Ärzteorchester spielt musikalische Schätze aus Russland

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Der erst 14-jährige Cellist Lionel Martin (rechts) sorgte für einen der Höhepunkte des Konzertabends mit dem Tübinger Ärzteorchester.  Foto: 

„Russisch“ – unter dieses Motto stellte das Tübinger Ärzteorchester unter der neuen Leitung von Jochen Brusch sein Frühjahrskonzert in der gut besuchten Hechinger Stadthalle. Im Fokus der Aufführung standen Werke russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts, darunter auch Tonschöpfungen, die sonst eher selten in Konzertprogrammen zu finden sind.

Alexander Alexandrowitsch Alabjew (1887-1851) war einer der ersten russischen Komponisten, die sich für die Volksmusik ihrer Heimat interessierten und diese sammelten. Glanzvoll, mit viel Verve und Schwung eröffnete das Orchester mit seiner Ouvertüre zum Drama „Der Abtrünnige“ und setzte die sprühenden, musikalischen Einfälle des Komponisten mit Wärme und Sanglichkeit perfekt um.

Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) wird gerne als „Vater der russischen Musik“ bezeichnet, denn er war der erste, der nach einer eigenen, russischen Musiksprache suchte und das Volkslied als Basis für sein Schaffen entdeckte. Den hellwach und engagiert agierenden Symphonikern gelang eine Interpretation von Glinkas effektvollem Orchesterwerk „Sinfonie über zwei russische Themen“, die der Vielfältigkeit der Komposition bestens gerecht wurde. Die Musiker erreichten eine klangliche Homogenität, vor der spezielle Effekte umso deutlicher hervortreten konnten.

Als Meister großer Entwicklungen und weiter Bögen zelebrierte Brusch mit lockerer, versierter Stabführung einen großräumigen, breit ausladenden Stil, der den imposanten architektonischen Aufbau der Musik vortrefflich zur Geltung brachte, während das Register in seiner Tonbildung nuanciert genug war, um alle im Werke liegenden Farbwirkungen und Illusionen wach zu rufen.

14-jähriger Wirbelwind

Höhepunkt des Konzertabends war der Auftritt des erst 14-jährigen Cellisten und Bundespreisträgers von „Jugend musiziert“, Lionel Martin. Mit Elan und Schwung gestaltete der junge Musiker Tschaikowskys technisch anspruchsvolle „Rokoko-Variationen“ (op. 33) überzeugend, prägant und knackig in der Tongebung, in raschem, aber keinesfalls überhastetem Tempo. Mit spannungsvoll artikulierten Läufen und reichhaltigen klanglichen Nuancierungen sorgte er als frischer Wirbelwind für kurzweiligen Genuss und „Bravo“-Rufe. Das Ärzteorchester spielte hierzu mit wachem Sinn für die fesselnde Orchestrierung.

Strahlende Virtuosität

Als letztes Mosaiksteinchen der Lektion zur russischen Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts und als weiterer Leckerbissen des Konzerts fügte sich das „Klavierkonzert Nr. 4 in d-moll, op. 70“ von Anton Rubinstein (1829-1894) in den musikalischen Vortrag ein. Hier erwies sich der in Hechingen nicht unbekannte Pianist Alexander Reitenbach als sensibler und höchst versierter Interpret. Sein technisch makelloses, feinnerviges Spiel ist von einer strahlenden Virtuosität, die über ungemein zarte Pastellfarben verfügt.

Reitenbachs Anschlag ist traumhaft lyrisch und sein Stil unverkennbar geprägt vom Besten der legendären russischen ­Schule, mit dem er den Geist der melancholischen Nostalgie einfängt, der viele Stücke dieser Epoche durchweht. Mit herzlichem ­Beifall ­bedankte sich das  Publikum für den schönen Konzertabend.

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