Pferdehaltung wirft kaum was ab

Etwa 50 Pensionsstallbetreiber und Pferdebesitzer sind nach Boll gekommen, um sich von Fachleuten über Weide- und Betriebsmanagement informieren zu lassen und um den ersten Pferdereport des Landes kennen zu lernen.

|

Eigentlich haben es alle schon gewusst oder geahnt: Mit Pferdehaltung ist nur schwer ordentlich Geld zu verdienen. Dr. Volker Segger von der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) hat nun den ersten Pferdereport Baden-Württemberg vorgestellt, in dem die wirtschaftliche Situation von 38 Pensionspferdebetrieben durchleuchtet wird.

Und tatsächlich zeigt diese Studie, dass Gewinne in einem Betrieb mit reiner Pferdehaltung gering ausfallen. Landwirtschaftliche Betriebe, die als zweites Standbein eine große Flächenausstattung, vor allem mit Ackerflächen haben, erzielen hingegen höhere Gewinne. Dabei gibt es keine direkte Korrelation zwischen der Anzahl der gehaltenen Pensionspferde und dem Gewinn, und erstaunlicherweise verdienen Betreiber von Pensionspferdebetrieben im ländlichen Raum besser, als ihre Kollegen in Ballungsgebieten, obschon dort die Stallmieten deutlich höher sind.

Das liegt, so haben die Macher der Studie - neben dem LEL waren Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen beteiligt - an den höheren Festkosten dieser Betriebe, also an höheren Pachten, Abschreibungen und Zinsen.

Im Zollernalbkreis halten 18 bis 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Pferde. Das ist weniger als beispielsweise im Karlsruher Raum, wo 22 Prozent Pferde halten. Der Referent ist sicher, dass "das sehr ernüchternde Bild über die wirtschaftliche Lage der Pensionspferdehaltung" auch an der großen Konkurrenz liegt: "Zu viele haben das Wohl in der Pferdehaltung gesucht in den letzten zehn Jahren". Er schlägt den Betreibern vor, durch ein umfangreiches Zusatzangebot ihr Einkommen zu steigern. Und noch einen Tipp hat er: "Ohne Fläche geht es nicht." Damit ist vor allem Ackerland, nicht nur die Weidefläche gemeint.

Um die Pflege der Weidefläche ging es dann auch beim zweiten Vortrag der Winterversammlung des Pferdezuchtvereins Zollernalb und des Landwirtschaftsamtes. Als Referenten hatte Ute Schneider vom Landwirtschaftsamt Uwe Nuss eingeladen. Und der machte gleich zu Anfang deutlich: die beste Weidepflege ist ein befestigter Auslauf. "Es geht hier um ein Steppentier, für das genügend Auslauf unerlässlich ist." Weil in unseren Breiten das Weideland aber wegen der vielen Nässe von den Pferden schnell zerstört wird, ist für den Pflanzenschutzberater und Pferdebesitzer Uwe Nuss ein gut drainagierter, großer, befestigter Auslauf Pflicht für jeden Pensionsbetrieb.

Auf einer Koppel selber dürfe kein Heu gemacht werden, die Infektionsgefahr durch Wurmlarven sei viel zu groß, warnt er. "Wir haben in der Regel viel zu wenig Weidefläche", was die Gefahr einer Überweidung birgt. Die Koppeln sollten zwei Mal im Jahr nachgemäht werden, um unerwünschten Bewuchs einzudämmen. Und: "Wann haben Sie das letzte Mal eine Bodenprobe machen lassen?", will er von den Stallbesitzern wissen.

Düngen nach Gefühl sei rausgeworfenes Geld. Düngen nach Bedarf jedoch - und das bitte mit einem Mineraldünger, der langfristig löslich ist - erhält eine dichte Grasnarbe und die Koppel gesund für gesunde Pferde.

Und was ist mit dem Pferdemist? Der gehört abgelagert aufs Ackerland, so der Wissenschaftler, dafür seien die Inhaltsstoffe geeignet, nicht jedoch auf die Pferdekoppel. Die Düngewirksamkeit auf einer Weide ist gering, und die Pferde nehmen die Wurmlarven, die sie einst ausgeschieden haben, wieder auf.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Messe Visionen 2017: Firmen suchen Auszubildende

Landrat Günther-Martin Pauli hat am Donnerstagmorgen die dreitägige Ausbildungsmesse Visionen in der Balinger Volksbankmesse eröffnet. weiter lesen