Trendwende: Wieder mehr Kinder

Was für eine Nachricht: Im Zollernalbkreis wird es in den nächsten Jahren wieder spürbar mehr Kinder geben. Umso schwerer wiegt der Rückstand der Kreisgemeinden bei der Ganztagesbetreuung.

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Ferienbetreuung durch die Schulsozialarbeit (wie hier in Hechingen) wird immer wichtiger, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Archivfoto  Foto: 

Ungläubiges Staunen im Jugendhilfeausschuss des Kreistags, der im Diasporahaus in Bietenhausen tagte: Die Zahl der unter 21-Jährigen wird bis zum Jahr 2025 im Zollernalbkreis voraussichtlich um fast ein Prozent steigen. "Das ist eine super Nachricht für Sie", sagte Dr. Ulrich Bürger vom Landesjugendamt. "Die massiven Verluste der vergangenen Jahre sind gestoppt. In der untersten Altersgruppe sind Sie durch den demographischen Wandel durch."

In seinem Bericht über "Kinder- und Jugendhilfe im demographischen Wandel" konstatierte Bürger für den Zollernalbkreis sowohl eine steigende Geburtenrate als auch einen Zuwanderungsgewinn.

Besonders eklatant ist die Zunahme bei den unter Sechsjährigen. In dieser Altersgruppe erwarten die Statistiker kreisweit bis zum Jahr 2025 ein Plus von 23 Prozent, bei den Sechs- bis Zehnjährigen von 15 Prozent.

Im krassen Gegensatz dazu das Bild bei den Jugendlichen. Hier spiegelt sich noch der Geburtenknick der vergangenen Jahre wider: Bei den 15- bis 21-Jährigen zeichnet sich ein Minus zwischen 16 und 19 Prozent ab.

Was das bedeutet, zeigte der Referent den Ausschussmitgliedern auf: Einerseits braucht es schon bald wieder mehr Kindergartenplätze und Betreuungsangebote auch fürs Grundschulalter; andererseits blicken die Vereine, die Jugendarbeit betreiben, die Beruflichen Schulen und die ausbildende Wirtschaft auf "dramatische" Lücken in der für sie interessanten Altersgruppe der Heranwachsenden. Generell gelte freilich, vor allem mit Blick auf die wachsende ältere Generation: "Kinder und Jugendliche werden ein knappes Gut. Umso dringender muss man sich um jeden kümmern. Keiner darf verloren gehen."

Wie der Zollernalbkreis bei der Bewältigung des demographischen Wandels im Vergleich zu anderen Landkreisen aufgestellt ist, zeigte Bürger im zweiten Teil seines Vortrags auf. Und hier gab's Lob und Tadel für den Kreis, die Städte und Gemeinden. Lob dafür, dass die Zollernalb bei der Betreuungsquote der unter Dreijährigen seit 2009 deutlich Boden gut gemacht hat. 2014 war jedes vierte U 3-Kind im Kreis betreut. Tadel dagegen für die Entwicklung bei der Ganztagsbetreuung der Drei- bis Sechsjährigen. Hier ist der Landkreis mit einer Betreuungsquote von 10,2 Prozent im Vergleich der Kreise deutlich abgerutscht. Gar einem Abstiegsplatz nahe ist die Zollernalb beim Anteil der Schüler in Ganztagsschulen. 13,7 Prozent seien "eine der niedrigsten Quoten im ganzen Land", stellte der Referent fest. Damit sei "die Zukunftsfähigkeit" des Landkreises "in Frage gestellt".

Sehr gut unterwegs sieht der Mann vom Landesjugendamt die Zollernalb dagegen bei der Schulsozialarbeit. Hier habe man das Angebotsprofil geschärft. Im Landesvergleich bewege sich der Kreis aufs obere Drittel zu. Der Wermutstropfen folgte auf den Fuß: "Bedauerlicherweise" sei der Ausbau der Schulsozialarbeit zu Lasten der offenen Jugendarbeit gegangen.

Einen "ganz starken Handlungsbedarf" sieht Ulrich Bürger resümierend nicht nur im Ausbau der Kindestagesbetreuung, sondern auch bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit junger Leute. 3,3 Prozent der unter 25-Jährigen sind auf der Zollernalb arbeitslos. Das ist die zweitschlechteste Quote aller Landkreise. Und auch beim Anteil der jugendlichen Hartz-IV-Empfänger ist der Zollernalbkreis ins untere Drittel abgerutscht.

Landrat Günther-Martin Pauli stellte abschließend fest: "Wir haben den Ehrgeiz, uns da zu verbessern, wo wir nicht so gut dastehen." Zum Handeln aufgerufen seien aber vor allem die Städte und Gemeinden. Der Landkreis könne "oft nur Anstöße geben."

Konrad Flegr (Grüne) hielt dagegen: Es sei Aufgabe des Landkreises, in der Jugendarbeit auch "zu steuern und zu lenken". Und Ulrich Bürger gab ihm Recht: Bei der Bewältigung des demographischen Wandels nehme die Bedeutung der Landkreise zu. "Kirchturmüberschreitendes" Handeln sei geboten. Vernehmliches Kichern im Publikum. Da fühlte sich mancher an die Krankenhausdebatte erinnert.

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