Sternlesmarkt steht auf der Kippe

An Überraschungen mangelte es bei der Hauptversammlung des Stadtmarketingvereins nicht: Ein Grundversorger soll echtes Interesse an der Innenstadt haben - und der Verein kein Geld mehr für den Sternlesmarkt.

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Rainer Weith (links) stellte bei der Hauptversammlung des Stadtmarketingvereins das Konzept für einen Hechinger Einkaufsgutschein vor. Foto: Sabine Hegele

"Euphorisch, mit viel Hoffnung und Elan" hat Martin Keidel im vergangenen Herbst das Amt des Vorsitzenden des Hechinger Stadtmarketingvereins angetreten. Inzwischen, berichtete er am Dienstagabend bei der Hauptversammlung im "Kaiser" in Boll, sei er "auf dem Boden der Tatsachen" gelandet. Der Verein, findet er, stecke in einer "Eventfalle", die wenig Raum für neue Ideen und Entwicklungen lasse. Doch genau die brauche Hechingen. Rettungslos in die "Eventfalle" getappt ist Martin Keidel aber offenkundig noch nicht.

So berichtete er den Mitgliedern von einem Grundversorger, der echtes Interesse daran habe, sich in der Innenstadt anzusiedeln. In den nächsten Wochen stünden Gespräche mit diesem "regionalen Betreiber" an - der bereits mehrere Geschäfte in der Umgebung führt.

Und noch was hat der Stadtmarketingverein in der "Pipeline": Er denkt über ein Werbesystem für Hechingen nach - mit dem künftig an markanten Punkten der Stadt auf Veranstaltungen hingewiesen werden soll. Parallel zu dieser analogen Einrichtung regte Martin Keidel einen digitalen (und auf jeden Fall kostenneutralen) Werbeträger an.

Mit Bedauern vermeldete der Vorsitzende, dass zuletzt sowohl der Lichterglanz als auch der Sternlesmarkt "defizitäre Veranstaltungen" gewesen seien. Während jedoch der Lichterglanz ein Alleinstellungsmerkmal der Zollernstadt ist (und bereits in diesem November um einen Mittelaltermarkt auf dem Areal des Schlossplatzes und drumherum ergänzt werden soll), gelte es, für den Sternlesmarkt auf die Suche nach privaten Investoren zu gehen.

Zwar, so Keidel, habe der Vorstand noch nicht abschließend darüber entschieden, den Hechinger Weihnachtsmarkt zu beerdigen, doch ist er im Haushaltsplan für dieses Jahr bereits mit keinem einzigen Euro mehr berücksichtigt.

Nicht von ungefähr appellierte Geschäftsführer Wolfgang Groth an die Versammlung: "Wir müssen alle gemeinsam was machen, um Hechingen voranzubringen." Ergänzend machte er mit Nachdruck deutlich, dass der Stadtmarketingverein für weit mehr verantwortlich zeichne als für "Hechingen aktiv", den Lichterglanz - oder eben den Sternlesmarkt.

Der Verein begleite oder unterstütze viele weitere Veranstaltungen im Jahreslauf - ohne dass die Bürgerinnen und Bürger darum immer wüssten.

Kassierer Michael Hahn bestätigte die Budgetüberschreitungen vor allem für den Sternlesmarkt und den Lichterglanz im vergangenen Jahr, konnte aber Entwarnung geben: Es gab Sponsoren, die die Mehrausgaben aufgefangen haben. Und ja, bekräftigte Hahn: Im Haushaltsplan 2014 steht für den Sternlesmarkt kein Geld mehr zur Verfügung. Die Vereinsmitglieder nahmen all das kommentarlos zur Kenntnis, ebenso entlasteten sie den Vorstand auf Antrag von Jürgen Weber ("das Stadtmarketing ist eine Innovationszelle") einstimmig.

Positiv aufgenommen wurde zuletzt die Anregung des Vereins, einen Hechinger Einkaufsgutschein aufzulegen - einzulösen in allen Hechinger Geschäften. Rainer Weith verbindet mit diesem Gutschein (wenn die Idee auch nicht neu ist) unter anderem die Hoffnung auf eine bessere Kundenbindung. Nadine Ottenbreit hat das Layout dazu entworfen. Sie attestierte ihrem (fälschungssicheren) Entwurf des Gutscheins einen Wertpapiercharakter.

Bürgermeisterin Dorothea Bachmann findet die Idee gut - und will den Stadtmarketingverein weiterhin nach Kräften unterstützen.

Stadtentwicklung muss verträglich sein

"Sie müssen wissen und darüber entscheiden, wo in Hechingen der Einzelhandel stattfinden soll." Mit diesen deutlichen Worten richtete sich Heike Bartenbach vom Regionalverband Neckar-Alb an die Mitglieder des Stadtmarketingvereins. Sie war nach Boll eingeladen worden, um das regionale Zentren- und Märktekonzept vorzustellen - und die Situation in Hechingen aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang empfahl die Referentin, Hechingen möge den eingeschlagenen Weg weitergehen - im Rahmen seines gesamtstädtischen Entwicklungskonzepts. Dabei müsse klar sein: " Entwicklung kann nicht überall zugleich stattfinden." Sie müsse verträglich sein - wobei Heike Bartenbach einräumte, dass es in der Hechinger Oberstadt (kaum lösbare) Defizite gibt - und das Konkurrenzgebot wahren. Insgesamt attestierte die Referentin dem Stadtmarketingverein: "Noch haben Sie attraktive Geschäfte und Händler - entwickeln Sie das weiter." Zumal Hechingen über eine gute Kaufkraft-Umsatz-Relation verfüge - wenn der Schwerpunkt auch auf dem Lebensmittelbereich liege.

SBS

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