Tempelbezirk im Römischen Freilichtmuseum soll wieder aufgebaut werden

Ein kompletter Tempelbezirk bei einem römischen Landgut wie in Stein – das ist einzigartig. Deshalb soll die antike Stätte wieder aufgebaut werden.

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  • Der Römische Tempelbezirk aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. soll wieder aufgebaut werden. Das Modell (im Bild) dafür steht schon, jetzt braucht es noch Sponsoren. 1/2
    Der Römische Tempelbezirk aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. soll wieder aufgebaut werden. Das Modell (im Bild) dafür steht schon, jetzt braucht es noch Sponsoren. Foto: 
  • Dr. Klaus Kortüm (links) vom Landesamt für Denkmalpflege erklärt den Fernsehjournalisten, wie der römische Tempelbezirk wiederaufgebaut werden soll. Im Hintergrund ist der Vorsitzende des Fördervereins, Gerd Schollian. 2/2
    Dr. Klaus Kortüm (links) vom Landesamt für Denkmalpflege erklärt den Fernsehjournalisten, wie der römische Tempelbezirk wiederaufgebaut werden soll. Im Hintergrund ist der Vorsitzende des Fördervereins, Gerd Schollian. Foto: 
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Durch ein Mäuerchen, das tief im Wald an einem Hang abzurutschen drohte, stieß Gerd Schollian vor 15 Jahren auf den Tempelbezirk unterhalb der Villa rustica. „Die Überraschung war damals sensationell“, erzählte der Vorsitzende des Fördervereins „Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein“ beim Pressegespräch am Mittwoch. Denn jetzt soll der 1000 Quadratmeter große Tempelbezirk aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. wieder aufgebaut werden – auf Wunsch des Fördervereins und auf Empfehlung des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg in Stuttgart.

„Der gesamte Götterhimmel ist hier vor Ort“, unterstrich Dr. Klaus Kortüm vom Landesamt für Denkmalpflege die Bedeutung des Fundes. Nachgewiesen sind in dem antiken Tempelbereich mindestens zehn kleine Tempel, an eine Umfassungsmauer angebaute Sakralbauten, mehrere zerstörte Götterstatuen und eine Jupitersäule. Einzigartig im süddeutschen Raum sei, dass ein kompletter Tempelbezirk so nah bei einem römischen Landgut positioniert sei. Die Dimension des heiligen Bezirkes mit einer Jupitersäule im Zentrum sei außergewöhnlich. Kortüm schließt deshalb daraus, dass das ländliche Heiligtum in der Antike auch von Menschen außerhalb des Landguts besucht wurde.

Allerdings ging die Bedeutung des Tempelbezirks bislang unter: Da zu weit weg vom Hauptgebäude und außer dem Tempel nur Grundmauern zu sehen, wurde der Bereich vom Publikum nicht so wahrgenommen, wie er es eigentlich wert ist. Das soll sich nun mit dem geplanten Wiederaufbau und einem laut Kortüm „zukunftsfähigen Konzept“ ändern. Der Besucher soll die täglich praktizierte Religionsausübung in der Antike und die Götterverehrung der Römer gut nachvollziehen können. „Wir wollen ein Alleinstellungsmerkmal für die Villa schaffen“, sagte Kortüm. Davon erhofft sich der Förderverein selbstverständlich auch mehr Besucher – über die 20 000 Gäste hinaus, die bisher durchschnittlich von April bis Oktober das Römische Freilichtmuseum in Stein besuchen.

Da es sich bei dem Wiederaufbau um einen Neubau handelt, haben sich Förderverein und Denkmalpflege den Haigerlocher Architekten Stefan Beuter mit ins Boot geholt. Denn: „Ein Neubau muss auch genehmigungsfähig sein“, wie Beuter erklärte. Nachdem er von der „stark fallenden, schwierigen Topografie“ ein dreidimensionales Geländemodell erstellt hatte, wurden die Informationen des Denkmalamtes in die Detailplanung eingearbeitet. Die Experten greifen dabei, um den Wiederaufbau so detailgetreu wie möglich zu gestalten, unter anderem auf besser erhaltene antike Tempelbezirke zurück.

Wenn alles gut läuft, soll im Frühjahr 2017 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Das steht und fällt mit der Finanzierung. Bürgermeisterin Dorothea Bachmann sicherte dem Förderverein zwar zu, dass „die Stadt hinter dem Projekt steht“ und sich um Fördergelder und Zuschüsse bemühen werde. Aber Schollian bedauerte, dass seinem Aufruf für Sponsorengelder an die heimische Industrie und ans Handwerk noch wenig positive Nachrichten gefolgt sind. Der Vorsitzende rechnet mit Kosten von mehr als 100 000 Euro. Selbstverständlich werden sich die Mitglieder des Fördervereins wieder mit Einsatz und Eigenleistung in das Projekt einbringen. Wunschziel für die Fertigstellung des Tempelbezirks ist in fünf Jahren, also 2022.

Ein weiteres mittelfristiges Ziel des Landesamtes für Denkmalpflege ist, die tatsächlichen Ausmaße des römischen Landguts in Stein zu erfassen. Schollian vermutet, dass es auf dem Gelände noch weit mehr zu entdecken gibt, als bisher ausgegraben wurde.

Großes Römerfest am 27. und 28. August

Jubiläum Das 25-jährige Bestehen des Römischen Freilichtmuseums in Stein wird am Wochenende 27. und 28. August beim Römerfest gefeiert.

 

Akteure Die Kelten werden beim Römerfest durch die Sippe „Risuiava“ vom Heidengraben und eine aus 15 Teilnehmern bestehende Gruppe der „Schlamaunlli“ aus Stams/Tirol, die mit einer „Scorpio“-Schleuderwaffe auftreten, repräsentiert. Außerdem sind die Sippe der „Tigurini-Celtoi“ und die „Carnyx“ mit von der Partie. Die „LEG prima Italica“ wird samt Gladiatoren mit etwa 40 Personen aus Brescia anreisen. Der „Mithraskult“, eine aus Persien ins Römische Reich gebrachte Religion, wird in Vorführungen gezeigt. Die Alamannen treten wieder mit mehreren Sippen an.

 

Start Neues ergänzt das an beiden Tagen um 10 Uhr beginnende Programm, das jeweils gegen 17 Uhr beendet wird. Für Speis und Trank ist gesorgt.

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