"Es ist endlich wieder Leben da"

Eine Wohngemeinschaft für Wachkoma-Patienten? Der regionale "Verein zur Hilfe für Cerebralgeschädigte" hat viel gewagt und alles gewonnen.

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Im Aufenthaltsraum riecht es noch nach frischer Farbe, im Keller werden die letzten Deckenarbeiten verrichtet. Das ehemalige Forsthaus im Zentrum von Mössingen wurde von Grund auf und auf allen Etagen baulich und technisch ins 21. Jahrhundert saniert.

Peter Becker aus Balingen, Annette Säur und Diana Schmidt aus Mössingen, Wolfgang Clemens aus Burladingen - sie haben sich an diesem Abend im Haus eingefunden. So wie an vielen Tagen und Abenden. Das Schicksal hat sie zusammengeführt, das Hoffen und Bangen um den Bruder, den Ehemann, die Ehefrau.

Wachkoma - ein Zustand, der für Nicht-Betroffene nur schwer zu fassen ist. Eine Diagnose, "die den pflegenden Angehörigen 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr beschäftigt", sagt Annette Säur. Ganz egal, ob die Pflege des Angehörigen durch einen ambulanten Pflegedienst oder die Unterbringung in einer Spezialeinrichtung wie der Wachkomastation in Bad Sebastiansweiler teilweise oder gänzlich abgenommen wird. Ein Befund, der "ein normales soziales Leben quasi unmöglich macht", ergänzt Peter Becker. Erfahrungen wie diese seien es, die alle Betroffenen früher oder später machen, sind sich die vier Mitstreiter des "Vereins zur Hilfe für Cerebralgeschädigte" (Ceres) einig.

"Vielen ist Ceres überhaupt kein Begriff, dabei gibt es uns seit 25 Jahren", sagt Anette Säur, die seit geraumer Zeit dem Verein vorsteht. Und dies mit unendlich viel Energie, Energie, die ihr Verein zuletzt in ein Projekt investiert hat, "das es in dieser Art noch nicht gab", so Becker. Wohngemeinschaften für Demenzkranke oder für Menschen mit eingeschränkten Bewegungsfähigkeiten seien keine Seltenheit mehr. Aber eine Wohngemeinschaft für Wachkoma-Patienten? Es galt, viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Um als Verein über eine Million Euro aufzubringen, die der komplette Umbau des Forsthauses kostete. Säur, Becker, Clemens, Schmidt und weitere 329 Vereinsmitglieder haben es geschafft. Sie haben einen Ort geschaffen, an dem mit den bislang drei, später einmal sechs WG-Bewohnern "achtungs- und rücksichtsvoll umgegangen wird" (Becker). Einen Ort, an dem sich die Angehörigen im jeweiligen Einzelzimmer oder im gemeinsamen Aufenthaltsraum viel Zeit für ihren Partner, ihren Verwandten nehmen können. "Denn Zeit ist das, was wir alle brauchen. Eine halbe Stunde, eine Stunde ist da gar nichts", sagt Wolfgang Clemens. Aber auch einen Ort, an dem ein- und derselbe Pflegedienst bei allen Bewohnern für pflegerische Kontinuität sorgen soll.

"Es ist wieder Leben da, man fängt auch wieder selbst an zu leben", sind sich die Vier einig. Doch soll das Leben der Wachkoma-WG-Bewohner keineswegs an der Haustür enden. "Wir wollen sie im Rollstuhl endlich wieder hinaus ins Leben bringen", sagt der Balinger Peter Becker. Die Stadt Mössingen und die zentrale Lage der Wohngemeinschaft böten dafür die besten Voraussetzungen.

Die nicht weit entfernt gelegene Zentrale der Körperbehindertenförderung Neckar Alb (KBF) sei mit ein Grund, "dass man hier als gehandicapter Mensch längst nicht mehr immer angeglotzt wird", spricht die Vereinsvorsitzende Säur Klartext. Sie ermuntert alle, die persönlich mit dem Thema Wachkoma zu tun haben, sich Hilfe zu suchen. "Ceres ist dabei jedem gerne behilflich."

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