Paul Schobel hält in Bildungshaus Plädoyer für gerechte Wirtschaft

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Paul Schobel sprach im Bildungshaus über die „Ökonomie des Teilens“.  Foto: 

Auf großes Interesse stieß am Dienstag der vom Caritasverband Zollern und dem Bildungshaus St. Luzen veranstaltete Vortragsabend. Caritas-Geschäftsführer Elmar Schubert freute sich, mit Paul Schobel einen erfahrenen Seelsorger begrüßen zu können, der sich als „sichtbare Speerspitze der katholischen Soziallehre in Baden-Württemberg“ seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt. Als ehemaliger Industrie­pfarrer sei er lange Jahre Ansprechpartner für viele Werk­tätige gewesen, habe unermüdlich für den Erhalt von Arbeitsplätzen gekämpft.

Ein Kampf, den der heute 78-Jährige immer noch mit viel Elan und Engagement weiterführt. „Ich glaube, dass wir die Dinge in der Welt gestalten können“, rief er zum Optimismus auf. Anpacken um zu ändern ist sein Credo.

„Diese Wirtschaft tötet“, sei eine Aussage von Papst Franziskus, die aufhorchen lasse. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe den Kapitalismus als eine Wirtschaft des Ausschließens definiert, in der das Gesetz des Stärkeren gelte und die Ausgeschlossenen wie Müll behandelt würden. „Für mich ist der pure Kapitalismus nicht haltbar“, stellte Paul Schobel klar. Menschliche Arbeit werde darin instrumentalisiert, ihr Wert nicht mehr wahrgenommen. Sie sei nur noch Kostenfaktor; das Kapital stehe über der Arbeit. Doch nicht nur am Menschen, auch an der Natur versündige sich der Kapitalismus. „Die Arbeit muss unter zwei Prämissen stehen: Bebauen und Bewahren“, mahnte Schobel. Eine soziale, ökologische und nachhaltige Marktwirtschaft müsse dringend her.

Die Politik der Deregulierung habe dem Markt alle Macht überlassen. Dabei bedeute Wirtschaft in ihrem ursprünglichen Sinne eigentlich nichts anderes, als das Gemeinwohl voranzubringen. „Es geht um das Wohl aller, unter Miteinbeziehung aller.“ Die Wirtschaft müsse wieder in ihre dienende Funktion zurückgedrängt, Egoismus und Gier überwunden werden. „Früher galt Gier als eine Todsünde“, mahnte der Priester. „Dass viele Menschen auf der Welt hungern, ist kein Knappheitsproblem, sondern ein Verteilungsproblem.“

Soziale Ungerechtigkeit

Auch in Deutschland gebe es soziale Ungerechtigkeit. Dies zeige die eklatante Ungleichverteilung der Gehälter. „Auf der einen Seite schamlose Managergehälter, auf der anderen Mindestlöhne – solche Unterschiede kann man nicht mehr mit Leistung begründen“, konstatierte Schobel. Die immense Schrägverteilung der Güter und Ressourcen auf der Welt bleibe nicht ohne Folgen. „Die Armen der Welt schauen nicht länger zu, sie werden sich ihren Teil vom Kuchen holen.“ Das sei eine verständliche und logische Konsequenz. Die Flüchtlingsströme sind für Schobel erst der Anfang. „Wir haben nur noch ein Spiel frei. Entweder wir lernen das Teilen, oder wir sind nicht mehr zu retten“, ist er sich sicher: Von einer Ökonomie des Habens müsse man zu einer Ökonomie des Teilens gelangen. Doch was kann jeder Einzelne dafür tun? „Wir müssen unseren Lebensstil ändern“, ist Schobel überzeugt. „Wir müssen uns bewusst machen, dass unser Lebensglück vom Miteinander abhängt.“ Nachhaltiges und faires Einkaufen, weniger Fleischkonsum und die Überprüfung der eigenen Mobilität seien nötig. Selbst bei Geldanlagen sei ethisches Handeln möglich. „Teilen Sie das Kostbarste, das Sie haben: Ihre Lebenszeit“, appellierte Schobel.

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