Bürgermeisterin Bachmann besucht Firma Merz

|
„Global Player“ aus Hechingen: Die Geschäftsführer Siegfried Carl Keck (links) und Hans-Ulrich Keck (rechts) führten Bürgermeisterin Dorothea Bachmann durch die Merz Maschinenfabrik. Mit auf dem Bild Techniker Anton Beck, der die fertigen Maschinen einem Praxistest unterzieht.  Foto: 

Die Merz Maschinenfabrik in der Haigerlocher Straße produziert Rundstrickautomaten für medizinische Strümpfe und ist in diesem Segment weltweit der größte Produzent. Diese Woche hat Bürgermeisterin Dorothea Bachmann die angestammte Hechinger Firma besucht. Im Rahmen einer Betriebsbesichtigung wurde die Firma von den Geschäftsführern und Brüdern Hans-Ulrich und Siegfried Carl Keck vorgestellt, die in vierter Generation den Familienbetrieb leiten. Ein weiterer Bruder, Thomas Keck, fungiert als Chefingenieur.

Angefangen hat alles in der Synagogenstraße, wo Urgroßvater Carl Merz eine Service- und Reparaturwerkstatt für Nähmaschinen und Fahrräder der Marke Singer eröffnete. Carl Merz hatte allerdings Größeres vor, und schon kurze Zeit nach der Werkstatteröffnung baute er Rundstühle beziehungsweise Rundwirkmaschinen zur Herstellung von Unterwäsche.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die Firma war mittlerweile in neue Gebäude am Beginn der Hechinger Straße in Stetten umgezogen – kam ein entscheidender Einschnitt. Die französische Besatzung stellte die Inhaber vor die Wahl: Entweder die gesamte Firma wird demontiert oder sie produziert Maschinen zur Strumpfherstellung. Ein Gut, das in der Nachkriegszeit offenbar rar war. Gesagt, getan: Die Merz GmbH baute fortan hauptsächlich Rundstrickmaschinen für Strümpfe.

Mit dem Bezug des Neubaues in der Haigerlocher Straße 1962 fiel dann eine weitere wichtige Entscheidung in der Firmengeschichte, nämlich die Konzentration auf die Herstellung von Maschinen für Nylonstrümpfe und -strumpfhosen. Geliefert wurde bereits in den 1950er-Jahren in die ganze Welt.

Auch die Maschinenfabrik Merz blieb in der Folgezeit nicht unberührt vom Strukturwandel und der Krise in der Textilindustrie. Gut, dass bereits seit den 1960er-Jahren auch medizinische Strümpfe beziehungsweise Kompressionsstrümpfe hergestellt wurden. Bei diesen wird ein Gummifaden mit eingearbeitet, der für einen Kompressionsdruck sorgt und damit die Funktion der Venenklappen unterstützt. Ein Nischenprodukt zwar, aber segensreich für die Hechinger Maschinenbauer.

Heute werden die Strickautomaten in sechs verschiedenen Zylindergrößen angeboten. Rund zwei Drittel der Maschinen
werden in Europa verkauft, interessante Märkte sind auch die USA, Japan, China und die
Türkei.

Angst davor, dass die Maschinen in China kopiert werden, hat der für den Vertrieb zuständige Hans-Ulrich Keck nicht: Die Stückzahlen sind bei diesem Nischenprodukt zu gering. Immerhin aber wurden in diesem Jahr rund 160 Hechinger Maschinen produziert und ausgeliefert. Ein weiteres Produkt hat die Firma ebenfalls im Angebot, sogenannte „Seamless-Maschinen“, auf denen Oberbekleidungsstücke ohne Seitennähte produzierte werden können.

Tradition und angestammte Mechanikerkünste verbinden sich heute mit modernster Technik, sowohl bei den Maschinen selbst wie auch bei deren Produktion. Siegfried Carl Keck, zuständig für die Produktion vor Ort, verweist in der großen Produktionshalle stolz auf den Industrieroboter, der den Zusammenbau und die Bestückung der Maschinen vorbereitet – rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche und in der Nachtschicht sogar unbemannt.

Gleichzeitig ist jeder der rund 75 Mitarbeiter gefordert. Hier sind Spezialisten am Werk, die meisten Mitarbeiter arbeiten schon etliche Jahre und nicht selten Jahrzehnte bei der Firma, ein unverzichtbares Kapital. „Wir haben eine soziale Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern“, betonen die Geschäftsführer. Damit verbunden ist auch die Ausbildung des Nachwuchses: Zehn bis zwölf junge Menschen werden hier zum Mechaniker ausgebildet.

Die produzierten Maschinen sind kleine mechanische Wunderwerke – und heutzutage natürlich computergesteuert. Mit der Auslieferung hört der Kontakt zum Kunden keineswegs auf: Betreuung, Wartung und die Lieferung von Ersatzteilen gehören dazu. „Unsere Kundenbindung ist sehr hoch“, erklärt Hans-Ulrich Keck. Die Spezialisierung der Maschinen ebenfalls: Entsprechend programmiert erlauben diese die individuelle Herstellung von Strümpfen für einen Patienten nach medizinischen Vorgaben.

Bürgermeisterin Dorothea Bachmann zeigte sich beeindruckt von dem Betrieb und wünschte eine weiterhin erfolgreiche Zukunft des „Global Players“. Dass die Merz GmbH auch eine Hauptrolle in dem gleichnamigen Film von Hannes Stöhr spielte, war für die Geschäftsführer Ehrensache. Obwohl in der Maschinenhalle intensiv umgeräumt werden musste, stand fest: „Wir machen das für Hechingen.“ Und auch der Untertitel des Films gilt für das spezielle Produkt der Firma Merz: „Wo wir sind isch vorne“.

Prozent ihrer Maschinen verkauft die Firma Merz in Europa. Aber auch auf den Märkten der USA, Japans, Chinas und der Türkei spielt der
„Global Player“ aus Hechingen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Jamaika-Ende: Trigema-Chef Wolfgang Grupp fordert Neuwahlen

Vertreter der Wirtschaft haben besorgt auf den Abbruch der Jamaika-Sondierungsgespräche reagiert. Neben bundesweiter Kritik und Verunsicherung kommen hoffnungsvolle Worte von der Alb. weiter lesen