Eine Nixe für den Schömberger Stausee

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Dieter Netzer hat die Nixe aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Sie soll künftig auf dem Stausee schippern.  Foto: 

Alle größeren Gewässer haben ihre eigenen Legende. Im Loch Ness in Schottland treibt das sagenumwobene Seeungeheuer Nessie sein Unwesen. Die Schwalbe, die über den nordamerikanischen Eriesee flog und mitsamt seines Steuermanns John Maynard sank, hat Theodor Fontane in seiner berühmten Ballade besungen. In Rottenburg kreuzte die Nixe über den Neckar, bis sie vor 16 Jahren verschwand. Jetzt ist das mit Muskelkraft betriebene Schiff wieder aufgetaucht. In Schömberg. Schon bald soll es zu einer Attraktion auf dem Stausee werden.

Mit „Affenpaule“ unterwegs

Die Nixe war das Schiff von Affenpaule, der eigentlich Paul Franz hieß und vor sechs Jahren im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Seinen Spitznamen bekam das Rottenburger Original, weil er in jungen Jahren so gut klettern konnte. Die Liebe zum Wasser und zur Schifffahrt entwickelte sich, als er als Fluss-Schiffer auf dem Rhein arbeitete. Paul Franz brachte eines Tages ein Schiff vom Bodensee in seine Heimatstadt und baute es zu einem Raddampfer um. Ein kleiner Mississippi-Dampfer, so wie ihn Mark Twain immer wieder beschrieben hat. Fritz‘ Dampfer wurde allerdings nicht mit Dampf angetrieben wie die großen Südstaaten-Kolosse, sondern mit Muskelkraft. Mit einem Fahrradantrieb schipperte Affenpaule schon bald seine Gäste über den Neckar. Ein Rhesusäffchen und zwei Papageien, seine treuen Wegbegleiter, waren immer mit dabei. Affenpaule war schon bald nicht mehr wegzudenken vom Neckar. Bis vor 16 Jahren. Dann war Schluss.

Nach einen Bootsunglück in Pfullendorf wurde im Rottenburger Gemeinderat nachgefragt, ob die Nixe das TÜV-Prüfsiegel habe. Sie hatte es nicht. Damit war auch nicht geklärt, wer bei einem Unfall haften soll. Die Nixe musste vom Neckar. Und als sich nach vielen Protesten der Nixenfans die Stadt schließlich bereit erklärte, die Kosten für die Tüv-Prüfung zu übernehmen, war es zu spät. Jetzt wollte Paul Franz nicht mehr.

Die Nixe fiel im Garten von Manuela Franz, der Tochter von Paul Fritz hinter dichten Hecken in einen tiefen Dornröschenschlaf.

Als der Schömberger Joachim Netzer geschäftlich in Rottenburg unterwegs war, entdeckte er zufällig das Boot. Sie suche einen ehrwürdigen Platz für das legendäre Schiff, verriet ihm die Besitzerin. Joachim Netzer, Bruder von Ulrike Netzer, die am Stausee den Bootsverleih betreibt, hatte eine Idee. Er erzählte seiner Schwester und Heinz Koch von der Waldschenke von der Nixe und die beiden waren Feuer und Flamme von der Idee, das Schiff an den Stausee zu bringen. Die Nachkommen von Paul Franz kamen nach Schömberg. Genau so etwas wie der Stausee hatten sie sich für die Nixe vorgestellt. Ihre Bedingung: Die Nixe darf zwar renoviert werden, bauliche Veränderungen sind aber nicht erlaubt. Dieter Netzer, Bruder von Joachim und Ulrike Netzer, machte sich mit einem Bootsanhänger nach Rottenburg, befreite die Nixe aus der Schlehenhecke und transportierte sie nach Schömberg. Dort hat sie an einem Grundstück an der Bundesstraße ihr vorläufiges Domizil gefunden.

Die drei Geschwister hatten aber die Rechnung ohne den Nixe-Fanclub bei Facebook gemacht. Denn ein Rottenburger entdeckte das geschichtsträchtige Boot und schlug Alarm. Die Nixe müsse unbedingt wieder zurück auf den Neckar, hieß es im Netz. Der mediale Aufruhr hat sich gelegt, als dem Fanclub zugesagt wurde, dass das Schiff zu wichtigen Stadtfesten seine alte Heimat besuchen darf. 2018 soll die Nixe im Stausee zu Wasser gelassen werden.

Jahre ist es her, dass die Nixe stillgelegt wurde. Sie hatte kein Tüv-Siegel (mehr). Im Frühjahr 2018 soll der Mississippi-Dampfer im Miniaturformat wieder in See stechen.

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