Großes Interesse an Windkraft in Rangendingen

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Die Bürgerinitiative „GegenWind Hohenzollern“ hat diese Fotomontage für die Gemeinde Rangendingen erstellt.  Foto: 

Nie zuvor hatte eine Sitzung des Rangendinger Gemeinderats so viele Zuhörer wie am Montagabend – des Themas Windkraft wegen. Und Bürgermeister Johann Widmaier tat, was er in diesem Umfang keinesfalls hätte tun müssen: Er ließ nicht nur die besorgten Bürger aus seiner Gemeinde, sondern ebenso die auswärtigen Mitglieder der Bürger­initiative „GegenWind Hohenzollern“ zu Wort kommen. Auch weil ihnen das in den möglichen Windkraft-Standortgemeinden Grosselfingen und Haigerloch bis dato versagt blieb. Jedoch, das machte der Rangendinger Rathauschef deutlich: Seine Gemeinde sei lediglich aufgefordert, ­Stellung zu nehmen zum Teilregionalplan Windkraft des Regionalverbands Neckar-Alb. Die in der Sitzung am Montagabend zuhauf formulierten Fragen hätten sie, die Bürgerinnen und Bürger, den Fachleuten, die erst vor wenigen Wochen in Haigerloch Rede und Antwort standen, stellen sollen.

Trotzdem hatten der Bürgermeister und der Gemeinderat ein Ohr für die Befürchtungen und Ängste der Windkraft-Gegner.  Tag und Nacht, glauben sie, würden mit den Windrädern gesundheitliche Probleme unter anderem durch Infraschall – und das über Kilometer hinweg – geschaffen. Dann, mangelte es nicht an Polemik, brauche es in Rangendingen keine weiteren Bauplätze mehr, sondern eine Friedhofserweiterung.

Eine „Zeitbombe“ nannte ein anderer Windräder im sogenannten Dreiländereck, denn dort stünden sie mitten im Erdbebengebiet – und wenn sie anfingen zu schwanken, würden sie rasch einknicken, sich das Getriebeöl aus den Rotoren in den Wald ergießen, sich entzünden…

Auch die rein naturschutzrechtlichen Belange sehen die Windkraft-Gegner in keinster Weise ausreichend berücksichtigt. Und vor allem nicht die ihrer Überzeugung nach mit einem Windpark zwangsläufig einhergehende Minderung angrenzender Grundstücks- und Immobilienwerte. Provokant in diesem Zusammenhang die Frage aus den Reihen der Zuhörer: „Wer bezahlt uns den Totalverlust an Gesundheit und am Eigentum?“

Die alles entscheidende Frage kam ebenfalls von einem Bürger: „Wie effizient sind die Windräder?“ Diese Frage rief denn auch wieder Bürgermeister Widmaier auf den Plan. Darüber Auskunft geben könne einzig eine Windkraftmessung – die Anlage dazu soll auf Grosselfinger Gemarkung gebaut werden. Ein Jahr dauere es, zuverlässige Daten zusammenzutragen. Und: Nur bei entsprechender Windhöffigkeit (Ertragspotenzial am Standort) würde der Windpark auch realisiert. Dies dann noch verhindern zu können, sieht der Rathauschef keine Chance. Denn selbst, wenn sich die Gemeinde „ausklinke“, würden sich garantiert Privatpersonen finden, die ihre Grundstücke gerne für den Bau eines Wind­rades zur Verfügung stellen.

Schon aus diesem Grund riet das Gemeindeoberhaupt dringend dazu, „mit im Boot“ zu bleiben. Bestärkt wurde er dabei von Bernd Pflumm: Wenn Rangendingen Nein sage, „bekommen wir nichts mit von den Messergebnissen und werden gegebenenfalls verarscht“. Als Partner beispielsweise der EnBW und der Erneuerbare ­Energien Zollernalb GmbH ­­jedoch dürfe man zuverlässige Daten erwarten – die sich die ­Starzelgemeinde vorbehält, unabhängig überprüfen zu lassen. Wobei man in Rangendingen davon ausgeht, dass die Windmessung „weniger als 5,5 Meter pro Sekunde“ zum Resultat haben wird – womit der Windpark hinfällig würde.

In einem nächsten Schritt wird sich die Gemeinde nun mit einer Stellungnahme an den Regionalverband Neckar-Alb wenden, um darauf aufmerksam zu machen, dass die bis dato veranlassten Untersuchungen fehlerhaft und unvollständig seien.

Ergänzt wird sie auf Antrag von Paul Maichle – Johann Widmaiers Veto fand keine Mehrheit – um den Hinweis, dass die Planung der Gemeinde Grosselfingen den „vollen Nutzen“ beschere, Rangendingen hingegen nur Nachteile.

Unter Infraschall versteht man Schall, dessen Frequenz unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Das menschliche Ohr ist für Infraschall nahezu unempfindlich. Infraschall ist ein überall vorkommender, allgemeiner Bestandteil der natürlichen Umgebung des Menschen, wird aber auch künstlich erzeugt, beispielsweise im Verkehrswesen oder durch technische Geräte.

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