Regisseur und Dramaturgin präsentieren „Der Hund begraben“ im Burgtheater

|
Die aus Hechingen stammende Dramaturgin Susanne Bieger und Regisseur Sebastian Stern stellten im Hechinger Kino Burgtheater den Film „Der Hund begraben“ vor und stellten sich den Fragen des Publikums.  Foto: 

Was passiert mit Familien, in denen der Hund die wichtigste Person ist? Diese Frage stellte sich Regisseur Sebastian Stern und entwickelte darauf basierend das Drehbuch für seinen neuen Film „Der Hund begraben“. Das Wort „Person“ wählte Stern am Dienstagabend mit Absicht, denn Hund hat oft mindestens den Stellenwert eines menschlichen Familienmitglieds, wie er dem Publikum im Burg­theater-Kino nach dem Film erklärte. Er und die aus Hechingen stammende Dramaturgin Susanne Bieger gaben Hintergrundinformationen zu den Dreharbeiten und der Geschichte und beantworteten die Fragen der Kinobesucher.

In der schwarz-humorigen Komödie läuft der Familie Waldmann ein Hund zu. „Kurt“ – wie der Musiker Kurt Cobain der Band Nirvana – ruft in Ehefrau Yvonne (Juliane Köhler) mehr Interesse hervor als Mann Hans (Justus von Dohnányi). Was als normale Geschichte beginnt, driftet immer mehr ab in Skurrilität – erst weil Hans den Hund loswerden will, später dann den Eindringling Mike (Georg Friedrich), der ihm die Frau ausspannen will. „Mike hat die gleiche Rolle wie der Hund, nachdem der weg ist, nämlich die des Eindringlings“, erklärte Stern. Schauspieler Dohnányi, der sonst eher exaltierte Rollen spiele, habe die Rolle des Hans mit reduzierten, feinen Mitteln gespielt. Überhaupt sei der Film in seiner nachvollziehbaren ruhigen Ästhetik gelungen, wie ein Kinobesucher anmerkte. Er erinnere ihn an das Kino der 60er-Jahre. Dies bestätigte der Regisseur. Bewusst habe er für den Film eine Patina gewählt, die an Filme aus den 70er-und 80er-Jahren erinnere. Deshalb sei auch nicht mit modernen Steadicams (Schwebestativ) gearbeitet worden, sondern die Kamera auf Schienen positioniert gewesen. Die Folge sind ruhige Bilder und langsame Szenenfolgen. „Die Ruhe hat manchmal mehr Kraft als Hektik“, erklärte Stern.

Besonders interessiert waren die Hechinger Kinobesucher natürlich auch an Susanne Bieger. Die aus Hechingen stammende Dramaturgin machte 1985 Abitur am Wirtschaftsgymnasium, studierte Kulturanthropologie in Arizona und Film mit Schwerpunkt Drehbuch in Los Angeles. Seit 2009 lebt sie in Berlin und betreut dort das Filmfestival „Around the World in 14 Films“. Als freie Autorin und Dramaturgin berät sie Filmprojekte und Verleiher in Sachen Drehbuch. „Das ist vergleichbar mit der Arbeit eines Lektors“, erklärte Su­sanne Bieger. In einem Drehbuch müsste das Paradox ausgeglichen sein, dass der Zuschauer ahnt, was passiert, aber doch überrascht wird, wenn das Erahnte eintritt. Hier unterstütze sie die Autoren. Gerade das Ende eines Films sei wichtig. „Mit welchem Gefühl entlässt man den Zuschauer“ sei die Frage, erklärte der Regisseur. In der „Der Hund begraben“ sei das ein „Spiel mit der Moral“. Schließlich hätten sich Dramaturgin und Regisseur dazu entschieden, die Szene halboffen zu lassen. Obwohl ein Verbrechen verübt wurde, schließt sich das Blätterdach des Waldes wie der „Mantel des Schweigens“.

Info „Der Hund begraben“ läuft im Burgtheater. Vorstellungen sind am Samstag und Sonntag, 8. und 9. April, jeweils um 17 Uhr.

Inhalt Hans verliert seinen Job. Aber was noch schlimmer ist: Seine Frau Yvonne und seine Tochter Laura, die mit ihrem ersten Freund beschäftigt ist, nehmen ihn gar nicht mehr wahr. Vor allem seit ein niedlicher Hund aufgetaucht ist, der von seinen beiden Frauen ins Herz geschlossen wurde. Er ist verzweifelt, wütend, überfährt den Hund. Doch wie bringt er es ihnen bei? Er überredet Mike, eine zwielichtige Zufallsbekanntschaft, den Schuldigen zu spielen. 

Zuschauer Die Kinobesucher erwartet ein Werk, das wie eine kuriose, fein beobachtete Komödie über Familie, Kleinstadt und Hundenarren beginnt – bevor es mit tiefschwarzem Humor kräftig aufdreht. Sebastian Stern porträtiert einen Verlierer, der sich in einem Lügengespinst verheddert. Justus von Dohnányi spielt ihn genial, aber auch das restliche Ensemble unter anderem mit Juliane Köhler als Ehefrau und Georg Friedrich als Mike überzeugt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Essen auf Herd brennt in Mehrfamilienhaus

Die Feuerwehr musste am Mittwochabend zu einem Brand im Borrenbach in Bisingen ausrücken. Auf einem Herd hatte sich ein Feuer entwickelt. weiter lesen