Der Zug schlängelt sich um Pflanzen und Steine

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Über die Brücke an der Kirche vorbei, durch den Tunnel bis zum Café – für Jürgen Faigle ist die Gartenbahn vor seiner Haustüre ein Ort der Ruhe und der Träumereien.  Foto: 

Startpunkt der Zugreise ist ein kleiner Bahnhof in der Nähe eines Sees. Von dort schlängelt sich die Eisenbahn durch Tunnel, über Brücken und enge Schluchten, an Kirchen und Ruinen vorbei, um schließlich ein Café zu erreichen. Hier wartet auch schon ein zweiter Zug auf die umsteigenden Passagiere.

Wie die Passagiere aussehen

Nach einer kurzen Pause starten beide Züge ihre Rückreise durch die Berge. So oder ähnlich könnte die Fahrt für die Passagiere der Modellbahn von Jürgen Faigle aussehen. An warmen Sommerabenden liegt Jürgen Faigle gerne im Liegestuhl seiner Terrasse und malt sich aus, was die Passagiere seiner Modellbahn wohl erleben.

Den Grundstein für seine Leidenschaft legte sein Großvater, sagt Jürgen Faigle. Zusammen mit ihm war der gebürtige Tailfinger oft auf dem Bahnhof, um die Züge zu beobachten. Mit seinem Vater baute er die ersten Märklin Bahnmodelle zusammen. Mit 14 Jahren begann er dann, alleine zu tüfteln. Das Geld für die Modelle erarbeitete sich Jürgen Faigle schon in jungen Jahren selbst. „Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Mit 16 Jahren habe ich meine sechs Wochen Sommerferien geopfert und Gemüse verkauft. Mit dem erarbeiteten Geld habe ich mir eine Lok, zwei Personenwägen und Schienen geholt.“ Selbst Lokführer werden wollte Jürgen Faigle trotz seiner Eisenbahnbegeisterung nie. Nach dem Abitur war eigentlich Mathelehrer sein Berufswunsch. Sein Notenschnitt reichte aber nicht aus. Nun fährt er seit 35 Jahren Bus. Einen Beruf, den er bis heute immer noch gerne macht.

Die Bahn zog um

Als Faigle 1990 nach Balingen zog, baute er seine damalige Anlage – einen großen Bahnkreis mit Bahnhof – im elterlichen Haus ab. Für sein eigenes Heim hatte er große Pläne. Neben Beruf und Familie fand sich immer wieder Zeit, um an der neuen Bahnstrecke im Garten zu bauen. Stück für Stück wuchs die Bahn von der Terrasse aus um den Teich und durch den ganzen Garten.

Mehrere Tonnen Naturstein aus dem Schwarzwald verbaute Jürgen Faigle eigenhändig für die Gartenbahn. Kleine Abstriche an der Bahnroute musste der Balinger trotzdem machen. „Schließlich wohne ich nicht alleine hier und man muss den Garten ja auch noch begehen können“, meint der dreifache Familienvater lächelnd. Inspiration für die Gestaltung der Landschaft holt sich Jürgen Faigle bei Ausflügen. Hier kombiniert er den Wandertrip der Familie mit der einen oder anderen Bahnfahrt.

Die Streckenführung der Gartenbahn hingegen ist völlig aus der Fantasie entstanden. Seine Bahn folgt keinen strengen Regeln, erklärt der Balinger. Ihm ist es egal, ob jetzt ein europäischer Zug an einem amerikanischen Landhaus vorbeifährt. „Das Hobby darf nicht zum Zwang werden“, bekräftigt der Busfahrer. Richtig fertig mit seiner Bahn wird der Balinger wohl nie. Immer wieder gibt es kleine Anpassungen und Ergänzungen. So sind in nächster Zeit noch eine Käserei an der Strecke und ein Bahnhof direkt am Teich geplant.

Platz für die Modell

Auch sollen die bisherigen zwei Pendelstrecken noch erweitert werden, so dass man in Zukunft Runden fahren kann anstatt nur bis zum Café und zurück. In seinem Keller tüftelt der Balinger gerade an einem Raum für seine vielen Eisenbahnmodelle. Hier sollen dann alle ihr Plätzle finden, erklärt er. Eine Zugreise durch Kanada oder die Rocky Mountains wäre für Jürgen Faigle ein kleiner persönlicher Traum – würde der Eisenbahnfan nur nicht so ungern fliegen.

Witterung Eine Gartenbahn muss besonders wetterfest sei. Die Gebäude, Dekorationen und Schienen liegen das ganze Jahr ungeschützt im Freien. Das bedeutet viel Arbeit für Jürgen Faigle, zumal nach stürmischem Wetter: Äste und Laub von der Strecke entfernen oder Hagelschäden an Dächern reparieren. Auch muss der Balinger die Pflanzen regelmäßig schneiden, damit der Zug ungehindert fahren kann.

Maßstab Jürgen Faigle benutzt in seinem Garten Eisenbahnmodelle der Größenart G (Spur G). Diese Modelle sind 22,5 mal kleiner als ihre großen Vorbilder. Diese Größe eignet sich besonders für den Garten. Begonnen hat er aber mit Bahnen der Größe H0. Diese sind 87 mal kleiner als die Züge in der Realität. nip

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