Neue Modelle fürs Alter Jungingen sucht Lösungen für eine Seniorenbetreuung vor Ort

Auch in Jungingen weist die Statistik auf eine Überalterung der Bevölkerung hin. Der Gemeinderat sucht nach geeigneten Modellen, um eine Seniorenbetreuung vor Ort anbieten zu können.

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Eberhard Wiget, Sozialdezernent am Landratsamt Zollernalbkreis, informierte den Junginger Gemeinderat gestern Abend über mögliche Versorgungsangebote für Senioren. Die Zahlen, die Wiget vorlegte, belegen, dass auch die 1500-Einwohner-Gemeinde Jungingen vom demographischen Wandel nicht verschont bleibt. Die Statistik prognostiziert eine rückläufige Einwohnerzahl. Gleichzeitig wächst der Anteil der über 60-Jährigen.

Wiget legte auch die Kreispflegeplanung bis zum Jahr 2020 dar, nach der die Versorgung im Landkreis gut aufgestellt ist. "Wir haben eine gute dezentrale Struktur mit vorwiegend mittelgroßen und kleinen Häusern", so Wiget. Die Dauer-, Kurzzeit- und Tagespflegeplätze entsprächen den Planzahlen. Auch innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Hechingen-Rangendingen-Jungingen mit derzeit 209 Vollzeit-, zehn Kurzzeit und 25 Tagespflegeplätzen müsse die nächsten fünf Jahre nur geringfügig nachgebessert werden.

"Rundum gibt es viele Einrichtungen", bestätigte Gemeinderat Martin Weinschenk, "nur Jungingen hat gar nichts". Ältere Einwohner hätten, wenn sie auf Betreuung oder Pflege angewiesen sind, keine Möglichkeit, in der Gemeinde zu bleiben.

Das Thema ist nicht neu. Vor Jahren sei es in einer Klausursitzung des Gemeinderats breit diskutiert worden, erklärte Bürgermeister Harry Frick. Er habe mehrere Gespräche mit verschiedenen Trägern geführt. Fazit: "Ein Pflegeheim werden wir nicht hinkriegen", so Frick. Interesse bestehe "nur ab 40 Plätzen aufwärts". Sozialdezernent Wiget bestätigte: "Ein Pflegeheim nur zehn Plätzen ist betriebswirtschaftlicher Unsinn".

Also geht es um die Suche nach Alternativen. Und die gibt es zunehmend. Betreutes Wohnen, Mehrgenerationenhäuser und Senioren-WGs sind Modelle, die in immer mehr, auch kleineren Gemeinden angeboten, und künftig über das neue Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) auch staatlich gefördert werden. Wiget riet dem Junginger Gemeinderat, in einem ersten Schritt das Interesse an Betreuungseinrichtungen innerhalb der Bevölkerung durch eine Umfrage auszuloten. Dann könnte man weitere Informationen über verschiedene Betreuungsmodelle einholen. Mit "ganz aktuellen Überlegungen" warte der neue Arbeitskreis Wohn- und Pflegegemeinschaften im Zollernalbkreis auf. Der AK setzt sich für die Ausweitung gemeinschaftlicher Pflege-Wohnformen im häuslichen Bereich ein, mit dem Ziel, pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen eine ambulante Wohnform anzubieten, ohne auf Gesellschaft und Selbstbestimmung verzichten zu müssen. Der AK, der sich aus multiprofessionellen Mitgliedern zusammensetzt, möchte regionale Strukturen aufbauen und bietet Kommunen wie auch Interessierten in der Umsetzung von Wohn- und Pflegegemeinschaften Beratung an.

Diesen Weg will die Gemeinde jetzt gehen. Es sollen "belastbare Zahlen" zumindest "grob abgesteckt" werden und Bürgermeister Frick will mit dem AK Wohn- und Pflegegemeinschaften Kontakt aufnehmen. Aber Frick weiß auch: Obwohl in der Gemeinde viele Häuser nur noch von einer Person bewohnt seien, sei die Bereitschaft, im Alter das eigene Heim zu verlassen, sehr niedrig.

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