Weltklasse aus Hechingen

Die wichtigste Botschaft vorneweg: Vorstandschef Guido Oelkers kündigte an, dass Gambro Hechingen auch unter Führung des amerikanischen Baxter-Konzern seinen exzellenten Stellenwert behalten werde.

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Da war alles dabei, alles Gambro Hechingen gestern Abend im gläsernen "Future Office" mit geladenen Gästen seinen 40. Geburtstag feierte: Leute der ersten Stunde, die süffige Anekdoten erzählten, prominente Gratulanten, showbegabte Mitarbeiter, die fernsehreif das nächste Kapitel der Gambro-Erfolgsgeschichte einläuteten, und gut gelaunte Entscheidungsträger, die in Aussicht stellten, dass der schwäbische Standort auch unter amerikanischer Führung geschätzt und erfolgreich sein werde.

Geschäftsführer Dr. Heiko Zimmermann erklärte, warum Gambro Hechingen in diesem Jahr seinen Vierzigsten feiert: "Am 1. April 1973 haben wir die ersten Leute eingestellt. Das ist das Datum, das für uns zählt." Ende 1973 waren schon 146 Mitarbeiter an Bord, wie der langjährige Personalleiter Harry Pruss sich erinnerte. Mittlerweile verdienen mehr als 1400 Menschen bei dem schwedischen Hersteller von künstlichen Nieren ihr Brot. Längst ist Gambro Hechingens größter Arbeitgeber und Anker des Medical Valley.

Zimmermann führte drei wesentliche Erfolgsfaktoren an: die Lage (Hechingen befinde sich genau in der Mitte zwischen Uppsala und Palermo), den "einmaligen" Teamgeist und die Art und Weise, wie man bei Gambro Hechingen Herausforderungen meistere. Als Beispiele nannte er die Lösung des "Stinkewasser"-Problems in frühen Jahren, die Verarbeitung des Großbrandes 1992, die Akzeptanz der Verlagerung der Schlauchproduktion nach Tschechien und das immerwährende Bemühen, sich dem Kostendruck in der Branche zu stellen.

Und wie weiter? "Wir werden amerikanische Eigentümer haben", sprach Zimmermann die bevorstehende Übernahme durch den Baxter-Konzern an und stellte neben die schwedische Flagge auf seinem Rednerpult einen Wimpel mit Sternen und Streifen. "Zukunft heißt Fortschritt, und Fortschritt lässt sich nicht aufhalten." Der Geschäftsführer setzt allemal "auf mindestens 40 weitere Jahre in Hechingen". Nicht minder zuversichtlich äußerte sich der aus der schwedischen Zentrale angereiste Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Oelkers. Er nannte es rückblickend "sensationell, dass hier ein Team seit 40 Jahren Weltklasse in Forschung, Entwicklung und Produktion in die Zollernstadt gebracht hat." Gambro Hechingen sei ein Beispiel für deutsche Industriegeschichte. Es zeige, dass hier trotz eines hohen Lohnniveaus und hoher Energiekosten langfristig Weltklasseleistungen erzielbar seien.

Diese Spitzenleistungen, so Oelkers, seien auch Baxter nicht verborgen geblieben. Für die künftigen Eigentümer sei es "beschlossene Sache, dass Hechingen Center of Excellence für Forschung, Entwicklung und Produktion bleibt." Baxter, so Oelkers, gebe Hechingen einen Vertrauensvorschuss. Und er persönlich habe keinen Zweifel, dass Gambro Hechingen sich im globalen Wettbewerb behaupte und mit seiner Innovationskraft sogar neue Maßstäbe setze.

Auf die Zukunftsmusik folgte der Rückblick auf die Gründungsphase. Den gab der erste Hechinger Gambro-Geschäftsführer Dr. Wilhelm Happ, der zusammen mit dem damaligen Hechinger Bürgermeister Norbert Roth (gestern ebenfalls unter den Gästen) den Ansiedlungsvertrag unterzeichnete. Man erfuhr, dass die erste Begegnung zwischen Gambro-Gründer Holger Crafoord und Norbert Roth zunächst wenig erfreulich verlief. Man sei bei schlechtem Wein zusammengesessen und habe über einen Bauplatz auf einer ehemaligen Mülldeponie verhandelt. Erst am zweiten Tag sei der Knoten geplatzt, als Schlitzohr Roth die Stettener Halde aus dem Hut zauberte und dem Schweden schmackhaft machte. Dabei, so verriet Happ, sei das Gelände noch nicht einmal in städtischem Besitz gewesen.

Nach den Anekdoten gabs die Gratulationscour. "Man kann sich Hechingen ohne Gambro gar nicht mehr vorstellen", sagte Bürgermeisterin Dorothea Bachmann. Ihre Hoffnung auf Dauerhaftigkeit drückten sie mit einem gewichtigen Geschenk aus, das der kräftigere Erste Beigeordnete Klaus Conzelmann stemmen musste: einen 150 Millionen Jahre alten Ammoniten, der beim Kanalbau im Gebiet Lotzenäcker gefunden wurde.

Regierungspräsident Hermann Strampfer würdigte eine "beeindruckende Erfolgsgeschichte". Gambro habe Aufbruchstimmung in einer vom Niedergang der Textilindustrie gebeutelten Region verbreitet. Auch IHK-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Epp bekundete größten Respekt: "Sie werden nicht mit 40 gscheit. Sie waren es schon früher."

Schließlich leitete Heiko Zimmermann als Moderator in Gottschalk-Manier zur "Außenwette" über: Per Live-Übertragung ins "Future Office" wurde das neue Gambro-Werk "Conquest 5" auf dem ehemaligen Bundeswehr-Gelände eröffnet. Der "rasende Reporter" Thomas Siebeneich alias "T 7" zeigte, wie drei weitere Menschen in Reinraum-Anzügen feierlich das Band durchschnitten: Betriebsleiter Dr. Michael Hemeke, Vorstandsmitglied Silke Lerche und Abteilungsleiter Alfred Meyer. "Conquest 5", so kommentierte Hemeke, stehe für einen Quantensprung in der Dialysatorenentwicklung. Eben Welktlasse.

Info Am Samstag steigt das große Jubiläumsfest für die Mitarbeiter. Die Feier ist aber nur für die Gambro-Familie.

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