Opa geht zum Film

Der frühere Besitzer des Cafés am Markt in Bad Urach hat bald 80-jährig eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Die hat mit Film und Fotografie zu tun, was für sein markantes Gesicht wie geschaffen ist.

|
Kurt Schwaderer mimt in einem Film fürs Land den fitten Opa. Foto: Peter Kiedaisch

Als die Inhaberin einer Tübinger Agentur, Brigitte Hofmann, für die Serie "Fuchs und Gans" im vergangenen Jahr nach Bad Urach zum Casting einlud, interessierte sich auch ein Enkel des bald 80-jährigen früheren Caféhaus-Besitzers Kurt Schwaderer für die glitzernde Welt des Fernsehens. "Komm Opa", hat er den rüstigen Senior aufgefordert, "wir gehen zum Film."

Das Casting damals verlief eher ernüchternd. Jedenfalls für den damals 13-jährigen Enkel. Für Kurt Schwaderer, der, wie er sich heute erinnert, nur mitging, weil er dachte, es gäbe vielleicht etwas für Opa und Enkel zusammen, schien auf die Produktionsfirma einen guten Eindruck gemacht zu haben. Jedenfalls erhielt er von Brigitte Hofmann einen Anruf. Er sei in der engeren Auswahl.

Sollten die vom Film gedacht haben, er, der bald 80-Jährige, wäre unsicher auf den Beinen? Vermutlich war er früher schon mal schneller, aber für drei Mal wöchentlich Tennis spielen reichts allemal, insofern dürften auch die Anforderungen der Filmcrews zu bewältigen sein. Waren sie auch, und einige Tage später erhielt er eine Nachricht: "Koffer packen, ab nach Ludwigsburg."

Die Tage dort hat Schwaderer in schöner Erinnerung. Die Übernachtungen im Hotel wurden ihm bezahlt, und für die Aufnahmen "musste ich nicht viel tun". Er spielt in dem wenige Minuten kurzen Trailer den Opa. Mit seiner Filmtochter und den zwei Enkeln steht er im Garten seines kubischen Einfamilienhauses, während der Schwiegersohn das Familienidyll fotografiert und plötzlich ein Außerirdischer neben ihnen auf dem gepflegten, grünen Rasen steht. Die Regieanweisung sah an dem Punkt vor, "dass ich nur dumm gucken musste", sagt Schwaderer. Und später durfte er noch in der Wohnung Staub saugen, wofür ihn die Film-Crew lobte, denn diese Tätigkeit ging ihm auffallend leicht von der Hand: "Kein Wunder", sagt Schwaderer, "das mache ich daheim ja jeden Tag." Er nimmt also den Staubsauger, hebt das Sofa im Wohnzimmer am Fußende hoch und saugt auch da, wo das Sonnenlicht nie scheint. Typisch schwäbisch eben, was ja auch Sinn und Zweck dieses Image-Filmchens sein soll.

Der Trailer heißt "Baden-Württemberg, das erste Land mit Zufriedenheitsgarantie" und lief vor einem halben Jahr sechs Wochen lang bundesweit vor den eigentlichen Filmen in den deutschen Kinos. Auch im Forum 22 in Bad Urach lachte Kurt Schwaderer von der Leinwand ins Publikum.

Ein anderer Fast-Uracher, Andreas Schüle, der in Dettingen wohnt, in der Kurstadt vor Jahren Kulturamtsleiter war und inzwischen im Staatsministerium das Referat Landesmarketing leitet, erinnert sich noch genau an den Film. "Eine witzige Idee, die gut ankam." Immerhin garantiert das Land jedem Neueinwohner den Umzug zurück in seine Heimat zu bezahlen, sofern es ihm in Baden-Württemberg nicht gefallen sollte.

In einem anderen Film spielt Schwaderer, wie er selbst sagt, "mit einer alten Oma" Scrabbel, wobei aus den Legesteinchen das Wort "Baden-Württemberg" entsteht, allerdings hinten mit "k" geschrieben. Dieser 15-minütige Film ist allerdings nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen, sagt Andreas Schüle, sondern soll im Ausland den Bekanntheitsgrad des Landes Baden-Württemberg erhöhen. Kürzlich hat ihn Ministerpräsident Winfried Kretschmann während seines Asienbesuchs in Japan und Südkorea an hochrangige Vertreter beider Länder verteilt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Mafia-Verbindung nicht nachweisbar

Zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte die Große Jugendkammer des Landgerichts Hechingen den 22-jährigen Italiener, der Umut K. erschoss. weiter lesen