Platanenallee im Jahr 1828 gepflanzt

Eine Originalrechnung aus dem Tübinger Stadtarchiv belegt, dass die Platanenallee 1828 gepflanzt wurde. Davor wurde sie als Viehweide genutzt.

|

Unter den Augen Friedrich Hölderlins wurde sie einst gepflanzt - doch wie alt die Tübinger Platanenallee tatsächlich ist, wusste bislang niemand so genau. Jetzt brachte ein Fund im Tübinger Stadtarchiv das exakte Datum zutage: Die Originalrechnung aus dem Jahr 1828 beweist, dass die Bäume im Januar/Februar 1828 bei der "exotischen Baumschule Hohenheim" für 32 Gulden gekauft und von dort mit weiteren Bäumen nach Tübingen geliefert wurden.

Der Ort, an dem die Platanen gepflanzt wurden, ist leider in der Rechnung nicht überliefert. Es ist aber davon auszugehen, dass dies sofort an der heutigen Stelle geschah. Ende 1828 standen die Platanen bereits, denn zu diesem Zeitpunkt wurden sie in einem weiteren Dokument als "Neue Allee" bezeichnet.

"Tübingen stand damals unter Druck. Es mehrten sich die Stimmen, die eine Verlegung der Universität nach Stuttgart verlangten. Vielen erschien das kleine Universitätsstädtchen als zu eng und provinziell. Es mangelte an Wohnraum, an kulturellen Angeboten und an schön angelegten Spazierwegen", erklärt Stadtarchivar Udo Rauch.

Will man sich heute eine Vorstellung davon machen, wie viel die Platanenallee die Stadt gekostet hat, ist man auf Vergleiche angewiesen. Die Stadtpflegrechnung von 1828, in der alle Ausgaben der Stadt eingetragen wurden, liefert dafür Anhaltspunkte. So erhielt zum Beispiel ein Gemeindeinspektor ein Jahresgehalt von 200 Gulden - also rund das Siebenfache von dem, was die Platanen gekostet hatten. Der Stadtschultheiß bezog sogar ein Jahresgehalt von 1000 Gulden. Die Kosten für die Allee waren also durchaus überschaubar.

Das Wöhrdgelände vor dem Neckartor hatte bis zur Bepflanzung mit der Allee zur Allmende gehört, auf der die Tübinger ihr Vieh weiden durften. Hier musste die Stadt einen Ersatz stellen. Außerdem mussten sich die Stadtoberen mit den einfachen Leuten anlegen, denn die wollten dort lieber weiterhin ihr Vieh zur Weide bringen. Nach Spazierengehen war ihnen weniger zumute.

Die jetzt aufgefundene Rechnung von 1828 wirft noch eine weitere interessante Frage auf, die bislang nicht beantwortet werden kann: Welche Platanenart wurde 1828 tatsächlich gepflanzt? Die Rechnung spricht von "Platanus occidentalis", einer aus Nordamerika stammenden Form. Die Tübinger Fachleute gingen bislang von einer Hybridform aus, die im 17. Jahrhundert aus der Nordamerikanischen Platane und der Morgenländischen Platane gekreuzt wurde. Sollte sich der Beamte 1828 vertan haben? "Eher nicht", meint Udo Rauch. Denn es handelte sich um den späteren königlichen Hofgärtner Johann Ulrich Fischbach.

Landläufig unterscheidet man heute die Arten hauptsächlich an ihrer Blattform. In Nordamerika ist diese dreilappig, im europäischen Süden und Osten siebenlappig. Die Hypridform liegt dagegen bei etwa fünf Lappen. Schaut man sich die Blätter in der derzeit grünen Allee an, kommt man nur auf drei Lappen pro Blatt. Hat also Fischbach recht, dann stehen in Tübingen nordamerikanische Bäume. Aufklärung wird es demnächst geben. Die Universität Hohenheim hat sich bereit erklärt, eine DNA-Analyse zu machen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Junger Autofahrer stirbt bei schwerem Unfall in Zillhausen

Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Pfeffingen und Zillhausen ist am späten Sonntagabend ein 26-jähriger Mann ums Leben gekommen. weiter lesen