Pfarrer Peter Eche ist Urlaubsvertretung in Hechingen

|

Er findet es schrecklich kalt dieser Tage in Hechingen, und Sauerkraut hält er für ungenießbar. Aber sonst gefällt es Dr. Peter Eche gut in Deutschland. Er weiß, wovon er spricht. Der Geistliche aus Nigeria, der dieser Tage Hechingens Stadtpfarrer Gabriel Maiwald vertritt, hat schon mehrfach Urlaubsvertretungen in der Bundesrepublik übernommen. Zumeist in Bayern.

Seine Heimatpfarrei ist die Gemeinde St. Maria in Awka (auch Oka geschrieben) im Süden Nigerias. Dort arbeitet er mit fünf Kollegen zusammen. Das ist wohl auch nötig, denn sonntags werden dort sechs Messen gehalten, werktags immer drei. Und stets ist die Kirche voll besetzt – anders als hierzulande.

Das ist dann auch der Eindruck, den er mit anderen afrikanischen oder indischen Urlaubsvertretungen, etwa Pfarrer Eugen, der derzeit in Salmendingen amtete, teilt: Deutschland ist ein imponierend wohlorganisiertes und wohlhabendes Land. Aber um den Glauben ist es schlecht bestellt, die Kirchen sind leer. Wer könnte dem 64-Jährigen da wider­sprechen?

Man braucht keinen Doktortitel, um die Verbindung herstellen zu können: Geht es den Menschen schlecht, suchen sie Hilfe bei Gott, geht es ihnen gut, fühlen sie sich auf diesen Beistand nicht mehr so sehr angewiesen. A propos Doktor. Peter Eche hat in Rom promoviert. Thema seiner Arbeit war das Letzte Abendmahl, dessen christliche und spirituelle Botschaft und der Vergleich mit nigerianischen Festmahlen: Hochzeit, Beerdigung und andere gemeinschaftliche Essen. Das hört sich spannend an, mit einer kulturanthropologischen Komponente versehen.

Seine eigenen Mahlzeiten im Hechinger Pfarrhaus bereitet sich der Geistliche selber zu, dann gibt es natürlich nigerianische Küche. An deutschem Essen liebt er – man merkt, er war oft in Bayern – Knödel, Pfifferlinge und Nudeln. Sauerkraut, wie erwähnt, findet er scheußlich, wenngleich, wie er einräumt, es wohl sehr gesund sei.

Um sich über den Speiseplan Gedanken zu machen bleibt jedoch nicht viel Zeit. Der Seelsorger hat viel zu tun. Vor seiner Abreise hat ihm Hausherr Gabriel Maiwald die eigene und die umliegenden Gemeinden vorgestellt, sie haben zusammen eine Messe zelebriert, seit zwei Tagen auf sich selbst gestellt, hat er bereits seinen ersten Gottesdienst gehalten. Und der Terminkalender für die kommenden Wochen ist voll. Heute steht als nur einer von mehreren Terminen eine Hochzeit auf dem Programm.

Pfarrer Eche hat, in Anbetracht der kurzen Zeit, in der er – seit Dienstag – hier ist, noch nicht viele Bekannte in der Stadt, ist aber zuversichtlich, die Menschen bald näher kennenzulernen. Darauf freut er sich. Über ein touristisches Programm, das in der knappen Freizeit stattfinden könnte, hat er sich indes noch keine Gedanken gemacht.

Am 7. September zurück

Am 7. September läuft seine Zeit aus, dann wird er zurückkehren in seine Heimatgemeinde – eine Gemeinde in einem der an Bodenschätzen reichsten Länder der Erde, das jedoch von jeher unter Armut, Kriegen und Aufruhr leidet, hervorgerufen durch koloniale Ausbeutung, Misswirtschaft und Korruption. Die politische Situation in Nigeria sei weiterhin schwierig, bestätigt er. Zumal für die christlichen Gemeinden. (Vermutlich aber auch für friedliebende Muslims, denn im Norden des Landes tobt weiterhin die fundamentalistische Terrororganisation Boko Haram). Freilich ist es doch seine Heimat, die er liebt, weil er dort gebraucht wird, und weil seine Familie, fünf Geschwister besitzt er, dort lebt. Heimweh? Darauf kommt der Geistliche in seinen ruhigen, in gutem Deutsch gesprochenen Worten, nicht zu reden Er macht einen zufriedenen Eindruck. Gott, so versteht man ihn, ist überall, er habe ihn als Kind schon, zum Priester „benannt“. Ihm folgt er und versucht, soviel er kann, von seiner Lehre weiterzugeben.

Was er den Menschen hier wünscht? Mehr Religiosität? Mehr Anstand, Zucht, Ordnung, Bescheidenheit? Nein: Glück, Zufriedenheit, Gottes Segen. Und denen, die nicht in die Kirche kommen, weil sie sich gerade im Urlaub befinden, eine schöne und glückliche Zeit.

Messen hält Dr. Peter Eche an diesem Sonntag in Hechingen: um 9 Uhr in St. Luzen, um 10.30 Uhr in St. Jakobus. Das wäre doch eine Gelegenheit, ihn kennenzulernen?

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Verkehrsunfall: Audifahrer stirbt bei Bodelshausen

Bei einem Unfall, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, kam am frühen Sonntagabend zwischen Hechingen und Bodelshausen der Fahrer eines Audi ums Leben. weiter lesen