Wo Freundschaft beginnt

Kaffee trinken, Kuchen essen, mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen: Das ökumenische Begegnungscafé ist ein Angebot für Flüchtlinge und Einheimische. Gestern trafen sie sich zum ersten Mal.

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Pfarrer Horst Jungbauer und Ulrike Stoll-Dyma (Mitte) haben das Begegnungscafé organisiert. Es kamen fast ebenso viele Flüchtlinge wie Hechinger.  Foto: 

Begegnung beginnt beim gemeinsamen Anpacken. Um 10.30 Uhr beginnen Flüchtlinge und Helfer der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde damit, gemeinsam Tische und Stühle aufzustellen, Tassen, Teller und Löffel zu verteilen. Deutschlektion inklusive - "Tisch" und "Tasse", das sind Begriffe, die man schon mal brauchen kann. Der gemeinsame Aufbau gehört zum Konzept des ökumenischen Begenungscafés. Das erklärt Ulrike Stoll-Dyma, Pastoralreferentin und seit 1. Juli auch Referentin für ehrenamtliches Engagement mit Flüchtlingen. "Wir wollen Flüchtlingen ein freundliches Willkommen bereiten und ins Gespräch kommen", sagt sie. Der evangelische Pfarrer Horst Jungbauer, der das erste Café gemeinsam mit Ulrike Stoll-Dyma organisiert hat, bestätigt das: "Für mich ist das Wichtigste, dass es eine Willkommenskultur gibt." Und zwar nicht nur in den Kirchengemeinden, sondern in der gesamten Stadt.

Zum ersten Begegnungscafé sind gestern rund 15 Flüchtlinge, die im ehemaligen Krankenhaus untergebracht sind, gekommen. Die Zahl der Helfer liegt knapp darüber. Das ist nicht verkehrt, findet Jungbauer - schließlich sind Begegnungen auf Augenhöhe am besten im Kontakt zwischen zwei Menschen möglich.

Um die Sprachbarriere zu überwinden, übersetzt Adunia Gebremedhin für die eritreischen Flüchtlinge. Einen Kurdisch-Übersetzer haben die Gemeinden noch nicht gefunden - vielleicht beim nächsten Mal.

Bis dahin geht es mit Englisch, mit Zeichensprache - der katholische Pfarrer Gabriel Maiwald macht Zeichen für Essen und Trinken und bietet mit der Kaffekanne eine Tassenfüllung an - und mit Spielen. An einem Tisch wird konzentriert Backgammon gespielt, am nächsten ein Memory ausgebreitet. Auch hierbei: Deutschunterricht. "Baum" ist der Begriff zu dem Bild auf der Memorykarte.

Die Flüchtlinge, die nur wenige Tage in Hechingen untergebracht sind, freuen sich offensichtlich über die neuen Wörter und die Gespräche. Offen erzählen sie von ihrer Flucht, ihrer ersten Ankunft in Deutschland. Doch für die Jesiden aus dem Irak und die eritreischen Kopten bleibt nur wenig Zeit, mit den Hechingern in Kontakt zu kommen. Jeden Tag hängen im Flur des Krankenhausflügels, in dem sie wohnen, neue Namenslisten. Auf ihnen steht, welcher Flüchtling in welche Unterkunft kommt. Landesweit. Die "kurzen Intervalle", in denen die Flüchtlinge in Hechingen sind, beschäftigen auch Horst Jungbauer und Ulrike Stoll-Dyma. Sie hoffen, das Begegnungscafé künftig jede Woche anbieten zu können, damit möglichst viele Flüchtlinge davon profitieren. Stattfinden soll es immer im katholischen Gemeindehaus - zuvor kann der City-Gottesdienst besucht werden.

Doch nicht nur Flüchlinge profitieren von den Begegnungen. Gerade deshalb laden Jungbauer und Stoll-Dyma explizit Hechinger ein, ins Begegnungscafé zu kommen, neue Menschen kennen zu lernen, mit ihnen zu reden und zu spielen. Denn Begegnung beginnt mit der Bereitschaft, sich zu begegnen.

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