Mordprozess: Mutmaßliche Drogendealer halten sich bedeckt

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Die Datenauswertung am sechsten Verhandlungstag erforderte von allen am Prozess Beteiligten am sechsten Verhandlungstag einiges an Geduld.  Foto: 

Einiges an Geduld erforderte die Auswertung der Videoaufzeichnungen im Hechinger Mordprozess am sechsten Verhandlungstag von allen Beteiligten, denn viel Neues brachten sie tatsächlich nicht ans Licht. Die Aufnahmen aus der Spielothek, in der sich die Angeklagten, das Opfer und sein Freund vor der Tat am 1. Dezember 2016 aufhielten, zeigen ein Kommen und Gehen – erst das der Angeklagten, später kommt das Opfer hinzu. Ob es sich bei den angedeuteten Gesprächen in den Aufzeichnungen um Streitigkeiten handelt, war für den Zuschauer im Gericht nicht ersichtlich. Ein weiteres Video vom Tatabend in der Unterstadt zeigte, wie ein rotes Auto mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße rast.

Anschließend sagten zwei weitere an den Mordermittlungen beteiligte Kriminalbeamte aus, die zwei der Angeklagten verhört hatten. Der mutmaßliche Beifahrer hatte zunächst alles abgestritten, dann aber doch Angaben gemacht. Er sei von seinem Freund – dem mutmaßlichen Fahrer – gegen 17 Uhr am besagten Abend abgeholt worden und mit ihm in die Spielhalle nach Hechingen gefahren. Von dort sei er wieder nach Hause. Später habe ihn seine Mutter ins Sportstudio gebracht. Erst in der Nachtschicht habe er von der Tat in Hechingen erfahren, so hatte es der Angeklagte bei der Polizei zu Protokoll gegeben.

An die Aussage des ältesten Mitangeklagten, der sich wegen Drogenhandel verantworten muss, erinnerte sich ein weiterer Ermittler. Der 36-jährige habe in der Spielothek auf seine Frau gewartet und habe den Streit zwischen den zwei jüngeren Angeklagten und dem späteren Begleiter von Umut K. beobachtet. „Irgendjemand hätte wohl jemand anderem Geld geschuldet“, hatte der Angeklagte bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Er habe versucht zu schlichten, das sei ihm aber nicht gelungen. Den Eigenkonsum von Marihuana hatte er zugegeben, verneinte aber irgendetwas mit Drogengeschäften zu tun zu haben. Die Auswertung seines Handys hatte ergeben, dass er kurz nach der Tat nach „omicidio a Hechingen“ (Mord in Hechingen) gegoogelt hatte.

In ihrer Funktion als Ermittlungsrichter berichteten auch Richter Ernst Wührl und Richterin Irene Schilling von ihren Vernehmungen. „Widersprüchlich“ seien die Angaben gewesen, die die zwei jüngeren Angeklagten gemacht hatten, erinnerte sich Richterin Schilling. Glaubhafter sei ihr der mutmaßliche Fahrer des roten Punto erschienen, da er ausführlichere Angaben machte und sich selbst gemeldet hatte.

„Dazu mache ich keine Angaben“, war der beliebteste Satz am Nachmittag des sechsten Verhandlungstages. Zwei mutmaßliche Drogendealer – auf beide wartet ein separates Verfahren, einer von ihnen ist bereits wegen anderer Delikte in Haft – waren im Zeugenstand und sagten freilich wenig aus, um sich selbst nicht zu belasten.

Der 25-jährige Italiener, der mutmaßlich hätte erschossen werden sollen, hatte Schulden, gab der 24-jährige Zeuge – ebenfalls Italiener – an. Ja, er wisse auch woher, aber das wolle er nicht sagen. Er bejahte, dass die zwei jüngeren Angeklagten gedealt hatten. „Woher wussten Sie das“, wollte einer der Verteidiger wissen. „Gschwätz“, war die lapidare Antwort.

Der zweite Zeuge gab zu, vor seiner Haft Kokain und Marihuana konsumiert zu haben. Über seine Beziehungen zu Waffen verweigerte er die Aussage. Das Opfer und sein Begleiter bezeichnete er als „sehr gute Freunde“. Nicht erinnern konnte er sich, warum er noch am 1. Dezember Kontakt mit Letzterem hatte. Er sei an dem Tag in Böblingen gewesen. Die Angeklagten kenne er nur flüchtig „vom Sehen“.

„Umut hat nichts mit Drogen zu tun und mit dieser Sache hier auch nicht“, appellierte er zum Schluss – dann doch redselig – an das Gericht.

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