Onser Vaddr em Hemmel

Das Vater unser wurde zum Vaddr onser, und es funktionierte: Zum 25-jährigen Jubiläum der Reihe "Schwäbisch gschwätzt ond gsonga" gab es den ersten Mundartgottesdienst in der St.-Luzen-Kirche.

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Schwäbisch geht auch in der Kirche: Barny von "Heilix Blechle" studiert mit den Besuchern einen Kanon ein.  Foto: 

"Im Namen vom Vaddr, vom Soh ond vom Haeliga Geascht." So sprach Diakon Franz Haueisen zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes in St. Luzen. Zur 25. Folge der Erfolgsreihe "Schwäbisch gschwätzt ond gsonga" wurde zum ersten Mal in Hechingen ein schwäbischer Mundartgottesdienst gefeiert. Zelebriert wurde er von Diakon Haueisen und dem evangelischen Pfarrer Rudolf Paul, der 2008 die Bibel auf Schwäbisch herausbrachte. Bereits in den Siebzigern hatte Paul das Matthäus-Evangelium ins Schwäbische übersetzt und damit einen Riesenerfolg gelandet.

Viele Besucher hatten sich in der St.-Luzen-Kirche eingefunden, um zusammen "schwäbischa Kirch" zu feiern. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Bläserquartett "Heilix Blechle", das auch am Nachmittag mit von der Partie war.

Auch wenn es anfangs etwas ungewohnt sei, Gebete auf Schwäbisch zu sprechen, so dürfe man nicht vergessen, dass das Schwäbische die erste Sprache gewesen sei, die man als Kind gelernt habe, sagte Diakon Haueisen. So habe man sich bei der Mutter auch auf Schwäbisch beklagt - und nicht in einer Fremdsprache, dem Hochdeutschen. Während das Schwäbische in Literatur und Musik oftmals derb komisch daherkomme, wirke es in einem kirchlichen Rahmen eher herzlich und bodenständig. Aber es sei gar nicht so einfach, "onser Vaddr em Hemmel, du bisch haelig, älla Menscha sollat dir d'Ehr geba" zu beten, hörte man in der Kirche munkeln.

Gefallen hat es dennoch: Die Gottesdienstbesucher fanden es richtig erfrischend, das Evangelium nach Johannes einmal in Mundart zu hören. Im Grunde war eigentlich alles fast wie in einem ganz normalen Gottesdienst, aber eben nur fast. So wird am Schluss eines schwäbischen Gottesdienstes aus "gehet hin in Frieden", ganz flapsig ein "ade Mitnander".

Doch "ade" hieß es für die Anhänger von "Schwäbisch gschwätzt ond gsonga" noch lange nicht: Am Nachmittag ging es im Bildungshaus mit der Jubiläumsausgabe der ältesten Mundartveranstaltung im Landkreis weiter. Werner Gaus, Initiator und Kopf der Reihe, blickte zurück auf 1991, als das Erfolgskonzept seinen Lauf nahm. Es ging einher mit der Gründung der Volksmusikgruppe "Die sieben Schwaben", für die Gaus die Texte schrieb. Mit Wolfgang Arnold, dem damaligen Leiter des Bildungshauses, fanden sie schnell einen Förderer und mit dem Saal des Bildungshauses eine Bühne. Auch nach 25 Jahren ist "Schwäbisch gschwätzt ond gsonga" beliebt wie eh und je, was am voll besetzten Saal zu erkennen war. Grüße und Lob zum Jubiläum gab es für Werner Gaus von Sylvia Sanktjohanser, der Hechinger Kulturreferentin. Neben Musik von "Heilix Blechle", gab es Kabarett mit Klaus Birk.

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