Messgerät defekt? "7Dayz" ausgebremst

Ein möglicherweise defektes Messgerät verhinderte den Auftritt der Rockgruppe "7Dayz" in der Stadthalle "Museum". Die Fronten zwischen Hausverwaltung und Musikern sind verhärtet.

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Es hätte ein vielversprechender Abend werden können in der Stadthalle "Museum": Die Rockband "7Dayz" aus Oberndorf am Neckar machte am Samstag auf ihrer "777-Tour - Wir helfen Kindern" Halt in der Zollernstadt. Gemeinsam mit ihren Vorbands präsentieren sie üblicherweise nicht nur ihre eigens geschriebenen Alben, sondern unterstützen mit einem Teil der Einnahmen auch einen Förderverein in Tübingen, der sich um krebskranke Kinder kümmert.

Doch noch vor Konzertbeginn war die Stimmung bei den Bandmitgliedern und ihrer Crew auf dem Tiefstpunkt. Nach langem Überlegen wurde der Abend schließlich schweren Herzens abgesagt. Grund war ein Disput mit der Hausverwaltung.

"Nach Herrn Seifert sind wir zu laut für die Stadthalle", erklärte Bassist und Sänger Timon Dürr. "Wir würden die vorgeschriebene Grenze von 98 Dezibel bei weitem überschreiten - dabei haben wir unsere Instrumente noch gar nicht an die Anlage angeschlossen. Das kann überhaupt nicht sein."

Rolf Seifert, Hausmeister der Stadthalle "Museum", hingegen verteidigte seine Position: "Es ist vertraglich geregelt, dass eine Veranstaltung die 98-Dezibel-Grenze nicht überschreiten darf", sagte er. "Wir riskieren sonst eine Anzeige seitens der Anwohner. Auf die muss man ja auch Rücksicht nehmen."

Einen Defekt des Messgerätes schloss er aus, beim (Volksbanken-)Konzert am Freitag habe noch alles einwandfrei funktioniert. Läge ein Fehler in der Technik vor, so müsse dieser innerhalb der letzten 24 Stunden entstanden sein. Seifert zufolge habe sich die Band überhaupt nicht bemüht, die Lautstärke herunter zu pegeln oder sich in irgendeiner Weise den Hausregeln für die Lautstärke anzupassen.

Diese Behauptung dementierte "7Dayz" und hielt dagegen, dass Seifert angedroht habe, bei einer Überschreitung des zugelassenen Messwertes den Strom in der Stadthalle abzuschalten. "Das würde einen enormen Schaden an der Anlage verursachen", sagte ein Tontechniker, der ungenannt bleiben möchte. Außerdem würde auch die Gefahr einer Panik drohen. "Stellen Sie sich vor, in der Halle sind ein paar Dutzend Menschen - und plötzlich ist der gesamte Strom weg."

Seiferts Ansicht, das Messinstrument sei fehlerfrei, teilten der Tontechniker und seine Kollegen nicht: "Das Messgerät zeigt schon fast den Höchstwert von 98 Dezibel an, wenn die Musikinstrumente noch gar nicht an der Anlage angeschlossen sind. Das ist eigentlich nicht möglich." Ein Eichprotokoll des Messgerätes habe man ihnen nicht vorlegen können, und die Bitte, die Anlage persönlich zu überprüfen, sei ihnen abgeschlagen worden. Einen handfesten Nachweis habe man also nicht.

Für "7Dayz" lieferte sich der Beweis selbst: Bei absoluter Stille in der Stadthalle zeigte das Messgerät 50 Dezibel an und fiel auch nicht unter diesen Wert. Zum Vergleich: Ein Gespräch bei normaler Lautstärke würde diesen Wert bereits erreichen. "Und da soll nichts kaputt sein?" regte sich Gitarrist Jürgen Dürr auf.

Eine Angestellte des "Museums", die zufällig dazu stieß, erklärte gegenüber der HZ, dass das Messgerät immer auf 50 Dezibel stehe: "Ich wusste aber nicht, dass das nicht so sein soll." Die Mitglieder von "7Dayz" jedenfalls waren frustiert und wütend: Nach stundenlangem Aufbau konnte ihre Crew die gesamte Anlage ungenutzt wieder abbauen, vom finanziellen Defizit ganz zu schweigen.

"Wir haben uns wochenlang auf diese Auftritte vorbereitet, wir hatten richtig Lust, dem Publikum ein gutes Konzert zu liefern", sagte Frontsängerin Lea Dürr geknickt. "Ich kann das alles nicht nachvollziehen." Jürgen Dürr kündigte an, sich rechtliche Schritte gegen die Stadtverwaltung, die für das "Museum" zuständig ist, vorzubehalten. Die Miete werde man auf jeden Fall nicht zahlen.

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