Spontaner Thronfolger König Céphas Bansah aus Ghana besucht Bad Urach

Zwei Stunden lang plauderten Seminarteilnehmer im Haus auf der Alb mit König Céphas Bansah über sein Leben zwischen Thron und Tüv.

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Das Haus auf der Alb verströmt Weltoffenheit: Die Teilnehmer des Seminars haben eine riesige Weltkarte auf dem Boden ausgebreitet und diskutieren angeregt über internationale Zusammenhänge. Doch der Stargast des Seminars der Landeszentrale für politische Bildung zum Thema "Staat" toppt die Bemühungen um Internationalität: Farbenfroh gewandet und üppig geschmückt, schreitet er in den nüchternen Raum, in dem ihn ein bunt gemischtes Grüpplein politisch Interessierter erwartet.

Der majestätische Auftritt gelingt, doch auf die Frage von Ute Coulmann, die das Seminar zusammen mit Michael Haager leitet, ob das seine Dienstkleidung sei, antwortet Céphas Bansah schmunzelnd: "Nein, meine Dienstkleidung ist mein Blaumann." Ein erster Einblick in ein Leben voller Kontraste: Der 67-Jährige ist König der rund 206 000 Einwohner umfassenden Gruppe der Hohoe Gbi Traditional Ghana des Volkes der Ewe im Osten Ghanas. Sein Lebensmittelpunkt indes ist seit vielen Jahren Ludwigshafen, wo er zusammen mit seiner deutschen Frau Gabi eine Autowerkstatt betreibt.

"Es war klar, dass ich nicht auf den Thron komme", erzählt Céphas Bansah. Zwar entstammt er der Königsfamilie, "doch mein Vater hatte zwölf Frauen, und wir waren 70 Geschwister". Also nutzte er die Gelegenheit, die ihm 1970 ein internationales Austauschprogramm bot, kam nach Deutschland und absolvierte eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. Bansah erwarb den Meistertitel, sattelte außerdem noch den KfZ-Mechanikermeister drauf, um sich mit einer Werkstatt selbstständig zu machen und fühlte sich immer wohler. "Deutschland ist so schön, ich habe so viele Freunde", resümiert Bansah.

Als ihn nach dem Tod des Großvaters 1987 doch noch überraschend der Ruf auf den Thron ereilte, weil sein Vater als Linkshänder für die Thronfolge ausfiel, zögerte er keine Sekunde. Dass dieser König sich in vielem von seinen Vorgängern unterscheidet, merkten seine Untertanen spätestens bei der Krönungszeremonie im Jahr 1992: Dieser wohnte ein Kamera-Team des ZDF bei. König Bansahs erste Amtshandlung: eine Spendensammlung in Deutschland, um Wasserpumpen nach Ghana zu transportieren. "Ich war bei Biolek und bei Schreinemakers, und ich habe das Geld zusammenbekommen." Dank des sauberen Wassers reduzierte sich die Kindersterblichkeit im Königreich innerhalb weniger Wochen. Seither pendelt er zwischen Deutschland und Ghana und versucht, mit den Erkenntnissen aus der Wahlheimat die Lebensumstände in seinem Geburtsland zu verbessern.

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