Wer nimmt Björn auf?

In einem Brief an die HZ schreibt Karin Barcynski: "Man darf kein Kind mit ADHS haben". Sie schildert die schwierigie Suche nach einer Wohngruppe für ihren Sohn, der eine intensive Therapie braucht.

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Mit einem selbstgebastelten "Heißen Draht" soll Björn (hier mit seinen Eltern) üben, sich zu konzentrieren. Foto: Samira Eisele

Ein Kind hat ADHS - die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung - und massive Probleme, Beziehungen einzugehen. Es soll deshalb zukünftig in einer therapeutischen Wohngruppe leben. Doch die Suche nach einer passenden Einrichtung im Zollernalbkreis und Umgebung bringt die Familie an den Rand der Verzweiflung. Das ist die Situation der Barczynskis aus dem Hechinger Ortsteil Stetten. Und die Familie ist überzeugt: Wir sind bestimmt kein Einzelfall.

Björn Barczynski bekam vor sieben Jahren die Diagnose ADHS. Der Elfjährige bekommt starke Medikamente, um sein Verhalten steuern zu können. Im November 2013 war Björn zur Medikamenteneinstellung für einige Wochen einer Klinik für Verhaltensmedizin. Die behandelnde Ärztin empfahl, Björn danach in einer therapeutischen Wohngruppe unterzubringen.

Seit Wochen versucht die Familie nun, eine passende Einrichtung für in der Umgebung zu finden. "Ich muss mein Kind ja auch besuchen können", meint Karin Barcynski - zum Beispiel bei einem medizinischen Notfall wie der akuten Blinddarmentzündung ihres Sohnes im November. Doch die Suche gestaltet sich schwierig: Fünf Therapiegruppen haben den Barcynskis bereits gesehen. Aber: Eine fand Karin Barczynski nicht passend, die vier anderen sagten ab. "Sie können das mit Björn nicht leisten", erzählt Karin Barczynski etwas hilflos. Durch den ständigen Druck hatte Vater Andreas Barczynski, der als Maschinenführer bei Gambro arbeitet, vor kurzem einen Nervenzusammenbruch bei der Arbeit - am Tag nach einer Absage. "Wir stehen immer hinter Björn", versichern die Eltern - doch alleine kommen sie nicht weiter.

Nach allem, was die Familie weiß, ist Björn ein extremer Fall. "Wenn ich merke, dass ich wütend werde, dann muss das raus", erklärt Björn - und zwar egal, wie und wo - Hauptsache, sofort. Seine Ausbrüche können schon durch Papiergeraschel seiner Mitschüler entstehen. Wenn Björn die Wut nicht in produktiv umwandeln kann, wird der Raschler zur "Drecksau", Björn wird aggressiv. Damit steht er sich oft selbst im Weg, kann einfachste Aufgaben nicht lösen - was ihn wieder frustriert und aggressiv macht. Die Familie hat es bisher mit ambulanten Therapien versucht, doch diesen Kreislauf, der auch schon zu Gewalt in der Familie führte, konnten sie dadurch nicht durchbrechen. Schon einmal war Björn in einer Wohngruppe - aber damals haben ihn seine Eltern wieder abgeholt. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die Suche jetzt so schwierig ist.

Im Gespräch mit Björns Schule sagten die Eltern, die auf einen Therapiedurchbruch während einem längeren Klinikaufenthalt hofften, dass es wohl nicht viel bringen würde, wenn Björn nur wenige Wochen in der Klinik sei und dann wieder zurück in seine Schule geht. Nach den fünf Wochen, die Björn dann in Bad Dürrheim verbrachte, wurde er daher prompt nicht beschult - ein weiterer Stressfaktor für die Familie.

Aber es gibt auch Hoffnung: Seit einigen Wochen geht Björn wieder in seine Erziehungsschule, der Schulleiter hat der Familie außerdem seine Hilfe angeboten. Außerdem hat Björn mit einer Jugendamt-Mitarbeiterin eine weitere, vielversprechende Einrichtung angesehen. Die Eltern dürfen sich nächste Woche ein Bild davon machen - dann wird entschieden. Auch das Schulamt in Albstadt ist sich sicher: "Wenn die Eltern ernsthaft daran interessiert sind, dann finden wir immer einen Platz." Schulamtsdirektor Johann Klingler, der Björns Fall kennt, bietet ebenfalls seine Hilfe an. "Wir suchen mit den Eltern und dem Jugendamt eine Lösung im Sinne des Kindes".

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