Die Menschen kommen

Sozialer Wohnungsbau ist in Balingen seit Jahren quasi ein Fremdwort. Dies wird sich nun unweigerlich ändern. Flüchtlingsunterbringung und Altersarmut lassen der Verwaltung keine andere Wahl mehr.

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Das in Planung befindliche Baugebiet Urtelen im Bereich Geislinger Straße/Talstraße soll die akute Bauplatznot lindern.  Foto: 

"Die Menschen kommen, daran wird sich nichts ändern", sagt Michael Wagner künftiger Balinger Baudezernent. Gemeint sind Flüchtlinge, die der Kreisstadt zur so genannten Anschlussunterbringung zugewiesen werden. Die Zahl der Asylbewerber in Anschlussunterbringung liegt in Balingen derzeit bei 69. Für Frauen und Männer steht jeweils eine Sammelunterkunft zur Verfügung.

Diese Zahlen nannte die Stadtverwaltung dieser Tage als Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Grüne. Demnach verbleiben jetzt noch 32 Plätze für neu zugewiesene Asylbewerber. "Durch derzeit laufende Wohnungssanierungen kann die Aufnahmekapazität auf 45 Personen erweitert werden", heißt es in dem städtischen Antwortschreiben. Das dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber längst nicht ausreichen. Denn bei der Stadtverwaltung rechnet man damit, dass künftig pro Jahr bis zu 200 Menschen, deren Asylantrag in Bearbeitung ist, von den Balinger Verantwortlichen unterzubringen sein werden.

"Natürlich kann man solch eine Notsituation mit Wohncontainern angehen", sagt Wagner. Das aber sei keine dauerhafte Lösung und darüber hinaus auch unwirtschaftlich. Denn: "Der Markt an Wohncontainern ist derzeit so leer gefegt, das man andernorts bereits Container aus Kanada ordert - mit den entsprechend hohen Kosten."

Was aber ist die Alternative? Wagners Antwort: "Investitionen in den niedrigpreisigeren Wohnungsbau." Auch sozialer Wohnungsbau genannt. In den vergangenen Jahren, fast schon Jahrzehnten hätten sich alle Beteiligten stadtweit dem Bau höherwertiger und dementsprechend teurerer Immobilien zugewendet. "Das kann so nicht bleiben", wird der künftig oberste Stadtplaner deutlich. Denn günstiger Wohnraum sei mitnichten nur ein Flüchtlingsthema. "Die drohende Altersarmut wird auch vor unserer Haustür nicht Halt machen." Und selbstverständlich müsste auch für diese Menschen bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen. "Deshalb suchen wir längst nach geeigneten Bauflächen."

Einfach ist diese Suche nicht, wenn die Stadt dabei auch noch die selbstgesteckten Voraussetzungen erfüllen möchte. "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass hilfsbedürftige Menschen einfach irgendwo nach außen in Gewerbegebiete am Rande der Stadt gesteckt werden können", so Wagner. Sinnvolle, aktive Integration funktioniere nur in der Mitte der Gesellschaft. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf Flächen in der Kernstadt, in Frommern und in Weilstetten.

Ein möglicher Kernstadtstandort für günstige Wohnungen ist das derzeit in Planung befindliche neue Wohngebiet Urtelen im Bereich Geislinger Straße/Talstraße. Dort sind laut Wagner neben etlichen Einfamilienhäusern und einigen Doppelhäusern auch einige Mehrfamilienhäuser entlang der Geislinger Straße geplant. Doch allein mit der passenden Fläche ist es nicht getan, denn die Stadt muss auch Geschäftspartner finden, die bereit sind, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

Die Stadt rechnet für Containerlösungen mit einer Vorlauf- und Bauzeit von einem Jahr, bei Neubaulösungen von zwei Jahren.

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