Hilferuf aus Huzurikanda: „Das Wasser steht überall“

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So sieht es derzeit in der Gegend um das Dorf Huzurikanda im Norden von Bangladesch aus. Das Hochwasser überschwemmt die Felder der armen Kleinbauern.  Foto: 

Hochwasser gibt es dort jedes Jahr, erklärt Gisela Swoboda, die Vorsitzende des Vereins Brücke Balingen-Bangladesch. Doch in diesem Jahr ist es anders. Die Menschen sprechen von einer Jahrhundertflut.

Davon betroffen ist auch das Gebiet um das Dorf Huzurikanda im Norden von Bangladesch. Der Verein Brücke Balingen-Bangladesch baut hier gerade zusammen mit der Organisation Mati eine Augenambulanz auf. Der dortige Projektleiter Lenen Rahaman wandte sich nun mit einem Hilferuf an Gisela Swoboda.

„Das Wasser steht überall“, berichtet er aus Huzurikanda. Bisher ist das Gebäude, in dem die augenärztliche Ambulanz untergebracht werden soll, verschont geblieben. Doch das Wasser ist nur noch 100 Meter weit davon entfernt. Und in den nächsten Tagen soll noch mehr Wasser aus Richtung Indien kommen. Gisela Swoboda hofft, dass die beiden frisch renovierten Zimmer verschont bleiben.

Der Reis ist vernichtet

Jetzt schon klar ist, dass die Flut vor allem die Kleinbauern in der Region hart trifft. Denn ihre Felder sind überflutet. Der Reis, der Ende Juli und Anfang August gepflanzt wurde, ist vernichtet. Die Bauern verlieren so ihr Grundnahrungsmittel und ihre Lebensgrundlage. Sie müssen ganz von vorne anfangen.

Doch ein zweites Mal Saatgut kaufen – das können sich die meisten Kleinbauern schlicht nicht leisten. Sie müssen sich oft schon beim ersten Kauf dafür Geld leihen. Auch das andere Gemüse der Kleinbauern steht ­unter Wasser. Tragisch: Die Ernte ist verloren.

Projektleiter Lenen Rahaman möchte hier nicht nur zusehen, sondern helfen. Er hofft dabei auch auf Hilfe aus Deutschland. Er weiß, wie viel Gisela Swoboda und der Verein Brücke Balingen-Bangladesch bewegen können. „Fast alle Bauern in der Region sind davon betroffen“, beschreibt er die Situation in einer Sprachnachricht an Gisela Swoboda.

Er möchte den Bauern eine Art Starthilfe geben, wenn das Wasser wieder weg ist: Geld für Essen, Saatgut und ärztliche Hilfe. Letztere wird vor allem nötig sein, wenn das Wasser längere Zeit bleibt und damit die Gefahr von Krankheiten für Mensch und Tier wächst. „Es hilft jeder Cent“, sagt Gisela Swoboda. Mit rund 100 Euro kann ein Kleinbauer sein Feld wieder bestellen.

Wasser als Lebensquelle

Der Regen ist in Bangladesch Fluch und Segen zugleich. Denn die Menschen benötigen das Wasser, um ihr Hauptnahrungsmittel Reis anzubauen. Der Monsun füllt die Becken mit Wasser und bringt fruchtbaren Schlamm mit, der als Dünger dient. Kurz vor der Ernte wird das Wasser dann aus den Becken abgelassen und es kann mit der Ernte begonnen werden. Das geschieht meist im Dezember.

Flut tötet Menschen

Doch das Wasser wird zunehmend auch ein Problem für Bangladesch. Denn es gibt immer mehr verheerende Fluten. Die Flüsse von Indien spülen so viel Wasser nach Bangladesch, dass ganze Landstriche überschwemmt werden. Aktuell ist es besonders schlimm. Es starben bereits über 130 Menschen.

Glücklicherweise sind in Huzurikanda die Häuser noch nicht überflutet. Bisher mussten die Menschen noch nicht evakuiert werden. Doch das Wasser stehe bereits direkt an den Hauswänden, berichtet Projektleiter Lenen Rahaman.

Hilfe Der Verein Brücke Balingen-Bangladesch unterstützt Lenen Rahaman in seinem Vorhaben mit einer Hilfsaktion. Wer spenden möchte, findet auf der Internetseite des Vereins auf brueckebalingenbangladesch.de die Kontodaten. Überweisungen für die Opfer des Hochwassers sollte mit dem Stichwort „Flut2017“ versehen werden.

Projekt Der Balinger Verein unterstützt nach mehreren bereits fertiggestellten Projekten derzeit den Aufbau eines medizinischen Augenzentrums in Huzurikanda. In zwei früheren Schulräumen werden aktuell eine Optikerwerkstatt und eine Ambulanz für Augenleiden eingerichtet. Deutsche Augenärzte werden Fachkräfte vor Ort ausbilden, so dass die ­Station längerfristig ohne Unterstützung ­betrieben werden
kann.

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