Verdacht: Landkreis wirbt Ärzte aus der Hechinger Innenstadt ab

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Das Zentrum am Fürstengarten ist offen für viele Nutzungen, nicht zuletzt für Ärzte aus der Innenstadt – immer mehr zum Missfallen der Hechinger Stadtväter.  Foto: 

Elf Millionen Euro investiert, 250 Arbeitsplätze geschaffen, ein Vorzeige-Zentrum am Fürstengarten aufgebaut: Niemand in Hechingen bestreitet, dass der Zollernalbkreis in Sachen Nachnutzung des alten Krankenhauses Wort gehalten hat. Entsprechend gut gelaunt wurde im Juli dieses Jahres auch die Fertigstellung des dritten Bauabschnittes gefeiert.

Wer damals genau hinhörte, entdeckte aber auch mahnende Worte. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Philipp Hahn, sprach aus, was nicht wenige Hechinger denken: dass die fortgesetzte Ansiedlung von Ärzten und Dienstleistern außerhalb des Stadtkerns der Innenstadt nicht gerade nützt. Deshalb bat er um eine „behutsame Weiterentwicklung“ in Absprache mit der Stadt – die Landrat Günther-Martin Pauli auch prompt zusicherte.

Doch an eben diesem gedeihlichen Zusammenwirken zwischen Landratsamt und Rathaus werden jetzt Zweifel laut. Hechinger Kommunalpolitiker unken, der Landkreis leiste dem Abwerben weiterer Ärzte aus der Innenstadt Vorschub. Werner Beck, Freie-Wähler-Kreisrat und -Fraktionschef im Hechinger Gemeinderat, sprach das brisante Thema am Donnerstagabend am Hechinger Ratstisch an.

Aktueller Anlass: das Vorgehen des Landratsamts bei der Planung des vierten Bauabschnittes. Wo heute noch der Westflügel des alten Krankenhauses steht, sollen (im Wege der Verpachtung) nicht nur eine Apotheke neu gebaut, sondern auch noch weitere Praxisräume geschaffen werden. Und dafür – so weiß Werner Beck – soll schon ein konkretes Mietangebot an einen Facharzt ergangen sein, der derzeit noch in der Oberstadt ansässig ist. „Der Weggang des Arztes“, mahnte Werner Beck, „würde ein weiteres Ausbluten der Innenstadt bedeuten“. Die Stoßrichtung des Freien Wählers: Die Stadt möge beim Landratsamt darauf drängen, dass der Landkreis nur den Bau einer Apotheke genehmige, nicht aber die Schaffung weiterer Arzt­praxen.

Dafür sollten sich vor allem die Hechinger Kreisräte einsetzen, wenn es im kommenden Jahr im Kreistag darum gehe, die Fläche an den Apotheker zu verpachten, spielte Erster Beigeordneter Philipp Hahn den Ball zurück. Grundsätzlich teilte er freilich Becks Haltung: „Ich habe Landrat Pauli schon unsere Befürchtung vorgetragen, dass es die Hechinger Innenstadt schwächt, wenn noch ein Arzt aus der Oberstadt ins Gesundheitszentrum zieht.“ Zwar, so Hahn, sei nachvollziehbar, dass die Apotheke nicht auf Dauer in ihrem Container bleiben könne. „Uns stört aber die Verknüpfung zwischen Apotheken-Neubau und Praxisräumen.“

Ohne die ihm bekannten Zahlen öffentlich nennen zu wollen, äußerte Hahn Zweifel daran, dass die Kopplung von Apotheke und Arztpraxis in der geplanten Form „marktwirtschaftlichen Gegebenheiten entspricht“. Man müsse „schon sehen, was es den Ärzten attraktiv macht, dorthin zu gehen“. Im Klartext lautet der Verdacht: Der Landkreis lockt Ärzte mit Dumping-Mietpreisen aus der Innenstadt an die Weilheimer Straße und verschleiert dies geschickt mit seinem Verpachtungskonstrukt.

Umstritten ist zwischen Stadt und Landkreis auch, ob die künftige Apotheke zwingend von der Bisinger Familie betrieben werden muss, die seit Jahren aus dem Behelfscontainer vor dem alten Krankenhaus heraus wirtschaftet. Der Landkreis, so heißt es im Hechinger Rathaus, könnte seine Vergaberichtlinien auch so gestalten, dass die beiden Apothekerinnen aus der Hechinger Innenstadt eine Bewerbungschance hätten. Interesse an dem Standort haben diese gegenüber Landrat Pauli nachweislich bekundet.

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