Arzt bestreitet Anstiftung zu Brandanschlag

Gab ein Arzt einem seiner Patienten den Auftrag, wegen eines Streits mit Geschäftspartnern ein Auto anzuzünden und eine Wohnung zu zerstören?

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Samstag, 15. Dezember 2013, 18.25 Uhr. In der Balinger Steinachstraße auf dem Parkplatz des Finanzamts brennt ein Chrysler 300 C lichterloh. Mit Benzin absichtlich in Brand gesteckt von zwei damals 24 beziehungsweise 19 Jahre alten Männern aus einem Nachbarlandkreis. Die Tat gestanden haben die beiden gestern vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Hechingen unter Vorsitz von Richter Herbert Anderer. Es war einer von insgesamt 15 eingeräumten Anklagepunkten, darunter bereits vor dem Balinger Fall ein "aus reiner Lust am Brand" abgefackeltes Auto in Tübingen sowie ein Handtaschenraub, Diebstähle, Einbrüche und Sachbeschädigungungen in verschiedenen Orten der Region Neckar-Alb.

Das Außergewöhnliche am Chrysler-Brand ist jedoch die Tatsache, dass sich dafür auch ein 63-jähriger Arzt aus einem Nachbarlandkreis mit verantworten muss. Denn er soll, so die Darstellung der beiden Brandstifter, einen der beiden zum Brandanschlag angestiftet haben. "Honorar": 1000 Euro. Dies wiederum wird von dem Mediziner bestritten, wie aus einer persönlichen Erklärung, die der Anwalt des Arztes verlas, hervorging.

Zur Vorgeschichte: Der 63-Jährige ist Fan amerikanischer Autos und kam so in Kontakt mit einem Gleichgesinnten aus dem Zollernalbkreis. Gemeinsam unternahm man eine Reise in die USA, wo man eine Corvette fand. Der Mediziner erfüllte sich mit ihr "einen Jugendtraum", die Kaufmodalitäten und den Import übernahm sein Bekannter. Der Sportwagen kam auch tatsächlich in Deutschland an und sollte in einer Werkstatt in Bodelshausen umgerüstet werden. Doch dieses Vorhaben zog sich hin, schließlich wurde die Werkstatt nach Balingen verlegt und die Corvette mitgenommen.

Gesehen hat der Arzt den Wagen dann aber offensichtlich fortan nicht mehr, so dass er schließlich die Geduld verlor und seinen Bekannten und den Werkstattbesitzer bat, den Wagen weiterzuverkaufen. Inzwischen hatten beide Seiten Anwälte eingeschalten, ein Zivilrechtsverfahren war angelaufen. Für 120 000 Euro sei der Wagen schließlich an einen Münchner Autohändler verkauft worden - wohl ohne das Wissen des Arztes. Und das, "obwohl die Originalpapiere", laut persönlicher Erklärung des Arztes, "noch in meinem Besitz sind".

Der Mediziner erzählte die ganze Geschichte seinerzeit einem Patienten, dem heute 25-jährigen Mitangeklagten. Und nun gehen die Aussagen auseinander. Der Arzt behauptet, sein Patient habe gemeint, da müsse man jetzt etwas Druck machen. Dass dabei schließlich eine geringe Sachbeschädigung des Autos des Werkstattbesitzers gemeint war, bestreitet der Arzt nicht. Nie und nimmer aber habe er zu einem Brandanschlag angestiftet. "Mein Mandant hat in seiner beruflichen Laufbahn schon viele Brandopfer behandelt und solche auch bei Flügen aus dem Ausland in deutsche Spezialkliniken begleitet", erklärte der Anwalt. Er wisse also sehr wohl um die schlimmen Folgen solcher Verletzungen.

Doch damit nicht genug. Der Arzt soll bei den Angeklagten für 500 Euro "Honorar" auch die Zerstörung der Wohnung seines Corvette-Importeurs in Albstadt in Auftrag gegeben haben. Tatsächlich brachen die beiden jüngeren Angeklagten dort ein und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Die Version des Arztes: Er habe lediglich darum gebeten, nachzusehen, ob der Autoimporteur von einem längeren Urlaub in Thailand zurückgekehrt sei.

Der Mediziner kämpft in dem Prozess um nicht weniger als seine berufliche Existenz. Denn das Regierungspräsidium Tübingen entzieht Ärzten in der Regel bei Strafen über einem Jahr Haft die Zulassung.

Der Prozess wird kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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