Profis ziehen Amateure mit

Herrlich unaffektierte Profis haben ein immer besser werdendes Hechinger Kammerorchester bei dessen Sommerkonzert am Sonntagabend in der St.-Luzen-Kirche perfekt unterstützt.

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Das Hechinger Kammerorchester und die Solisten präsentierten sich in schönster Harmonie.  Foto: 

Nach dem Konzert haben sich die beiden Solistinnen schnell verabschiedet: Die Kinder warteten daheim darauf, ins Bett gebracht zu werden. Vielleicht hat man am Sonntagabend gehört, dass beide, die Sopranistin Simone Unger-Krystek und die Mezzosopranistin Irina Gulde, Mütter sind, so wahr und tief klang ihre Trauer als Mater Dolorosa in Pergolesis Stabat Mater, dem Requiem der Muttergottes für ihren gekreuzigten Sohn.

Der Text wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert von einem unbekannten Mönch geschrieben und in der Musikgeschichte immer wieder vertont. Stabat Mater gilt als letztes vollendetes Werk des Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (geboren 1710), der mit 26 Jahren 1736 bei Neapel starb. Sein früher Tod machte ihn legendär, und seine Vertonung des Stabat Mater war im 18. Jahrhundert das am häufigsten gedruckte Musikstück.

Dass sich das Hechinger Kammerorchester an ein so beliebtes Werk heran traut - derzeit sind bestimmt zwei Dutzend Einspielungen im Handel - zeigt, dass das Orchester immer weniger Vergleiche fürchten muss. Selbstverständlich wurden die Amateurmusiker perfekt von den Profis unterstützt, die Laienmusiker selbst wurden aber im Großen und Ganzen dem hohen Anspruch der Literatur gerecht.

Diese Weiterentwicklung haben die Musiker sicher auch dem jungen Dirigenten Frederik Straten zu verdanken. Er hat die Streicher diszipliniert im Griff, und sie hören auf ihn, nach jeder Probephase mit dem Studenten der Musikwissenschaften kommen die Einsätze der Streicher präziser. Doch den Zuhörern in der nicht ganz gefüllten Klosterkirche St. Luzen wurde am Sonntagabend noch viel mehr Kirchenmusik geboten als die emotionalen 40 Minuten Stabat Mater.

Den Auftakt des - barocken - Sommerkonzertes machte Bach: der erste Satz der Orchestersuite Nr. 1 g-moll von Johann Bernhard Bach, ein Großcousin von Johann Sebastian. Auch Allessandro Scarlatti hatte eine Stabat Mater geschrieben, am Sonntag aber spielte das Orchester das Konzert in D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo. Als Trompetensolisten hatten die Musiker Sebastian Krystek eingeladen. Er ist derzeit Trompeter an der Badischen Philharmonie in Pforzheim und in der Zollernstadt kein Unbekannter.

Zum Glück für die Zuhörer gibt es private Verbindungen nach Hechingen, so kommen die Zuhörer hier in den Genuss eines absolut perfekten Trompetenspiels. Das Konzert in D-Dur für Trompete, Streicher und Basso Continuo von Georg Philipp Telemann gab es gleich zweimal zu hören: im Konzert und als Zugabe nach einem angemessen begeisterten Schlussapplaus des Publikums.

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