Eigentherapie mit Akkordeon
Onstmettingen. Nach mehreren Schlaganfällen gab sich Hans-Peter Wöhrle nicht einfach mit seinem Schicksal ab. Er setzt auf Sport - und das Spielen des Akkordeons.
. Richtig angefangen hat das Akkordeonfieber bereits 1959, als sich Hans-Peter Wöhrle anstelle eines Mopeds für sein erstes eigenes Akkordeon entschieden hat. Die "Hohner Merino", die er von seinem Vater bekam, besitzt er heute noch. Lange Jahre spielte er im Akkordeon-Orchester Tailfingen. Außer der Musik lebte der 71-Jährige für den Sport: Jeden Tag viele Kilometer auf dem Fahrrad und zahlreiche Erfolge bei Skirennen gehörten ebenso zu Wöhrles Alltag wie die Fotografie und schnelle Autos.
Im Sommer 2010 kam schließlich die Wende: Nach mehreren Schlaganfällen - Hans-Peter Wöhrle zählte sieben - war die Motorik stark angeschlagen. Die linke Körperhälfte war gefühlsgestört, Gleichgewichtssinn und Sprache hätten gefehlt, erzählt er. Dazu sei ein Tinnitus im linken Ohr gekommen, wonach der 71-Jährige alles verzerrt gehört habe. "Das ist eine Katastrophe für einen Musiker." Auf der Intensivstation im Krankenhaus habe es natürlich Momente gegeben, in denen er nicht weiter gewusst habe. Aber er habe schnell wieder nach vorne geschaut und nicht aufgegeben: "Ich denke, dass Ehrgeiz und das Kämpfen die Vorteile eines Sportlers sind."
In der Reha behandelte er sich ergänzend zu den Anwendungen mit dem Akkordeon - sozusagen in Eigentherapie, schmunzelt Hans-Peter Wöhrle. Wie die Sprache und das Gehen musste er das Musizieren wieder neu lernen. Mehrere Stunden täglich spielte er Lieder auswendig. Mit seinem modernen Akkordeon konnte er mit Kopfhörern proben, um die anderen Patienten nicht zu stören.
Der Effekt lasse sich mit einer Festplatte vergleichen, erklärt der Musiker. Die Kenntnisse über das Akkordeonspielen seien "irgendwo gespeichert" gewesen. Mit dem regelmäßigen Spielen und Üben seien diese Hirnregionen stimuliert und wieder aktiviert worden.
Schon wenige Monate nach den Schlaganfällen, im September 2010, hatte Hans-Peter Wöhrle einen Auftritt in Trossingen, wo er während der Juryentscheidung beim Deutschen Vorentscheid des "Roland-Festivals" zur Unterhaltung spielte und seine Geschichte erzählte. Mittlerweile sind nur noch die Beine etwas eingeschränkt. "Ich hatte eben Glück, aber auch viel selbst getan."
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Autor: JASMIN ALBER | 02.02.2012
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