Vier neue Kinder bei der Kinderhilfe Rumänien

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Zum vierten Mal ist Edith Kirchmann, die Vorsitzende der Kinderhilfe Rumänien, nach Rumänien gereist, um wichtige Gespräche mit der Kinderschutzbehörde und der Kreisverwaltung Arad zu führen. Gleichzeitig hat sie alle Einrichtungen des Vereins in den Kreisen Arad, Timis und Hunedoara besucht.

Für die meisten Schulkinder in den unteren Klassen begannen bereits Mitte Juni die langen Sommerferien, und so waren dieses Mal auch fast alle Kinder zu Hause. Bis auf einen Buben wurden in diesem Jahr alle versetzt. Vier Kinder sind neu hinzugekommen und freuen sich darüber, ein liebevolles Zuhause gefunden zu haben. Vier junge Menschen werden nun nach Erreichen der Volljährigkeit beziehungsweise nach dem Abschluss ihrer Schulausbildung die Einrichtungen der Kinderhilfe Rumänien verlassen.

Zum Nichtstun verurteilt

Die 21-jährigen Zwillinge lebten 18 Jahre im Familienhaus „Sunnanväder“. Der Abschied war für beide Seiten sehr belastend. Die bisherigen Pflegeeltern wollen sich jedoch weiter um diese beiden jungen Männer kümmern. Sie sind behindert. Ihre neue Unterkunft in dem staatlichen Heim lässt laut Edith Kirchmann sehr zu wünschen übrig:  Dort gebe es keine beschützenden Werkstätten. Die Zwillinge seien nun zum Nichtstun verurteilt, obwohl sie beide eine Berufsschule besuchten.

Seit fast 20 Jahren will der Hechinger Verein eine Einrichtung für Jugendliche oder junge Menschen mit Behinderung einrichten. Es wurde für dieses Vorhaben Land und ein großes Gewächshaus gekauft. Leider scheiterte die Umsetzung dieser Idee bisher an den schwierigen Bedingungen, die von staatlicher Seite erhoben werden, so Edith Kirchmann. Es gebe für solche Projekte auch keine staatlichen Fördermittel. Erschwerend komme hinzu, dass es im Sozialbereich überall an Fachpersonal mangele. Menschen mit Behinderung oder auch Senioren würden oft durch das ohnehin löchrig geknüpfte soziale Netzwerk fallen.

Leider, so berichtet die Vorsitzende, musste jetzt das Seniorenhaus des Vereins in Lipova /Arad geschlossen werden. Die niedrigen Renten der Pflegebedürftigen Personen hätten nicht ausgereicht, um die Kosten in dieser Einrichtung zu decken. Edith Kirchmann klagt: „Der rumänische Staat zieht sich aus der Verantwortung. Dem entsprechend sind die Zustände in staatlichen Einrichtungen für alte Menschen oder Behinderte.“

Rumänien ist von Seiten der EU verpflichtet, die traditionellen staatlichen Kinderheime bis 2020 zu schließen. Allein mit der Schließung dieser noch fast überall existierenden Einrichtungen mit über 100 Kindern sei aber keine Besserung in der Heimerziehung zu erwarten, unterstreicht die Kinderhilfe Rumäien. Es fehle an allgemein gültigen neuen Konzepten für eine Umgestaltung des Heimwesens. Änderungen seien nur möglich, wenn mehr Geld für das gesamte Sozialsystem zur Verfügung gestellt werde. Stattdessen suche man nach billigen Lösungen der Probleme.

In einem Kinderhaus ereignete sich etwas Außergewöhnliches: Ein achtjähriges Mädchen wurde von einer berufstätigen älteren Alleinerziehenden adoptiert. Das Kind verbrachte nur eine Nacht in seinem neuen Zuhause in Bukarest und wurde postwendend als behindert wieder zurückgebracht, denn schon nach wenigen Stunden stellte man fest, dass dieses Kind sich nicht als neues Familienglied eignete. Leider hatte das Mädchen bis zu diesem Augenblick nicht gewusst, was sie in der neuen Umgebung erwartete.

Schockierendes Ereignis

Man hatte ihr große Überraschungen versprochen, die sich als Luftblase erwiesen. Für die Pflegeeltern und das Mädchen war dieses Ereignis schockierend. Die Kleine ist recht intelligent! Nun lebt sie wieder in ihrer gewohnten Umgebung bei ihrer „Familie“. Edith Kirchmann schreibt erbost: „Es entsteht der Verdacht, dass dieses Heimkind als Handelsware mit Umtauschrecht eingestuft wurde.“

Eine weitere Möglichkeit, Kinder in private Obhut unterzubringen, ist laut Kinderhilfe Rumänien durch das so genannte Anbieten sozialer Dienste im freien Wettbewerb gegeben. Seit mehreren Jahren werden demnach im Kreis Arad Kindergruppen (je elf Minderjährige) aus den seit langem bestehenden, gut funktionierenden Familienhäusern – unter anderem auch 2014 aus einer Einrichtung der Kinderhilfe Rumänien – öffentlich dem Meistbietenden zur Übernahme angeboten. Der Staat profitiere finanziell davon, da die neuen privaten Organisationen monatlich erhebliche Mehrkosten zu bezahlen hätten. Aus Geldmangel und auch anderen Problemen wurden jetzt laut Kinderhilfe die Kinder, die 2014 in eine andere Organisation übersiedelten, wieder dahin zurückgebracht, von wo sie kamen. Sie seien abermals als Ware eingestuft worden. Ware, die man ganz einfach woanders ablagern könne.

Der Verein Kinderhilfe Rumänien sieht seine Aufgabe darin, sich um die Not der Kinder in dem Balkanland zu kümmern, die nicht in der eigenen Familie aufwachsen können und ihnen soweit wie möglich Geborgenheit und ausreichende Zuwendung durch Pflegeeltern zu vermitteln.

Jetzt im Sommer wird Edith Kirchmann mit den Kindern der Familienhäuser in Lipova wieder eine Abenteuerfreizeit auf dem vereinseigenen Gelände im Gebirge machen, um mit ihnen die wilde Natur zu genießen und wichtige Erfahrungen wie Brotbacken zu vermitteln. Für sie bedeutet das Zusammenleben auf Zeit auch eine gute Möglichkeit, sich mit Problemen der Kinder auseinanderzusetzen und gegebenenfalls anzugehen.

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