Vier Jahre Haft für Ingo Dura

Weil er einen Reutlinger Wirt mit vorgehaltenem Hammer erpressen wollte, verurteilte das Landgericht Tübingen Ingo Dura, den Präsidenten der Reutlinger Hells Angels, am Montag zu vier Jahren Haft.

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Nach Ansicht des Gerichts hat sich der 48-jährige Rocker-Präsident Ingo Dura der versuchten, besonders schweren, räuberischen Erpressung strafbar gemacht. Er soll im Mai 2013 unter anderem 10 000 Euro vom Wirt des Reutlinger Lokals "Rockstar" gefordert haben, weil der Wochen zuvor einen Musiker aus dem Umfeld der Rocker bei einer Schlägerei schwer verletzt hatte. "Er handelte, um sich oder Dritte zu Unrecht zu bereichern", stellte Richter Ralf Peters fest: "Er fühlte sich als Präsident der Hells Angels berufen, die Angelegenheit selbst zu entscheiden." Peters rügte scharf den Angriff auf das staatliche Gewaltmonopol. Weil sie zur Drohkulisse beitrugen, verurteilte das Gericht Duras Begleiter zu zehn Monaten Haft und zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Neben Dura gehören beide zur ersten Riege der Reutlinger Hells. Oberstaatsanwalt Bernhard Henn hatte Haftstrafen zwischen sechs Jahren und neun Monaten und zweieinhalb Jahren gefordert.

Das Gericht schenkte damit den Schilderungen des 51-jährigen Kneipenbesitzers Glauben, der im Prozess als Kronzeuge auftrat und aus Sicht des Gerichts zuverlässige Angaben machte. Er lebt derzeit im Zeugenschutzprogramm und schilderte dem Gericht, wie der Rocker-Chef in Begleitung "stinksauer" das Lokal betreten, die Gäste fortgeschickt und ihn mit dem Hammer bedroht habe: "Eigentlich sollte ich dir den Schädel einschlagen", habe ihn Dura wissen lassen.

Der eingeschüchterte Kneipier willigte damals zum Schein in dessen Forderungen ein, offenbarte sich aber später der Polizei. Es habe ihn regelrecht gedrängt, das Geschehen zu berichten, so Peters, und das, obwohl er gewusst habe "was auf dem Spiel stand". Zwar gab er an, während der Schlägerei mit dem Musiker aus Notwehr gehandelt zu haben, dass er aber angesichts dessen schweren Verletzungen dennoch die Polizei eingeschaltet habe, wertete das Gericht als Beleg für seine Notsituation.

Wenig überzeugend fand das Gericht die Version des Hells-Angels- Chefs, er sei tags darauf nur ins Lokal gekommen, um zwischen seinen langjährigen Bekannten friedlich zu vermitteln. Einen Hammer habe er zudem erst vor dem Lokal gezückt, als er angesichts der großen Menschenmenge in Panik geraten sei, entschuldigte er sich. Einem Gast hat er das Werkzeug drohend an den Hals gehalten. Warum er im Lokal überhaupt einen Hammer bei sich hatte, konnte Dura dem Gericht nicht plausibel erklären. Dura gab an, er liege immer in seinem Auto - für den Fall einer Panne.

Die Aussagen des Kronzeugens zogen hingegen Duras Verteidiger in Frage. Um seiner eigenen Verurteilung zu entgehen, führe der Wirt haltlose Vorwürfe ins Feld. Dura selbst warf den Behörden einseitige Ermittlungen vor. Seine Verteidiger sehen Parallelen zu bundesweiten Aktionen gegen den Rockerclub. Der Prozess diene alleine dazu, die Präsenz der Hells Angels in Reutlingen zu beenden. Für alle drei Clubmitglieder forderten sie Freispruch.

Am Montag musste Richter Peters die Verlesung der Urteile mehrfach stoppen. Aufgebracht unterbrach ihn Ingo Dura immer wieder durch lautstarke Kommentare. Am Ende drang höhnischer Applaus aus dem Zuschauerraum. Vor und im Gerichtsgebäude waren die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft worden.

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