Passion mit Passion

Ein wie aus einem Guss geformtes Konzert in der Stiftskirche läutete den Beginn der Karwoche ein. Das Programm versammelte große Orgel- und Vokalwerke der Renaissance, des Barock und der Romantik.

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Die Mezzosopranistein Irina Gulde wurde von Stiftskantor Mario Peters an der Orgel begleitet.  Foto: 

Eine anspruchsvolle, hochinteressante Melange aus etablierter Orgelliteratur und hörenswerten Raritäten präsentierten die Mezzosopranistein Irina Gulde und der Stiftskantor und Organist Mario Peters mit ihrem Konzert am Palmsonntag den zahlreichen Zuhörern in der Stiftskirche. Texte von Pfarrer Gabriel Maiwald bereicherten das Programm.

Eröffnet wurde die musikalische Darbietung von Alessandro Stradellas berühmter Arie "Pietá Signore", die in atmosphärischer Dichte Altarraum und Kirche erfüllte. Kontrastreich, mit einer Fülle virtuoser Elemente erklang der "Choral in a-moll" aus der Feder des französischen Komponisten und Organisten César Franck (1822 - 1890). Einfühlsam, in stringenter Dramaturgie und leuchtenden Farben führte Peters durch dieses musikalisch spannende, vielschichtige Werk mit all seinen schwierigen Läufen und interpretierte die Vorgaben des Tonschöpfers mit tadelloser Artikulation.

Rossinis "kleine" Messe ganz groß! Rossini schrieb über dieses Werk in einer ironischen Widmung an den "lieben Gott": "Hier ist sie, die arme kleine Messe. Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bißchen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies." Gemäß der prachtvoll ausgestatteten Tonsprache Gioachino Antonio Rossinis (1792 - 1868), gestaltete Irina Gulde, stimmlich reich bedacht, die Arie der Messe "Agnus Dei" mit leichten Verzierungen, eleganter Tongebung und leuchtendem Timbre: Wie aus dem Nichts kommend, leicht und schwebend ertönte ein inniges "O salutaris hostia".

Mit bestechender Pedal- und Fingerakrobatik leuchtete Peters Finessen und Zauber von Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 aus.

Durch die harmonischen Wagnisse, die Bach in der Fantasie eingeht, steht dieses Großwerk für die Orgel selbst unter seinesgleichen einsam da. Ihre Expressivmelodik wird unterbrochen durch Fugati; an das zweite Fugato aber schließt sich harmonisches Geschehen an, das bis an atonale Grenzen reicht.

Den mitreißend strömende Fluss der Musik, die toccatenartig verzahnten Sprungelemente mit ihren harmonischen Kühnheiten, die thematische Eleganz der Fugen-Verspieltheit, die Steigerung der großartigen Bachschen Klangarchitektur zum "Stylus phantasticus" brachte Peters mit Esprit, spannungsgeladener Dynamik sowie präziser gestalterischer Linie und Artikulation imponierend und technisch souverän zum Ausdruck.

Mit größter Konzentration und perfekter Stimmkontrolle intonierte die Mezzosopranistin die Arie "Erbarme Dich" (Matthäuspassion). Ihre wunderbar warm timbrierte, schattierungsreiche, makellose Stimme vertiefte sich andachtsvoll und mit heiligem Ernst in Musik und Text.

Was Gabriel Fauré an melancholisch-schwebender Grazie, atmosphärischer Zartheit und Gelöstheit in seinem Requiem schuf, sucht unter den Totenmessen seinesgleichen. Die Zuhörer glaubten am Schluss des Konzerts geradezu Engelszungen zu vernehmen, so entrückt wurden die Toten - quasi mit einem Lächeln auf den Lippen, befreit von allen irdischen Beschwernissen - "In paradisum" (Arie) geführt.

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