Sonntagsgedanken: Schweigen ist keine Option

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Dorothee Kommer, evangelische Pfarrerin, Haigerloch  Foto: 

Wir feiern 500 Jahre Reformation, und Martin Luther ist in aller Munde. Aber Luther war kein Einzelkämpfer. Wenn er nicht einen großen Kreis an Unterstützerinnen und Unterstützern gehabt hätte, dann hätte die Reformation keine Chance gehabt. Eine davon war Argula von Grumbach. Sie hatte erfahren, dass an der Universität Ingolstadt ein Ketzerprozess geführt wurde gegen einen jungen Studenten, der sich Luthers Ansichten zu eigen gemacht hatte. Dies ließ ihr keine Ruhe, und sie verfasste mehrere Protestschriften gegen dieses Vorgehen der Universität. Der Buchdruck machte es möglich, dass sich diese Schriften schnell verbreiteten und von vielen Menschen gelesen wurden.

Was bewegte diese bayerische Adlige, sich in eine Universitätsangelegenheit einzumischen? Den betroffenen Studenten kannte sie nicht einmal. Als Frau in der damaligen Zeit die Professoren einer Universität zu kritisieren, war ungeheuerlich. Argula von Grumbach musste mit Konsequenzen rechnen. Tatsächlich verlor ihr Mann wegen ihrer Protestschriften seine gut bezahlte Anstellung. Argula hatte damit gerechnet, sogar mit Schlimmerem. Aber sie konnte und wollte nicht schweigen. Es war ein Protest gegen die schweigende Mehrheit. Wenn sonst irgendjemand gegen diesen Unrechtsprozess protestiert hätte, dann hätte sie es nicht für nötig gefunden, dies zu tun: „Nun ich aber in dieser Art keinen Mann sehe, der reden will oder darf, drängt mich der Spruch: Wer mich bekennt vor den Menschen, den bekenne ich auch vor meinem himmlischen Vater. Wer sich meiner schämt und meiner Worte, dessen werde ich mich auch schämen, wenn ich komme in meiner Majestät.“

Der Spruch, den Argula von Grumbach hier zitierte, ist ein Wort von Jesus Christus, nachzulesen in Matthäus 10, 32-33. Sie fühlte sich davon unmittelbar angesprochen. Es hat ihr klargemacht: Wer Jesus nachfolgen will, der darf nicht schweigen, wenn jemandem Unrecht zugefügt wird. Auch dann nicht, wenn alle anderen schweigen. Auch dann nicht, wenn man selbst angefeindet wird, weil man das Unrecht beim Namen nennt. Mich beeindruckt diese Klarheit, die diese Mitstreiterin Martin Luthers gewonnen hat. Ich denke, wir können uns davon eine Scheibe abschneiden – nicht nur im Jahr des Reformationsjubiläums.

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