Russisch zu vier Händen

Mit Klavierwerken zu vier Händen des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin und seiner Zeitgenossen erwiesen Shoko Hayashisaki und Michael Hagemann dem Tonkünstler ihre Reverenz.

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Von merkwürdig dunkler Schönheit ist die Musik Alexander Skrjabins, ein Mysterium des Klanges und der widersprüchlichen Energien. Skrjabin stilisiert sich selbst zum Medium, zum Mittler zwischen Welt und Kosmos und vereint die Kräfte des Guten und Bösen in seinen Konzeptionen. Im Laufe seines Lebens bewegte er sich bei der Suche nach dem eigenen musikalischen Ausdruck auf unbegangenen Pfaden und fand seinen ganz persönlichen Weg aus Tonalität, Expressivität und des Klangfetischis-mus, die er zu einem fein gearbeiteten Geschmeide verband.

Die Künstler Shoko Hayashisaki und Michael Hagemann, die sich intensiv mit diesem Komponisten und seinen Zeitgenossen beschäftigt hatten, eröffneten ihr Konzert in der Villa Eugenia mit dem ersten Satz aus Rimsky-Korsakows Suite "Scheherazade op 35" nach Motiven aus "1001 Nacht", einem ungewöhnlich erfindungsreichen Musikstück, das das Ohr der Zuhörer durch seine schillernde, orientalisierende Harmonik mit allerlei unvertrauten Klangreizen kitzelte.

Alexander Skrjabins Musik erfordert höchste Virtuosität und Gestaltungskraft. Die häufig unterschlagene "Rêverie'"op. 24 (1899), eine raffinierte Miniatur, geriet im Hinblick auf Intensität und Ausarbeitung der Klangprozesse so packend, dass man sich überhaupt keine Gedanken mehr über die angeblich schwere Zugänglichkeit der mystischen Spätwerke zu machen brauchte. Es gelang den Pianisten, die Radikalität von Skrjabins Arbeiten zu verdeutlichen, ohne dass sie dabei die bisweilen immense Klangpracht vernachlässigten. Lento und das Andante der "ersten Sinfonie op 26", respektive der "zweiten Sinfonie op 29", bearbeitet für Klavier zu vier Händen von Alexander Winkler wurden mit ausgesprochen differenziertem Anschlag, großer Sorgfalt und mit viel Gefühl für Details brillant musiziert. Aus der Feder des Holländer Jan Masséus entstammt die farbenreich angelegte "Skriabinade op 60a" mit ihren changierenden harmonischen Hintergründen. Sie war für das Publikum eine Tour d'Horizon durch den musikalischen Kosmos des Alexander Skrjabin.

Sehr selten sind Glasunows fünf Noveletten op.15 im Konzertsaal zu hören. Diese fünf Stücke schrieb der Komponist für die sogenannten "Vendredis", einen wöchentlichen Musik-Salon seines großen Förderers M.P. Belajeff. Die Künstler hatten für ihr Konzert den Walzer daraus ausgewählt, den sie spritzig und temperamentvoll vortrugen. Skrjabins "Dritte Symphonie op. 43" mit dem Beinamen "Le poème divin" markiert Beginn und überschrittenen Höhepunkt des Übergangs von einer spätromantisch-schwelgerischen Tonsprache zur tonikal ungebundenen, geheimnisvollen Spätphase des Komponisten. Shoko Hayashisaki und Michael Hagemann erwiesen sich als kompetente Partner für diese tiefgründige Kompositionskunst, verliehen ihr die interpretatorisch treffende Gestalt. Sehr schön und typisch gelangen die zarten Stellen des langsamen Satzes, in ihrer Vagheit und lasziv-zweideutigen Harmonik sowie die lockenden Vogelrufe.

Die Künstler beendeten ihr bemerkenswertes Konzert mit der "Prélude op 85 Nr1" von Alexander Glasunow und zwei weiteren Zugaben. Unterhaltsam und erhellend waren die begleitenden Informationen von Michael Hagemann über das Leben und Werk der Komponisten.

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