Wer hat denn nun wirklich auf Umut K. geschossen?

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Die Große Jugendkammer des Hechinger Landgerichts setzt am Montag den Mordprozess vor.  Foto: 

Der inzwischen 22 Jahre alte Italiener, den die Staatsanwaltschaft für den Todesschützen von der Staig hält, hatte am zweiten Verhandlungstag im Hechinger Mordprozess einen überraschenden Aufschlag gemacht: Nein, nicht er habe aus dem roten Fiat Punto geschossen, obwohl er auf dem Beifahrersitz gesessen sei, sondern sein Komplize – und zwar vom Steuer des Wagens aus. Sein heute 21-Jähriger Kumpel habe sich plötzlich ganz weit zu ihm herübergebeugt, den Arm ausgestreckt und urplötzlich eine Pistole in der Hand gehabt.

Er selbst, so die Aussage des Angeklagten, habe seinem Nebensitzer noch in den Arm greifen wollen, um den Schuss zu verhindern. Doch es sei ihm nicht gelungen. Das Ergebnis aus seiner Sicht: „Riesenknall. Funkenflug. Mir pfiff es in den Ohren.“ Dass jemand getroffen worden sei, habe er nicht gesehen. Draußen, neben der Sitzgruppe an der Oberen Mühlstraße, war der 22-jährige Bisinger Umut K. tödlich getroffen zusammengesackt. Die Kugel, da sind sich die Ermittler sicher, hätte eigentlich dem 25-jährigen Italiener gelten soll, der neben dem Opfer stand. Mit diesem Mann hatten die beiden Angeklagten nämlich eine 5000-Euro-Rechnung für eine Marihuana-Lieferung offen.

Eine Aussage ist angekündigt

Hat also der Jüngste der Angeklagten das Auto gesteuert und selbst geschossen? Die Öffentlichkeit ist gespannt, was der inzwischen 21 Jahre alt gewordene Zimmermann dazu sagt. Für den dritten Verhandlungstag am kommenden Montag, 10. Juli, hat sein Anwalt Tobias Glaenz eine Aussage seines Mandanten angekündigt. Wird er im Gegenzug seinen Komplizen des Schusses bezichtigen, womit sich der Großen Jugendkammer eine komplett verwirrende Lage darbieten würde?

Oder wird er die Aussage seines Mitangeklagten bestätigen und darauf abzielen, dass er einen Warnschuss in die Luft abgeben wollte, woraufhin ihm der Beifahrer unglücklicherweise in den Arm gegriffen und den Schuss abgelenkt habe? Daraus ließe sich dann der Fall einer „aberratio ictus“, eines fehlgeleiteten Schusses, konstruieren, aus dem sich nur sehr schwer der Tatbestand des vollendeten Mordes ableiten lässt. Versuchter Mord und fahrlässige Tötung, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, könnte die Schlussfolgerung sein.

Die Verhandlung beginnt am Montag um 9 Uhr – oder ein wenig später, wegen der strengen Einlasskontrollen.

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