Wo die Augen lustwandeln können

Das Jahr ist noch ganz frisch, und die Villa Eugenia lockt schon mit einer neuen Doppelausstellung von seltener Spannung: Skulpturen von Hans Rösner kontrastieren mit Bildern von Andreas Heinrich Adler.

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Die Ausstellung "Malerei, Skulpturen und Zeichnungen im Dialog" in der Villa Eugenia lebt aus ihrer künstlerischen Spannung, nicht im Sinne des Kontrastes sondern einer Anziehung, wie sich elektrische Ladungen abstoßen, aber auch anziehen können. Hierzu haben sich Andreas Heinrich Adler aus Waiblingen und Hans Rösner aus Belsen zusammengetan zu einer ungewöhnlich spannungsvollen Schau.

Einerseits sind da die großflächigen Bilder des Andreas Heinrich Adler in ihrer technischen und thematischen Experimentierfreude - an geheimnisvolle Szenen tiefster Ozeane oder auch ferner, glutheißer Planeten erinnernd. Seine künstlerische Gestaltungsfreude passt nur auf den ersten Blick so gar nicht zu den fast schon traditionellen Skulpturen des Hans Rösner aus poliertem oder rauem Stein, meist Marmor, ein Material, das nur oberflächlich statisch scheint, in der Spannung seiner geschwungenen Linien und steinharter Materie aber die gleiche Dynamik hat wie die Bilder.

"Weißes Paar" aus Carrara-Marmor steht da in Kontrast zu "Der Kreis an sich", "Der helle Olympier" mit "Immer wenn du denkst es gibt keine Blumen mehr" oder auch "Isola Bella" mit "Lightning Field". Besonders letzteres, in dem sich 53 einzelne Bildfelder wie in einem filmischen Storyboard zu einem faszinierenden Ganzen zusammenfügen, zeigt die künstlerische Richtung an, wie es auch Kurator Rudolf Greiner in seiner Einführung herausstellte: Es ist ein Staunen über den Menschen und ein Staunen über die Natur. Einer Natur, die der Mensch bewusst verändert, teils sogar neu gestaltet.

Es seien ungewöhnliche Raum- und Zeitdimensionen, die da zusammengefügt werden, meint der Tübinger Kurator. Einerseits erschafft Andreas Adler durch neue Mal- und Mischtechniken sehr ungewöhnliche Landschaften, anderseits formt Hans Rösner in seinen Skulpturen geradezu mystische Schwingungen. Dahinter sieht Rudolf Greiner aber keinen zeitgenössischen, künstlerischen Eskapismus, sondern eine Beschreibung und Interpretation der Gegenwart und ihrer Realität.

Andreas Adler hat sich so vom Bildhauer zum Maler entwickelt, Hans Rösner vom Naturwissenschaftler und Mediengestalter zum mythischen Skulpteur. Beide aber arbeiten mit dem Bild des Menschen, der Waiblinger durch seine Experimentierfreudigkeit, in der sich menschliche Neugier und Gestaltungswille offenbaren, der Belsener mit dem menschlichen Körper, dessen scheinbare Vergänglichkeit, der Verfall zum Torso aber immer einen Neubeginn bringt - zwei Seiten der Suche nach Vollkommenheit.

Andreas Adlers Arbeitsweise ist ungewöhnlich und geradezu respektlos gegenüber den Sujet. Er vermischt und verändert die traditionellen Farben mit allem möglichen und erreicht so eine räumliche Tiefe in seinen eigentlich nur zweidimensionalen Bildern. Seine Bildkompositionen überfordern manchmal, auch das beabsichtigt, in ihrer Pixelhaftigkeit das Auge. Für Rudolf Greiner fast ein Neuansatz in der Landschafts- und Naturmalerei.

Hans Rösners Torsi gewinnen besonders an Spannung, wenn sie im Kontrast mit seinen Skizzen und Aquarellen stehen. Auch er bringt durch ungewohnte Techniken Volumen aufs Papier, fängt in der Linienführung die ganze gestalterische Dynamik ein, die er mit Hammer und Meisel auf seine Skulpturen überträgt. Folgerichtig löst er sich vom anatomischen Abbild des Menschen hin zu einer vereinfachten Form. Ein verletzter menschlicher Körper, eben der Torso ohne Arme, Beine und Kopf, wird zur "Isola Bella", eine schöne Insel, auf der die Augen des Betrachters sozusagen lustwandeln können.

Info Die neue Doppelausstellung in der Villa Eugenia im Hechinger Fürstengarten mit Bildern von Andreas Heinrich Adler und Skulpturen von Hans Rösner ist geöffnet bis 16. Februar, und zwar samstags und sonntags jeweils 14 bis 17 Uhr.

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