Wie weiter, Souffleuse?

Ein Hochstapler, zwei Ehemänner auf der Suche nach ihrer Befreiung, zwei kratzbürstige, einfältige Ehefrauen, ein trotteliger Briefträger und ganz viel Wortwitz: "Drei Engel für Ferdi" bot beste Unterhaltung.

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Expressiv in Mimik und Gestik: Die Bechtoldsweiler Laienspieler holten alles aus sich heraus. Foto: Eberhard Wais

"Wetten dass. . ." war gestern, Theater in Bechtoldsweiler heute. Die Theaterfreunde begeisterten am Wochenende ein zweimal vollbesetztes Bürgerhaus mit einem Lachtheater der besonderen Art - besonders deshalb, weil sich die sieben Akteure nie bierernst nahmen. Texthänger und Improvisationen wurden gekonnt aufgegriffen. Gut, dass es hinter dem Vorhang noch Claudia Strohmeier gab, die den Handlungsverlauf immer im Blick hatte ("Wie geht es weiter, Souffleuse?"). Sonst hätte "Drei Engel für Ferdi" vielleicht noch ganz anders und auf jeden Fall erst nach Mitternacht geendet.

Lach- oder Bauerntheater basiert in dieser literarischen Form auf der Wiedererkennung gängiger Vorurteile, auf dem Spiel mit der Phantasie der Zuschauer, auf Wortwitz - oder ganz einfach gesagt eben auf Spaß ohne allzu viel Tiefgang.

Mit diesen Erfolgsrezepten spielt auch Ute Tretter-Schlicker in ihrem Dreiakter "Drei Engel für Ferdi". Für die Theatergruppe aus dem Hechinger Stadtteil hatte Hanne Zopf die Dialoge ins Schwäbische übertragen, und das traf die Besucher und die Schauspieler mitten ins schwäbische Gemüt. Sabine Bächle übernahm die Maske, Regie und Bühnenbau sind eine Bechtoldsweiler Gemeinschaftsproduktion, wie auch die Feuerwehr für Speis und Trank, Bestuhlung und Aufbau sorgte.

Die Handlung ist einfach und auch nicht immer logisch: Rudolf (Hans-Peter Binanzer) und Heinz (Jörg Zimmermann) stehen unter der Fuchtel ihrer kratzbürstigen Ehefrauen Gerda (Bettina Wolf) und Hedwig (Bettina Dengel). Einen Ausweg aus der Misere sehen sie erst in der Person eines Grafen von Bodelshausen, den Rudolf in der Kur kennen gelernt hat. Bis es so weit ist, müssen sie aber noch unzählige Demütigungen und Misserfolge verkraften, was bei Rudolf am besten in Schockstarre geht. Dabei ist es gerade Rudolf, der, geplant oder nicht, auf jeden Fall sehr unterhaltsam, den Kontakt zum Publikum sucht, wenn einer seiner Mitakteure mal wieder den Text vergessen hat.

Flotte Sprüche wechseln zwischen Heinz und Rudolf, biestige Beteuerungen ihrer Freundschaft tauschen Gerda und Hedwig aus. Allein Irmgard (Hanne Zopf), Rudolfs Schwester und "alte Jungfer" im Haushalt, und der sie stumm anhimmelnde, etwas einfältige Briefträger Justus (Dieter Wolf) stehen etwas außen vor.

Zunächst einmal, denn mit dem Auftritt des hochstaplerischen Grafen von Bodelshausen (Mark Hipp), einem vollendeten, wenngleich sehr auf das eigene Portemonnaie bedachten Jüngling, wandelt sich die Situation. Die drei Damen himmeln ihn geradezu an, Bargeld, Scheckkarte und Sparbuch werden ihm bereitwillig übergeben, er revanchiert sich mit Blumen und dreisten Komplimenten sowie der vagen Aussicht eines persönlichen Kontaktes zu seiner Großtante, der Lizzy im Buckinghampalast.

Getoppt wird der muntere Klamauk von zwei langen Szenen: Einmal übt Justus zusammen mit Gerda (die mit allen Mitteln ihre Schwägerin Irmgard los werden möchte) den Heiratsantrag, den er Irmgard machen möchte. Dass er dabei versehentlich in der Gebrauchsanleitung für Erste Hilfe am Unfallort liest, sorgt für große Lacherfolge und allerlei schlüpfrige Vermutungen und Anspielungen, natürlich auch für innerfamiliäre Verwicklungen. Im dritten Akt proben die beiden Damen Gerda und Hedwig, die, anders als ihre Ehemänner Rudolf und Heinz dem falschen Grafen noch nicht auf die Spur gekommen sind, ihren Auftritt im Buckinghampalast, inklusive Hofknicks und "God save the Queen". Auch das ein gewaltiger Lacherfolg.

Ach, übrigens: Den entscheidenden Tipp zur Entlarvung des Hochstaplers hat die HZ mit einer Meldung in ihrem Lokalteil gegeben. . .

So bietet das Theaterstück beste Samstagsunterhaltung. Man müsste mal denen beim ZDF einen Tipp geben.

Info Mehr Bilder von "Drei Engel für Ferdi" gibts ab heute Mittag auf www.swp.de/hechingen.

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