutschlands", dessen einzige Vorteile darin bestünden, "dass die Kälte dort länger frisch hält" und "man alle anderen Orte nach dessen Besuch schön findet", ließ der selbst ernannte Glaubensstifter zum Ende seines Auftritts für die Göttinnen die Hüllen fallen und gab Männern den Rat, in Zukunft "statt Autos lieber Kerzen anzuzünden. Halleluja!"

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