Protestantisches Hohenzollern im Landesmuseum

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Die Ausstellung "Evangelisch in Hohenzollern" besteht vorzugsweise aus Abbildungen auf sogenannten Rollups. So lassen sich über 160 Jahre Geschichte flott auf die Rolle bringen.  Foto: 

Wenn der Balinger Dekan, der maßgeblich am Zustandekommen der flott gemachten Präsentation beteiligt war, nicht da ist, kann der Staatsarchivar schon mal aus dem Nähkästchen plaudern. Das tat Dr. Volker Trugenberger bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ im Hechinger Landesmuseum dann auch in seiner bekannt unterhaltsamen Art. Demnach war man vor lauter Lutherjahr-Beiträgen leicht verzweifelt auf der Suche gewesen, was man denn an interessanten Raritäten aufzubieten hätte – Stichwort „Alleinstellungsmerkmal“, so der Leiter des Sigmaringer Staatsarchivs.

Da kam Hohenzollern wie gerufen, denn das ist 1850 mit dem Besitzwechsel zu Preußen zum Sonderfall geworden: Eine streng katholische Kleinregion, umgeben von Württemberg und Baden, stand urplötzlich unter evangelischer Regentschaft. Dass dies eine immense Reihe an historisch wertvollen Folgeerscheinungen zeitigte, macht die Wanderausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum von Hechingen deutlich. Und das trotz ihrer stark geschichtlichen Prägung auf durchaus kurzweilige Weise.

Vom Dachboden der Dettinger Kirche hat Volker Trugenberger eigenhändig und unter nicht geringem Sicherheitsrisiko eine dort seit Jahren verstaubende Luther-Statue aus Gips geborgen. Sie ziert nun das Faltblatt zur Ausstellung (zusammen mit der Hechinger Johanneskirche und der Burg). Der zu Stein gewordene Reformator freilich wird von den unzähligen Dokumenten und Abbildungen der Ausstellung komplett in den Hintergrund gedrängt. Zusammengekommen sind die gezeigten Stücke, die in der Regel keine Originale sind, aus den ganzen früheren Hohenzollern’schen Landen (einschließlich der drei Exklaven im heutigen evangelischen Dekanat Balingen).

Bedient hat man sich vor allem in den Kirchenarchiven – das Staatsarchiv muss bei Glaubens­utensilien vorzugsweise passen. In Hechingen selbst hat das Landesmuseum eine ganze Menge beigesteuert. Eigentlich hätte die Zollernstadt allein die Wanderausstellung bestücken können, aber es sollte ja flächendeckend sein. Volker Trugenberger nutzte den Dank an Museumsleiterin Helga Ciriello und Stadtarchivar Thomas Jauch für die enorm engagierte Mitarbeit mit einem Appell an die Stadt: Das Hohenzollerische Landesmuseum müsse sich unbedingt in die Gegenwart ausbreiten und seine in Depots versteckten Ausstellungsstücke des 19. und 20. Jahrhunderts der Öffentlichkeit zeigen. Bislang endet die Hechinger Historie im Barock. Platz für den Rest wäre im Alten Schloss mehr als genug da, Geld jedoch weniger.

Der Chef des Staatsarchivs an der Donau steuerte Wissenswertes über das Weh und Werden der Evangelischen im Hohenzollerischen bei. Geprägt war dies einst von der starken und gegenseitigen Abgrenzung zu den Katholiken – die bei der Ausstellungseröffnung sehr zahlreich und mit Dekan Alexander Halter vertreten waren und zeigten, dass die Ökumene längst zu großen Teilen angekommen ist. Doch man war sich früher auch untereinander oft nicht grün: Dass Hechingen die erste evangelische Kirche bekam und nicht Sigmaringen, stieß dort übel auf. War dies vielleicht mit den Jahren passé, so bildeten Mischehen laut Volker Trugenberger lange Zeit ein ganz großes Problem für die Menschen.

Zur Begrüßung hatte im Alten Schloß Bürgermeisterin-Stellvertreter Klaus Jetter (FWV) gesprochen. Ein Grußwort steuerte der Hechinger Pfarrer Herbert Würth bei (siehe Extrakasten).

Info Die Ausstellung logiert bis zum 28. Mai im Landesmuseum. Zu sehen ist sie mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Mehr Informationen unter www.hzl-museum.de. Nächste Stationen sind Haigerloch (22. Juni bis 13. August) und die Burg (15. August bis 31. August).

Standortbestimmung Der Hechinger Pfarrer Herbert Würth nutzte sein Grußwort zur Ausstellungseröffnung für eine nachdenkliche Betrachtung des Titels „Evangelisch in Hohenzollern“. Die Protestanten sind zwischen Donau und Starzel zwar längst nicht mehr in der Diaspora, aber doch noch immer in der Minderheit. Das ficht sie aber nicht wirklich an, ließ der Hechinger Geistliche seine Zuhörer wissen.

Selbstbewusst „Evangelisch in Hohenzollern, sagen wir das selbstbewusst?“ lautete die erste Frage von Herbert Würth, und der beantwortete sie mit einem Ja mit Einschränkung: Spätestens seit 160 Jahren, also seit man preußisch geworden war. Ganz gewiss nicht überheblich sei man in Hohenzollern evangelisch, stellte der Pfarrer fest. Und anbiedernd schon gar nicht. Würth: „Die evangelische Kirche hat aktiv mitgestaltet und ist ein Teil der Gesellschaft.“

Zuversichtlich Rückwärts sind die hohenzollerischen Protestanten trotz aller Gedenkjahresauswüchse ebenfalls nicht. Sie bekennen sich, so befand der Pfarrer, auch zu den dunklen Teilen ihrer Geschichte, widmen sich aber genauso der spannenden Frage, wohin es zukünftig geht mit den Christen. Ein sehr klares Nein gab es zur Frage, ob die Evangelischen in der Region abgrenzend seien. Die Ökumene sei für sie keine Kür, sondern Pflicht, so Herbert Würth. Zuversichtlich sind sie sowieso, die hiesigen Protestanten: „Die Kirche besteht aus engagierten Menschen, die auf die Stimme des guten Hirten hören.“ kle

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