Narrhalla ist ihm eine Herzenssache

"Wir starten neu, bei null" - sagt kein Geringerer als Jochen Schrödter. Ja, der einstige Zunftmeister der Narrhalla gehört mit zum Team, dem die Wiederbelebung der Hechinger Zunft eine Herzenssache ist.

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"Die Hechinger Narrhalla liegt am Boden - und bittet um Hilfe." Diese Schlagzeile (in der HZ) sorgte im vergangenen November für Wirbel - und in der Folge für eine Welle der Hilfsbereitschaft. Inzwischen gehören nicht nur Landschaftsvertreter Peter Stiegler und dessen Stellvertreterin Doris Laubis von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte dem erst jüngst kommissarisch komplettierten Zunftrat an - sondern auch ein Mann mit langjähriger Narrhalla-Erfahrung: Jochen Schrödter.

Die Zunft sei auf ihn zugekommen, sagt der heute 78-Jährige. Und das nicht ohne Grund, schließlich hatte er die Althistorische Narrenzunft als Zunftmeister ab 1979 (bis 1995) schon einmal aus der Versenkung heraus in äußerst erfolgreiche Narrenjahre geführt. In den 80er- und 90er-Jahren, da erlebte die Narrhalla ihre größte Blüte, war sie personell wie finanziell prima aufgestellt.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Zehrten die Narrhallesen zunächst noch von den "fetten Jahren", vollzog sich der Zerfall der Zunft zuletzt nicht mehr schleichend. Spätestens seit der letztjährigen Fasnet waren die Auflösungserscheinungen offensichtlich. Auch für Jochen Schrödter, der die Fünfte Jahreszeit (2013) in Hechingen ganz bewusst und sehr aufmerksam beobachtete - und zu dem traurigen Schluss kam: Das geht nicht mehr lange gut. Er sollte Recht behalten - leider. Doch der 78-Jährige ist keiner, der schadenfroh mit dem Finger auf die Gescheiterten zeigt. Ganz im Gegenteil: Weil er der Narrhalla emotional immer eng verbunden geblieben ist, will er mithelfen, sie wieder auf ein gesundes Fundament zu stellen.

Dabei sieht sich Jochen Schrödter in der Rolle des Vermittlers - beispielsweise alter und neuer Kontakte. Denn, sagt der frühere Zunftmeister: "Wir hatten noch einen Background, wir hatten Sponsoren." Und heute? Fehlanzeige.

So also hat es sich Schrödter in der "Akutphase" (= die aktuelle Saison) zur Aufgabe gemacht, zumindest den Preisball zu einem Erfolg zu führen. Dazu scheut er auch die Kontaktaufnahme zu "alten", längst nicht mehr aktiven Narrhallesen nicht: "In so einer prekären Situation muss man in Hechingen doch zusammenhalten", findet der 78-Jährige - und ist sich selbst zum Klinkenputzen nicht zu schade. Was die Narrhalla seiner Meinung nach für einen aussichtsreichen Neuanfang braucht? Allem voran eine ausgeglichene Mischung aus jungen und erfahrenen Mitgliedern - und Aktiven, die sich ihrer Repräsentationspflichten auch bewusst sind. Sowie natürlich Sponsoren.

Was er der Narrhalla, die heute kaum mehr 30 Hästräger zählt, mittelfristig wünscht? Dass sie wieder zu einem "respektierten Partner in der Landschaft wird". Kein leichtes Unterfangen, das weiß auch Jochen Schrödter, doch er stellt sich der Herausforderung - und das gerne! "Aus Liebe" zur Narrhalla - und weil er als Rentner auch die Zeit hat, sich seinen Aufgaben intensiv zu widmen. Natürlich erfährt er dabei engagierte Unterstützung. Seit der vergangenen Woche zählt schließlich nicht nur er zum kommissarisch komplettierten Zunftrat.

Ergänzt wird das Gremium um je einen Vertreter für die Butzen, die Schalksnarren und die Alten sowie zwei Vertreter für die Lumpenmusik; zusätzlich gibt es einen Zeugwart und einen Zeremonienmeister. In der Summe verteilen sich die Geschäfte auf 15 Narren - aus dem alten Zunftrat sind noch vier Mitglieder dabei. Sie alle wissen um ihre große Verantwortung, auch die anstehenden Aufgaben sie klar verteilt. Jochen Schrödter bemüht in diesem Zusammenhang gerne das Stichwort Stellenbeschreibung - einfach weil es wichtig sei, dass Zuständigkeiten klar zugeordnet sind. Dabei konzentriert sich in dieser Saison das Bemühen aller verbliebener Narrhallesen auf die Fasnet in der Zollernstadt, auf die Tage vom Auseliga Dauschteg bis zum Aschermittwoch. Denn obwohl personell wie finanziell äußerst geschwächt, haben sie sich vorgenommen, an all ihren Veranstaltungen festzuhalten, nichts ausfallen zu lassen.

Das verdient Anerkennung und Respekt, findet nicht nur Jochen Schrödter. Und noch etwas: die Unterstützung der Hechinger. Auf die hofft der ehemalige Zunftmeister vor allem auch über die laufende Fasnet 2014 hinaus. Er jedenfalls hat sich auf ein längerfristiges (von Erfolg gekröntes!) Engagement bei und für die Hechinger Narrhalla eingerichtet.

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