Rumänische Carmina Burana

Das Konzert zugunsten der Dachsanierung der Steiner Kirche wartete mit einer Deutschlandpremiere auf: Der Codex Caioni in der Fassung des rumänischen Komponisten Popovici wurde begeistert aufgenommen.

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Das Kammerorchester unter der Leitung von Franz Metz begeisterte in der St.-Markus-Kirche Stein. Foto: Tanja Marquardt

"Das Warten auf das Kammerorchester hat sich gelohnt", urteilte die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Roswitha Oesterle, nach dem Benefizkonzert zugunsten der Kirchendachsanierung, und die rund 100 Zuhörer, die am späten Nachmittag des Patroziniumssonntags in die St.-Markus-Kirche nach Stein gefunden hatten, waren derselben Meinung.

Das Werk, mit dem das Hechinger Kammerorchester sein Konzert beendete, war eine Deutschlandpremiere. Die Stücke des Codex Caioni in Bearbeitung des rumänischen Komponisten Doru Popovici sind noch nicht einmal verlegt, die Musiker haben aus den Handschriften des Komponisten gespielt.

Der Franziskanermönch, Komponist und Orgelbauer Janos Kájoni (1629-1687) hat zeitgenössische Stücke aus dem deutschen und italienischen Sprachraum sowie populäre rumänische und ungarische Volksmusik für seinen eigenen Gebrauch gesammelt und aufgeschrieben. Dieser Codex Caioni, vergleichbar mit den Carmina Burana, galt lange als verschollen.

Mönche hatten ihn am Ende des Zweiten Weltkriegs beim Herannahen der sowjetischen Truppen eingemauert. Erst 1988 war der Codex wiederentdeckt worden. Popovici, der mit Stockhausen gelernt hat, hat die Stücke zeitgenössisch, ohne ganz eindeutige Ton- und Taktarten, bearbeitet.

"Eine schwierige Kost" hatte Dirigent Dr. Franz Metz vor dem zweiten Teil angekündigt. Doch das Kammerorchester war von dessen Leiterin Andrea Keßler perfekt vorbereitet worden, und das sachkundige Publikum freute sich über die Zugabe, den Bauerntanz der Wallachen, sehr. An der Pauke wurde das Orchester unterstützt vom jungen und begabten Alexander König.

Die Aufführung des Popovici-Werks hat das Publikum Franz Metz zu verdanken. Metz, der das Orchester am Sonntag auf Einladung des Organisators Thomas Bartle dirigiert hat, war bis zum Jahr 2000 Stiftskantor in Hechingen und einst Gründer des Kammerorchesters. Selbst Banater Schwabe, hat er die Aufführung der Werke seiner Landsleute vorgeschlagen. Neben Popovici spielte das Kammerorchester das Divertimento für Streicher und Pauken des Donauschwaben Walter Michael Klepper. Zum Konzert in Stein war sogar der Bruder des Komponisten, Volker Klepper, aus Wien angereist.

Der Beginn des Konzertes hatte indes ganz den Bachs gegolten. Die Fantasie in G-Dur, ein frühes Werk von Johann Sebastian Bach, war die Konzerteröffnung durch Franz Metz als Solist an der Orgel. Noch auf der Empore spielten das Orchester und Metz zusammen das Konzert Es-Dur für Orgel, Streicher und Basso continuo von Carl Philipp Emanuel Bach.

Im Chorraum zeigten die Solistinnen ihre Fähigkeiten. Andrea Keßler, Violine, Ulrike Schaper, Piano, und Alexandra Peters, Flöte, ließen sich auch durch ein kleines Missverständnis mit dem Dirigenten nicht durcheinander bringen und machten das 5. Brandenburgische Konzert zusammen mit dem Orchester zu einem Vergnügen für die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Franz Metz hat zu seiner Freude bei seinem Gastspiel an alter Wirkungsstätte das eine und das andere Gründungsmitglied des Kammerorchesters wieder getroffen, aber beim Dirigieren doch auch in viele jüngere und junge Gesichter geschaut. Sie stehen für eine Weiterführung der guten Konzerttradition Hechingens. "Wenn es das Kammerorchester nicht schon gäbe, müsste man es gründen", stellte Metz fest.

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