Mit Tempo 230 durchs Killertal

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Zu schnelles Fahren ist nur eine Ordnungswidrigkeit.  Foto: 

Mit einem Mittelwert von 230 Kilometern pro Stunde rasten zwei BMW-Fahrer am Fronleichnamstag über die B 27 und B 32. Jetzt musste sich einer der Sportwagenfahrer vor dem Amtsgericht in Hechingen verantworten. Angeklagt war er wegen der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs. Und weil er danach weiter Auto gefahren war, obwohl er keinen Führerschein mehr besaß.

Mit 230 Sachen durchs Killertal

Der Angeklagte und der zweite Fahrer waren an jenem Feiertag im Mai über die B 27 aus Richtung Balingen nach Hechingen gerast. Dann setzten sie ihre Fahrt auf der B 32 Richtung Jungingen fort. Auf der Strecke sollen sie mehrere Autos überholt haben. Der 22-jährige Angeklagte, der voraus fuhr, soll zudem einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer verursacht haben. Der Zweiradfahrer sagte aus, der BMW sei  ihm quer gestellt auf seiner Fahrbahn entgegen gekommen. Nur mit Glück habe er dem Auto durch ein gewagtes Manöver ausweichen können.

Durch die drängelnde Fahrweise und die auffälligen Autos wurde ein Polizist auf die Raser aufmerksam. Dieser verfolgte die beiden BMWs auf seinem Motorrad. Trotz hoher Geschwindigkeit konnte der Polizist die Fahrer nicht stoppen und verlor den Anschluss. Im Gericht wurde mit Hilfe eines vom Polizisten erstellten Videos eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern ermittelt. Zudem sollen das Drängelverhalten und die Überholmanöver auf dem Video zu sehen sein.

Kein Kontrollverlust

Das viel zu schnelle Fahren gab der 22-Jährige Angeklagte gleich eingangs der Verhandlung zu. Andere Anklagepunkte wies er von sich: „Ich bin nicht ins Schleudern geraten. Ich hatte mein Fahrzeug zu jeder Zeit unter Kontrolle. Ich habe niemals an einer Stelle überholt, bei der ich nichts sehen konnte.“ Den weiteren Vorwurf, er sei trotz des ihm entzogenen Führerscheins Auto gefahren, wies er ebenfalls von sich.

Außer dem Polizisten wurde der gefährdete Motorradfahrer in den Zeugenstand gerufen. Er  sagte nicht nur aus, dass ihm der BMW quer auf seiner Fahrbahn entgegen kam, sondern versicherte, den Angeklagten Wochen später beim Fahren eines Autos erkannt zu haben. Daraufhin habe er bei der Polizei nach dessen Fahrerlaubnis gefragt und die Rechtswidrigkeit gemeldet.

Beweise für den Angeklagten

Auch nach mehrmaligem Nachfragen blieb der Zeuge bei seiner Aussage: Er sei sich sicher, den Angeklagten am besagten Tag, zur besagter Uhrzeit gesehen zu haben. Ein vom Verteidiger vorgelegtes Video scheint allerdings das Gegenteil zu beweisen. Das Band wurde am Arbeitsplatz des Angeklagten aufgenommen. Demnach hat er sich zur fraglichen Zeit dort und nicht hinterm Steuer aufgehalten.

Ob wirklich der Angeklagte auf dem Video vom Arbeitsplatz zu sehen ist, wird jetzt von der Staatsanwaltschaft geprüft. Am nächsten Mittwoch, 21. Dezember, soll die Verhandlung mit neuen Erkenntnissen im Amtsgericht Hechingen fortgesetzt werden.

Der Bundesrat brachte im September dieses Jahres die Gesetzesinitiative ein, die Strafen für illegale Autorennen zu verschärfen. Anfang diesen Monats stimmte auch das Bundesverkehrsministerium dem Gesetzesentwurf zu. Künftig sollten Autorennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeiten sondern als Straftaten gelten. Bislang kommt man bei Verstößen wie Raserei und illegalen Autorennen mit einem Bußgeld von 400 Euro und einem Monat Führerscheinentzug glimpflich davon. Zur stärkeren Abschreckung sollen Teilnehmer solcher Rennen bald bis zu zwei Jahre Haft drohen – und sogar bis zu zehn Jahre, wenn jemand dabei schwer verletzt oder getötet wird. Zusätzlich sollen Behörden den Führerschein für bis zu fünf Jahre einziehen können. Der endgültige Gesetzesbeschluss liegt noch nicht vor.

Der laufende Mordprozess des sogenannten Motorradfahrers „Alpi“ zeigt, wie gefährlich solche Raser sein können. Immer wieder fuhr der Mann mit zu hoher Geschwindigkeit und gefährlichen Manövern – alles dokumentiert durch seine Kamera. Die Filmchen veröffentlichte er dann auf Youtube. Bei einer seiner riskanten Fahrten im Sommer tötete er dabei einen ihm in die Quere kommenden Rentner.

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