Nachhaltig mobil machen

Wo drückt Hechingen der Schuh? Das zu erfahren war die Fraktion der Grünen im Landtag gestern in die Zollernstadt gekommen. An ihrer Spitze Verkehrsminister Hermann, der für nachhaltige Mobilität warb.

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Mit ihrer Regionalkonferenz im Hechinger Konstantinsaal des "Museums" feierte die Fraktion der Grünen im Landtag gestern Abend Premiere. Und die Wahl war aus gutem Grund auf die Zollernstadt gefallen: Sie liegt im ländlichen Raum, der, so bekannte die Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann offen, häufig meine, weniger wertgeschätzt zu werden. "Dem ist nicht so", machte sie deutlich. Denn gerade die ländlichen Räume leisteten viel für den Wohlstand Baden-Württembergs. Nicht nur Ballungszentren zu haben - eben das sei die große Stärke des Landes. Diese zu erhalten, dazu brauche es eine intakte Infrastruktur. Nicht von ungefähr, so Sitzmann, würden die Kommunen finanziell gut ausgestattet - und die Grünen wollten auch weiterhin "ein verlässlicher Partner für eine gute Lebensqualität sein". In diesem Zusammenhang verhehlte die Fraktionsvorsitzende nicht, dass im ländlichen Raum beispielsweise in den Bereichen öffentlicher Verkehr oder medizinische Versorgung mehr getan werden müsse.

Ebenso sieht das Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann. Sie machte deutlich, dass der demographische Wandel vor allem die kleinen Kommunen vor große Herausforderungen stelle. Wolle man der Abwanderung der Jugend entgegen wirken, brauche es, die Zollernstadt fest im Blick, einen besseren Ausbau der B27, denn ohne eine gute verkehrliche Anbindung verliere der ländliche Raum an Attraktivität. In diesem Zusammenhang regte sie ein Nachtbuskonzept allem voran für die jungen Erwachsenen an. Weitere wichtige Standortfaktoren nannte sie unter anderem eine gute Breitbandversorgung, eine qualifizierte Kinderbetreuung, ein umfangreiches schulisches Angebot - und eine belebte Innenstadt. Speziell hierfür hofft Dorothea Bachmann auf die Aufnahme ins Landessanierungsprogramm. Auch machte sie deutlich, dass man gewachsene Strukturen beziehungsweise zentrale Einrichtungen im ländlichen Raum belassen sollte.

Landrat Günther-Martin Pauli wertete die Regionalkonferenz in Hechingen als Signal der Grünen, sich wirklich für den ländlichen Raum stark machen zu wollen. Für den Zollernalbkreis warb er unter anderem mit einem "guten Industrie-Mix" und dem Bestreben, im Energiebereich "Vorreiter" sein zu wollen. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 100 Euro habe der Kreis in der Vergangenheit im Landesvergleich gut gewirtschaftet - das könne der baden-württembergischen Regierung ein Ansporn sein. Im übrigen gab sich Günther-Martin Pauli zuversichtlich, dass das Land und die Kommunen ihr gutes Miteinander fortsetzen können.

Verkehrsminister Winfried Hermann nannte es eine große Herausforderung, die Mobilität im ländlichen Raum zu sichern. Seine Grundphilosophie: eine nachhaltige Mobilität zu schaffen - eine umwelt-, klima- und menschenverträgliche. Dazu müssten die Autos wie auch die übrigen Verkehrsmittel energieeffizienter und umweltverträglicher werden; müssten Bahnen und Busse größere Anteile des Verkehrs übernehmen. Dazu brauche es, speziell im ländlichen Raum, gute Verknüpfungstationen (=entsprechende Zug- und Busverbindungen) - und daran hapere es, räumte er ein. Doch hätten die Grünen hohe Ansprüche an den öffentlichen Verkehr; sehr wohl darum wissend, dass die Schiene in der Region lange vernachlässigt worden sei, und dem Busverkehr die große Gefahr drohe, mit dem Rückgang des Schülerverkehrs einzubrechen. Hier brauche es eine neue Finanzierungsbasis. Zur B27 beziehungsweise den "uneingelösten Versprechen seit 60 Jahren" merkte Hermann an, dass es, "weil auch wir das Geld nicht beliebig vermehren können", in den nächsten Jahren den Schwerpunkt auf den Erhalt und die Sanierung der Straßen zu legen gelte. Investiert werden müsse ebenso in neue Technologien (beispielsweise Elektroautos), was, gab der Verkehrsminister zu, bis dato in der Summe stark konzentriert im Ballungsraum Stuttgart geschah. Jedoch seien Ideen wie Bürgerbussysteme oder Sammel-Taxis auf Bestellung Ideen, die sich auch in den ländlichen Raum tragen ließen.

Bevor es schließlich zum Dialog an sieben Thementische ging (inhaltlich gegliedert in: Wirtschaft, Handwerk, Arbeit; Bildung, Schulen; Gesundheit, Soziales, Senioren; Mobilität, Verkehr; Landwirtschaft, Regionalentwicklung; Umwelt, Energie, Klimaschutz; Bürgebeteiligung, Ehrenamt, Kultur), berichtete Conny Richter als Expertin noch über die Kindertageseinrichtungen im Zollernalbkreis.

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